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Grandiose Ausreden, Ihr Nicht-Wähler!

Ein neuer, alter Name für die Arena, Riesaer Nicht-Wähler und der tiefe Fall einer Geschäfts- führerin. Unser Rückblick kann kaum enttäuschender sein.

Von Kevin Schwarzbach

Endlich, die Erdgasarena hat einen neuen Sponsor – dachten zumindest viele, als sie die Überschrift „Neuer Name für die Arena“ vor sich in der Zeitung sahen. Doch statt mit einem komplett neuen Namen, kommt die Arena dann doch nur mit dem Alten daher. Damit beweist die FVG mal wieder, dass sie geprägt ist von jugendlicher Frische. Denn die Rückkehr zum Alten liegt absolut im Trend der Zeit: voll retro, der neu-alte Name.

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Nun also doch wieder Sachsenarena. Sogleich wurden eifrig die Beschilderungen in und um Riesa erneuert. Ach, quatsch: veraltert. Denn passenderweise musste nur der aufgeklebte Schriftzug „Erdgasarena“ abgezogen werden – und schwups, da war sie wieder: die Sachsenarena. In den Tiefen der Schilder hieß sie doch sowieso schon immer so. Damit der neue, alte Name nicht ganz so betagt erscheint, hat die FVG nicht den verstaubten „Sachsenarena“-Schriftzug aus dem Keller gekramt, sondern einen modernen anfertigen lassen – in schniekem FVG-Blau. Übertreiben wollen es die Verantwortlichen mit der Retrowelle dann doch nicht. So schön es für Riesa und die FVG wäre: Bleibt nur zu hoffen, dass sich nicht bereits diese Woche ein neuer Namenssponsor findet. Dann dürfte die FVG ihr neues Logo gleich wieder in den Keller schaffen, alle Schilder überkleben und die Riesaer müssten sich an den nächsten neuen Namen gewöhnen – und das gerade aufgebaute, bereits die ersten Sympathien sammelnde Retro-Image der FVG wäre wieder dahin.

„Ich habe gehört, dass der Riesaer Stadtrat in so einer Umfrage richtig schlecht abgeschnitten hat“, sagt ein Mann mittleren Alters zu seinem Freund. „Kann ich auch total verstehen, weil der Stadtrat ist einfach mal voll schlecht. Keiner weiß, was die Leute dort eigentlich machen. Verändert haben die bisher sowieso nichts“, fährt er fort. Die Szene, die sich am Riesaer Bahnhof ereignete, ist mittlerweile zwei Wochen her. Zwei Wochen, in denen genau die Bürger, die den Riesaer Stadtrat in der SZ-Umfrage gnadenlos abstraften und für einen der schlechtesten Räte im SZ-Verbreitungsgebiet erklärten, die Chance hatten, das Gremium neu zu besetzen – bei den Kommunalwahlen am vergangenen Sonntag. Doch was machen diese Riesaer? Sie haben Besseres zu tun – mehr als die Hälfte geht nicht zur Wahl. Von 27 587 Wahlberechtigten schafften es gerade einmal 11 892, den Gang zur Wahlurne anzutreten. Das macht eine Wahlbeteiligung von schwachen 43,1 Prozent. Doch dafür gibt es natürlich plausible Gründe. Die lieferten – passenderweise – die beiden eloquenten Herren, die, wie es der Zufall will, vor wenigen Tagen erneut ein Politikgespräch am Bahnhof führten. „Bei dem Wetter hatte doch echt keiner Lust, wählen zu gehen. Es war viel zu warm und die 500 Meter zum Wahllokal sind mir echt zu weit gewesen“, sagt der eine. „Und am Ende weiß man doch eh nicht, wen man wählt. Ist ja alles geheim“, entgegnet der andere. Stimmt! Schon verflixt, dieses undurchsichtige Wahlsystem. Setze ich mein Kreuz bei Marco Müller (CDU) stimme ich eigentlich für Uta Knebel (Linke) ab. Und wähle ich Dirk Haubold (Freie Wähler) geht meine Stimme an Andreas Näther (SPD). Da soll mal einer durchsehen. „Bevor Sie hier weiterphilosophieren, sollten Sie bei der nächsten Wahl vielleicht doch mal ins Wahllokal gehen und auf den Stimmzettel sehen“, entfährt es mir. „Meine Stimme bringt doch eh nichts. Ich war noch nie Wählen. Die Kandidaten sind sowieso unfähig“, entgegnet der eine Herr resigniert. Und ich flüchte mich in den herannahenden Zug – bevor ich noch beginne, wie Rumpelstilzchen ums Feuer zu tanzen.

Liebe Leser, Sie haben bei der Jobsuche alles falsch gemacht. Die Geschäftsführerin vom SC Riesa hätten Sie in den letzten Jahren sein müssen. Auf Kosten des Vereins tanken, Dienstwagen an die Freunde verteilen – das klingt doch mehr als verlockend. So sah das wohl auch Peggy Freytag. Die geschasste SC-Geschäftsführerin hat nun eine Anzeige ihres ehemaligen Vereins an der Backe, weil die Unregelmäßigkeiten in den Tankabrechnungen noch immer nicht aufgeklärt sind. Indes wartet die Sport Commerz Riesa GmbH, der Freytag auch als Geschäftsführerin vorstand, auf Erklärung, warum sie dem Fußballtrainer Thomas Kupper ein eigenes Dienstfahrzeug genehmigte. Schwups, die nächste Anzeige. Vielleicht haben Sie bei der Jobsuche doch nicht ganz daneben gelegen.

Diese Woche kann wohl kaum enttäuschender werden.