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Greifvögel mögen Heynitz

Die Landschaft zwischen Miltitz und Heynitz ist zunehmend Lebensraum streng geschützter Vögel wie Milane, Mäusebussard oder Habicht. Jagdpächter halten die genauen Standorte geheim.

Von Dieter Hanke

Was wohl die wenigsten wissen: Die Landschaft zwischen Miltitz und Heynitz, auch die Löbsche genannt, die sich vom Weißen Stein bis Krögis erstreckt, ist zunehmend Lebensraum von Greifvögeln. Milane, Mäusebussard oder Habicht fühlen sich hier wohl. Sogar die Rohrweihe, ein sehr seltener Greifvogel, ist hier anzutreffen. Deutschlandweit hat dieses Gebiet im Landkreis Meißen bei Ornithologen und weiteren Naturfreunden einen exzellenten Ruf.

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Ein Rotmilan sitzt auf einem Zaunpfahl. Der Bestand dieser Greifvogelart hat sich in der Miltitz-Heynitzer Gegend gut entwickelt. Foto: ddp
Ein Rotmilan sitzt auf einem Zaunpfahl. Der Bestand dieser Greifvogelart hat sich in der Miltitz-Heynitzer Gegend gut entwickelt. Foto: ddp

„Darüber sind wir sehr froh“, sagt Karsten Schlüter, Vorsitzender des Kreisjagdverbandes Meißen. Die Jagdpächter der Hegegemeinschaft Ketzerbachtal-Triebischtal sorgen dafür, dass diese streng geschützten Vogelarten, die eine ganzjährige Schonzeit haben, sich gut entwickeln können. „Dabei arbeiten wir mit Ornithologen aus Meißen sowie Landwirten und Naturfreunden eng zusammen“, sagt der 50-jährige Kreisjägermeister.

Windräder zerhacken Milan

Der Erfolg ist sichtbar. Der Rotmilan, auch Königsweihe genannt, der in Europa kaum noch vorkommt und dessen Flügelspannweite anderthalb Meter und mehr beträgt, brütet in diesem Revier. „Mindestens ein Brutpaar ist hier anzutreffen“, sagt Schlüter. Allein in der Miltitzer-Heynitzer Region würden etwa zehn Prozent des Bestandes dieser seltenen Vogelart vorhanden sein. „Im Flugbild erkennt man deutlich den gegabelten Schwanz“, bemerkt der Kreisjägermeister. Der Rote Milan steige hoch in die Luft, um somit bessere Beutetiere wie Mäuse zu entdecken. Schlüter: „Dabei braucht er möglichst intensiv genutzte Wiesen, die immer wieder gemäht werden. Das findet er hier vor“.

Auch Schwarzmilane – eine ebenfalls streng geschützte Greifvogelart–  beobachten die Jagdpächter und Ornithologen in dieser Meißner Gegend. Tieftraurig waren sie, als vor Kurzem ein Tier durch Windräder im Heynitzer Revier zerhackt wurde. „Wir hoffen, dass in unserer Gegend nicht noch mehr Windkraftanlagen entstehen. Für Vögel stellen sie eine große Gefahr dar“, sagt Schlüter.

Auch Waldkauz ist heimisch

Auch beim Mäusebussard wurden mehrere Brutpaare registriert. Sogar die Rohrweihe, die fast ausgestorben ist und einen leicht gaukelnden Flug hat, brütet im Röhricht der Heynitzer Gegend. „Wir beobachten, dass die Greifvögel besonders in den Feldgehölzstreifen in der Nähe der Löbsche brüten“, sagt Schlüter. Die Jagdpächter freut, dass sich auch Waldkauze gut vermehren würden. Ein großer Erfolg ist ferner, dass auch der extrem seltene Waldkauz hier heimisch ist. Diese kleine Eule kommt zum Beispiel in Obermiltitz auf Streuobstwiesen in Richtung Heynitz vor.

„Wir haben stabile Bestände bei Greifvögeln. Sie halten sich in diesem Gebiet auf. Im Herbst ziehen die meisten nach Südeuropa in wärmere Gefilde“, bemerkt Schlüter. Um diese seltenen Vogelarten zu schützen und ihre Ruhe nicht zu stören, verraten die Jagdpächter und Ornithologen nicht die konkreten Standorte im Miltitz-Heynitzer Gebiet der Öffentlichkeit.

Falken sind jetzt häufiger anzutreffen. In der Nähe der Siebenlehner Autobahnbrücke brütet der Wanderfalke. Auch Baum- und Turmfalken sind verstärkt zu beobachten. Die Jagdpächter bringen zum Beispiel auch in bestimmten Gebäuden Nistkästen an, damit diese Vögel gute Bedingungen haben. „Ebenso werden Fledermauskästen im Wald aufgehangen“, sagt der Kreisjägermeister. Regelmäßig verständigen sich die Jagdpächter mit den Ornithologen über die Entwicklung der Bestände bei den einzelnen Vogelarten. „Da gibt es einen ständigen Datenaustausch“, bemerkt Schlüter.

Der Kreisjägermeister appelliert auch an die Landwirte im Meißner Land, Feldgehölze und Wiesenstreifen an Feldrändern nicht zu beseitigen. Für nicht wenige Vogelarten würden diese ein guter Lebensraum sein.