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Görlitz

Grenzstau ärgert Autofahrer

Immer wieder staut sich der Verkehr auf der Kahlbaum-Allee in Görlitz. Der Grund liegt in Zgorzelec. Die Stadt will reagieren.

Kein schöner Start in den Feierabend: Stau auf der Dr.-Kahlbaum-Allee in Görlitz. An manchen Tagen läuft der Verkehr hier auch zur Feierabendzeit problemlos. Es gab aber auch schon Tage mit Stau bis zur Schillerstraße.
Kein schöner Start in den Feierabend: Stau auf der Dr.-Kahlbaum-Allee in Görlitz. An manchen Tagen läuft der Verkehr hier auch zur Feierabendzeit problemlos. Es gab aber auch schon Tage mit Stau bis zur Schillerstraße. © Nikolai Schmidt

Sabine Martin muss zum Glück in die andere Richtung. Wenn sie nach ihrer Arbeit an der Neißegrundschule Feierabend hat, dann fährt sie in Richtung Bahnhof, also in Zittauer Richtung nach Hause. Dafür muss die Schulsekretärin von der Furtstraße, wo die Neißegrundschule liegt, über die Brückenstraße, und dann nach links auf die Kahlbaum-Allee abbiegen. Oft ist das gar nicht so einfach bei dem dichten Verkehr auf der Kahlbaum-Allee zur Feierabendzeit. 

Dieser Tage aber stehen die Autos dort oft still oder bewegen sich nur sehr langsam vorwärts. Auf der Straßenseite, die Richtung Grenze und Altstadt führt, ist seit etwa zwei Wochen immer wieder Stau. Und damit genug Zeit, um an der Kreuzung mit der Brückenstraße eine Lücke zu lassen, und Autofahrer wie Sabine Martin, die in die andere Richtung abbiegen wollen, durchzulassen.

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Der Grund für die Staus liegt in Zgorzelec. Dort wird ein weiterer Kreisverkehr gebaut. Mitte April haben die Arbeiten begonnen. Der neue Kreisel entsteht einen reichlichen Kilometer hinter der Stadtbrücke, wo die fünf Straßen Bohaterów Getta, Warszawska, Staszica, Daszynskiego und Okrzei aufeinandertreffen. Während der Bauzeit ist die bisherige Kreuzung gesperrt. Es gibt eine Umleitung. Für Schwierigkeiten scheint dabei eine neue Vorfahrtsregelung zu sorgen: Wer aus der Zgorzelecer Innenstadt kommend von der Pilsudskiego auf die Wolnosci – die nun mit zur Umleitung gehört – abbiegen möchte, hat jetzt Vorfahrt. Wer aus Görlitzer Richtung kommt, muss warten. An manchen Tagen läuft es problemlos, an anderen nicht.

Am Montag gab es am Nachmittag lange Autoschlangen. Sabine Martin, Sekretärin der Neißegrundschule, musste sich zwar, weil sie in die andere Richtung fährt, nicht einreihen. Sie habe aber auf der gegenüberliegenden Fahrbahn zahlreiche Eltern gesehen, die ihre Kinder von der Neißegrundschule abholen wollten.

Einer von ihnen war Karsten Günther-Töpert. Am Montag habe der Ortsvorsteher von Ludwigsdorf eine Stunde gebraucht, um sich zur Neißegrundschule durchzuschlagen, wo er seinen Sohn abholen wollte, erzählt er. Auf der gesamten Kahlbaum-Allee ging nichts mehr. „Das staute sich von der Elisabethstraße bis zur Kreuzung James-von-Moltke-Straße hoch. Kaum eine Chance, an die Neißegrundschule heranzukommen, jedenfalls nicht mehr pünktlich“, erzählt er. „Noch schlimmer ist es dann aber, von der Schule wieder wegzukommen. Und es geht hier um 125 Kinder, von denen ein Großteil von den Eltern abgeholt wird.“ Alle möglichen Leute würden versuchen, die Kahlbaum-Allee zu umfahren, was dazu führe, dass es sich auch in die Nebenstraßen hinein staut. Dass eine Baustelle in Zgorzelec bis nach Görlitz solche Auswirkungen hat, sei katastrophal.

Andreas Pelz braucht nur aus dem Fenster zu sehen, um zu wissen, ob der Verkehr rollt oder nicht. Er ist der Pflegedienstleiter im Seniorenzentrum „Am Stadtpark“. Die Angehörigen, die nachmittags die Tagespflegegäste wieder abholen wollen, wissen inzwischen Bescheid, erzählt er: Wenn man aus nördlicher Richtung anfährt, also aus Richtung Elisabethstraße, kommt man gut durch. Wenn man aus südlicher Richtung kommt, könnte es später werden.

Das betrifft auch die Busse der GVB, vor allem die Linie D, die unter anderem zur Hochschule fährt. Eine Extra-Route haben die Busse aber nicht, sagt Andreas Kolley. von den Görlitzer Verkehrsbetrieben. Falls Stau herrscht, „dann stellen wir uns normal mit an“. Deshalb könne es dieser Tage zu leichten Verzögerungen im Busfahrplan kommen, die die Fahrer aber versuchen wieder aufzuholen,

Die Kreiselbaustelle in Zgorzelec gehört zur Stufe drei bei der Revitalisierung der Innenstadt, erklärt die Zgorzelecer Pressesprecherin Renata Burdosz. Aufgrund von Verzögerungen im Zusammenhang mit dem Austausch der Gas-, Wasser-, Energie- und Telekommunikationsnetze werden die Arbeiten noch bis November dauern, teilt sie mit. Für die Behinderungen durch die Baustelle entschuldigt sich die Stadt.

Geschuldet seien die auch dem sehr spezifischen Verkehrsnetz von Zgorzelec, erklärt Renata Burdosz. Das Straßennetz basiert hauptsächlich auf Straßen, die in der Vorkriegszeit angelegt wurden und kein typisch städtisches System aufweisen. Es waren vorstädtische Straßen, um den Verkehr vom Zentrum des ehemaligen Görlitz in die östlichen und südlichen Stadtbereiche zu lenken, und andersherum. „Sie wurden auch für viel weniger Verkehr berechnet“, erklärt Renata Burdosz. Gerade die Kreuzung, die jetzt zum Kreisel wird, ist heute ein wichtiger Verkehrspunkt und wird sowohl von Zgorzelecern wie Görlitzern stark frequentiert.

Rückmeldungen, die bei der Stadt eingehen, werden analysiert, „aber die Beobachtungen, auf deren Grundlage wir eine Anpassung vornehmen können, sind noch nicht abgeschlossen“, erklärt Renata Burdosz. Zgorzelec will wissen, wie sich die Situation über den Zeitraum der vergangenen zwei Wochen – mit vielen Feiertagen und entsprechend viel Verkehr – hinaus verändern wird, um sich ein Bild von der alltäglichen Lage zu schaffen. Wenn sich die Schwierigkeiten nun auch mit dem üblichen Verkehrsaufkommen nicht geben, „werden wir versuchen, die Organisation des Verkehrs zu korrigieren.“ (mit SZ/dan)

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