merken

Grippewelle reißt nicht ab

In 122 Fällen wurde die Influenza bisher nachgewiesen. Vor allem Kinder hat’s erwischt.

© dpa

Von Maria Lotze

365 Tage für Patienten da

Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Die Wartezimmer in den Kinderarztpraxen der Region sind voll. „Wir haben einen deutlichen Anstieg der Influenzafälle“, sagt Dr. Margit Richter aus Döbeln. Die Medizinerin hatte am Wochenende Bereitschaft, und einiges zu tun. Nicht nur größere, sondern auch Kleinkinder kommen mit Beschwerden, die auf eine Influenza schließen lassen. Problematisch werde das vor allem, wenn das Fieber nicht mehr sinke, die Kinder wenig trinken oder durch den Husten schlecht Luft bekommen. Auch Kinderarzt Dr. Eckhardt Erdmann hat in den vergangenen 14 Tagen vermehrt Grippepatienten behandelt.

„Grund für die Grippewelle ist nicht der Impfstoff“, stellt der Döbelner klar. Der soll in dieser Saison weniger wirksam sein als sonst. „Der Impfstoff trifft nie zu 100 Prozent auf die Viren zu, das geht technisch gar nicht. Er kann sich ihnen nur annähern“, sagt Erdmann. Schuld an dem vermehrten Aufkommen der Influenzaviren sei das Wetter. „Hätten wir einen strengen Winter, gebe es weniger Fälle.“

Doch nicht nur die unter 18-Jährigen kränkeln. Bei der Firma Partzsch Elektromotoren, mit 375 Mitarbeitern einer der größten Arbeitgeber in Döbeln, gebe es ebenfalls einen erhöhten Krankenstand, wie Manuela Nebe, die Zuständige für Personal und Recht, sagt. Selbst die Ärzte und Pfleger am Döbelner Klinikum bleiben nicht verschont. Da das Haus zurzeit ohnehin voll belegt sei, sei dies eine besondere Herausforderung, sagt Claudia Eichhorn, Oberärztin auf der Inneren. Grippe-Patienten, die intensiv betreut werden müssen, gebe es bisher nicht. Auch in der Helios-Klinik in Leisnig musste bislang kein Patient wegen Grippe behandelt werden, so Sprecher Robert Reuther.

Die Erkältungs- und Grippewelle hat Mittelsachsen nach wie vor im Griff. Das Gesundheitsamt meldete zuletzt 122 Patienten, bei denen das Virus nachgewiesen worden ist. Im Vergleich zur Vorwoche sind noch einmal neun Patienten hinzugekommen. Der erste Fall trat am 8. Januar auf. Nachgewiesen wurde bisher vor allem der Virus Typ A, nur vereinzelt auch Typ B.

Mit 74 Erkrankten waren meist Kinder und Jugendliche zwischen null und 17 Jahren betroffen. Am häufigsten erwischt hat es dabei mit 32 Patienten die Sechs- bis Zehnjährigen. Aber auch 25 Null- bis Sechsjährige haben sich mit dem Virus infiziert. „Durch die Vielzahl an Personen und den engen Kontakt untereinander verbunden mit stundenlangem Aufenthalt in geschlossenen Räumen kann es schnell zu einer Ansteckung kommen“, erklärt Kreissprecher André Kaiser. Auf Empfehlung des Gesundheitsamtes hat die Sächsische Bildungsagentur zwei Schulen im Kreis, die Oberschulen in Claußnitz und Brand-Erbisdorf, bis Donnerstag schließen lassen.

Allgemeinmediziner Ernst Schneider aus Waldheim musste bisher nur zwei Patienten mit nachgewiesener Influenza behandeln. Viel mehr sitzen bei ihm in der Praxis zurzeit Menschen, die an einem grippalen Infekt leiden. Husten, Schnupfen, Hals- und vor allem Gliederschmerzen gehören zu den Symptomen. Die Grippe dagegen beginnt mit plötzlichem Fieber, schwerem Krankheitsgefühl, Husten sowie Kopf-, Hals- und Gliederschmerzen. Seinen Patienten rät Schneider zu Ruhe.

Die Zahl der Grippefälle hält sich in Waldheim womöglich auch in Grenzen, weil die Impfbereitschaft nach Schneider sehr hoch sei. „Wir haben grundsätzlich eine gute Impfquote, vor allem bei den Älteren“, sagt er. Laut dem Gesundheitsamt sind Impfungen gegen Influenza auch jetzt noch möglich. Bis zu zwei Wochen dauert es, bis diese Schutzwirkung entfalten. Wer gesundheitlich angeschlagen ist, sollte auf die Impfung verzichten, rät Schneider. Der Mediziner rechnet damit, dass die Zahl der Krankheitsfälle in der kommenden Woche aufgrund der Ferien wieder abnimmt. „Die Schulen sind dann leer, die Ansteckungsgefahr ist nicht mehr so groß“, begründet er. Auch das Gesundheitsamt rechnet dann mit einem Rückgang der Erkrankungszahlen unter den Schülern.

Sorge bereitet den Medizinern die bevorstehende Faschingszeit. „Mit den Umarmungen und Küssen kann es natürlich schnell zu einer Ansteckung kommen“, sagt Kreissprecher Kaiser. Allgemeinmediziner Schneider hofft auf die Vernunft der Patienten, gar nicht erst zu einer Veranstaltung zu gehen, wenn man krank ist.

Sachsen wählt: Am 1. September ist Landtagswahl in Sachsen. Sie wissen noch nicht, wen Sie wählen? Der Wahl-O-Mat für Sachsen hilft Ihnen bei der Entscheidung! Alle Berichte, Hintergründe und aktuellen News zur Landtagswahl finden Sie gebündelt auf unserer Themenseite zur Landtagswahl in Sachsen.