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Radeberg

Großbäckerei Eisold ist insolvent

Ein Insolvenzverwalter hat die Geschäfte übernommen. Er muss einen Weg finden, wie es mit den 17 Filialen und Cafes, wie dem Toscana in Dresden, weitergeht.

Die Bäckerei Eisold, hier die Filiale in der Zwinglistraße in Dresden, ist in wirtschaftliche Schieflage geraten.
Die Bäckerei Eisold, hier die Filiale in der Zwinglistraße in Dresden, ist in wirtschaftliche Schieflage geraten. © Foto: Sven Elger

Radeberg/Dresden. Die Großbäckerei Eisold mit Sitz in Radeberg ist in wirtschaftliche Schieflage geraten. Wie jetzt bekannt wurde, hat das Amtsgericht Dresden am Dienstag die vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Dr. Christian Heintze, Partner der Kanzlei BBL Bernsau Brockdorff, bestellt. 

Er verschaffte sich nach eigenen Angaben bereits einen ersten Überblick: „Der Geschäftsbetrieb wird uneingeschränkt fortgeführt. Die Bäckerei und Konditorei Eisold ist ein Traditionsunternehmen mit exzellentem Ruf und treuer Kundschaft. Das ist eine gute Ausgangsbasis für eine erfolgreiche Sanierung“, betont er. Nach seinen Angaben sind die Arbeitsplätze der 174 Beschäftigten vorerst gesichert. Die Löhne und Gehälter werden weitergezahlt.

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In dem Radeberger Unternehmen will sich niemand zu dem Verfahren äußern. Die Geschäftsleitung verweist auf den vorläufigen Insolvenzverwalter. Laut einer Sprecherin der Kanzlei BBL Bernsau Brockdorff sind einzelne Filialen der Großbäckerei in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. „Dort gab es Umsatzeinbrüche, teilweise durch eine starke Konkurrenzsituation. Wenn die Einnahmen über längere Zeit niedriger sind als die Kosten, dann muss gehandelt werden“, sagt sie und fügt hinzu. „In einem Insolvenzverfahren ist es unter anderem leichter, neue Mietkonditionen auszuhandeln.“ Ob Filialen geschlossen werden müssen, könne zum jetzigen Zeitpunkt nicht gesagt werden. „In den nächsten Wochen wird ein Sanierungskonzept erarbeitet“, sagte sie.

Die Bäckerei Eisold betreibt auch das Café Toscana am Blauen Wunder in Dresden.
Die Bäckerei Eisold betreibt auch das Café Toscana am Blauen Wunder in Dresden. © Jürgen Lösel

Für die Radeberger Stadtverwaltung kam der Schritt offenbar nicht überraschend. „Es gab Anzeichen“, sagt Oberbürgermeister Gerhard Lemm (SPD) der SZ. Der Geschäftsbetrieb war bereits stark zurückgefahren worden, so der OB. Jetzt hoffe die Stadtverwaltung natürlich, dass die Firma und jeder Arbeitsplatz erhalten bleibt. 

Der Geschäftsführer der Nahrungsmittelgewerkschaft NGG Raum Dresden, Volkmar Heinrich, wurde von der Insolvenz überrascht. „Die Qualität der Backwaren schätze ich sehr. Eisold gehörte meines Wissens auch nicht zu den Bäckereien, in denen es großen Zoff und eine Abstimmung mit den Füßen gab.“ Nach seinen Angaben hat die NGG rechtlich keine Möglichkeit, einen Sozialplan auszuhandeln. „Einige der Beschäftigten sind Mitglied der NGG, doch einen Betriebsrat haben sie nicht gewählt.“ Laut Volkmar Heinrich gibt es auch keinen Tarifvertrag in dem Unternehmen. Die NGG berate aber ihre Mitglieder natürlich in der Situation zu Fragen wie Insolvenzgeld oder Kündigungsschutz.

174 Mitarbeiter betroffen

Das Familienunternehmen Eisold mit Sitz in Radeberg ist eine bekannte Bäckerei und Konditorei mit insgesamt 17 Filialen in Dresden und dem Dresdner Umland sowie vier eigenen Gastronomie-Betrieben, darunter das bekannte Café Toscana am Blauen Wunder sowie das Schwarzmarktcafé an der Dresdner Hauptstraße. Der traditionsreiche Betrieb wurde im Jahr 1953 gegründet und beschäftigt derzeit insgesamt 174 Mitarbeiter. 

Im Zuge hoher Finanzierungs- und Mietkosten sowie Umsatzeinbußen infolge hohen Wettbewerbsdrucks an einzelnen Standorten konnte das Unternehmen zuletzt nicht mehr kostendeckend arbeiten und geriet in wirtschaftliche Schieflage. „In den kommenden Wochen werden wir Gespräche mit allen wesentlichen Beteiligten aufnehmen und einen Plan zur Neuaufstellung des Unternehmens erarbeiten“, erläutert Dr. Christian Heintze, der bereits eine Vielzahl von Unternehmen erfolgreich bei ihrer Sanierung begleitet hat. 

Der Geschäftsbetrieb in den 17 Filialen und vier Cafés läuft auch im Insolvenzverfahren unverändert fort. „Die Eisold-Kunden werden auch weiterhin wie gewohnt bedient“, betont der vorläufige Insolvenzverwalter. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, deren Löhne und Gehälter für drei Monate durch das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit gesichert sind, wurden heute über die aktuelle Situation und das weitere Vorgehen informiert.

Insolvenz bestätigt einen Trend

Mit der vorläufigen Insolvenz von Eisold bestätigt sich ein Trend, auf den Roland Ermer, Landesobermeister des sächsischen Bäckerhandwerks, in der SZ hingewiesen hatte. Nach seinen Worten ist die Zahl der Verbandsmitglieder im Freistaat seit der Wende von mehr als 2.200 auf rund 700 geschrumpft. „Der Konzentrationsprozess ist nicht dramatisch, die Betriebe werden nur größer“, sagte er. Viele kleine Bäcker seien überaltert, im Investitionsstau gefangen und so wenig attraktiv für Nachfolger. Ihre Standorte würden meist von anderen übernommen und blieben als Filiale erhalten. 

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