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Großbaustelle bestimmt weiter den Spielplan

Bei der Beseitigung der Flutschäden am Stadtkulturhaus in Freital sind erste Erfolge zu vermelden. Dennoch hält die Großbaustelle Gäste, Baufirmen und Gutachter weiter in Atem.

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Von Gunnar Klehm

Meterbreite Gräben umringen derzeit das Freitaler Stadtkulturhaus und die Musikschule an der Dresdner Straße. Ein drei Meter tiefer Krater versperrt den Ausgang zum Hof. „Die Wände sind immer noch enorm feucht“, erklärte unlängst Freitals Baubürgermeister Ulrich Kretzschmar (CDU). Deshalb wurden die Grundmauern aufgegraben.

Gericht hat noch keinen Gutachter beauftragt

Bis zum Beginn der Spielzeit sollten wenigstens die Baumaßnahmen in Foyer, Küche und Garderobe abgeschlossen sein. Das wäre vergangene Woche gewesen. Dennoch arbeiten die Handwerker noch fast in jedem Erdgeschossraum. In den Toiletten fehlen teilweise noch die Fliesen, aus dem Dacapo weht der Baustaub ins Foyer und im Flur wird der Fußbodenbelag verlegt. In der Küche wird nach der geplanten Telefonleitung gesucht und gegrübelt, wie man die neuen Bodenfliesen wieder reinigen kann, dass sie auch wie neue aussehen. In der Behinderten-Toilette, die seit dem Wochenende wieder in Betrieb ist, sitzt man nach wenigen Minuten wieder im Dunkeln. Der Bewegungsmelder fehlt. Die Stadt Freital als Bauherr kann gar nicht so viel Druck machen, wie nötig wäre.

Parallel dazu muss der Kulturverein Freital als Betreiber des Hauses diese Großbaustelle aber bespielen. Das verlangt Improvisationsvermögen. Um die Gäste der Veranstaltungsreihe „Gute Laune“ bei eben solcher zu halten, ist man mit dem gewohnten abendlichen Tanz vom kleinen Saal in die Laterne im dritten Stock ausgewichen. Nur durch Zufall war das ohne Weiteres möglich. Üblicherweise wäre die Freie Evangelische Gemeinde dort drin.

Die Welle im Parkett am Eingang des kleinen Saals ist zwar inzwischen rausgeschnitten worden, dennoch wirken die Reparaturarbeiten eher wie Provisorien aus Notzeiten. Aus Sicht der Stadt ist der Saal damit wieder bespielbar. „Das ist eine Zumutung, den kleinen Saal so anzubieten“, sagt dagegen Manfred Härtwig, Vorsitzender des Kulturvereins, der zurzeit mit der Stadt über eine Verlängerung des Ende 2004 auslaufenden Betreibervertrags verhandelt. „Außerdem werde ich mich hüten, jemand in den Saal zu lassen, bevor ein Gutachter da war“, sagt Härtwig. Er bittet OB Klaus Mättig (CDU), sich selbst einmal anzuschauen, was die Bauverwaltung hier veranlasst hat.

Im Rechtsstreit darum, wer für das vermurkste Parkett verantwortlich ist, gibt es noch keine Bewegung. Die Stadt hat beim Landgericht Dresden ein selbstständiges Beweisverfahren angestrengt. Das Gericht hat für diesen Fall einen unabhängigen Gutachter aus Halle an der Saale benannt. Dieser ist bis jetzt aber noch nicht aktiv geworden. „Das konnte ich auch gar nicht, denn ich habe noch keinen schriftlichen Auftrag vom Landgericht“, sagt Gutachter Wilhelm Schmidt. Damit wird jedoch in der nächsten Woche gerechnet.

„Wir haben die Schäden dokumentiert und den grundsätzlichen Mangel kann der Gutachter auch so erkennen“, sagt Helmut Weichlein, Rechtsexperte des OB. Dass die Beseitigung einer Stolperstelle im Parkett für einen Rechtsstreit schädlich ist, glaubt man in der Stadtverwaltung nicht.

Mietausfälle sind

kaum zu kompensieren

So gelassen bleiben potenzielle Mieter aber nicht. Sowohl die Schiller-Mittelschule, die eine Abschlussfeier im Kulturhaus geplant hatte, als auch ein Betreuungsverein Behinderter haben sich ein anderes Mietobjekt gesucht, weil ihnen die Baustellenatmosphäre nicht das erhoffte Ambiente biete.

„Solche Ausfälle sind kaum kompensierbar“, sagt Gert Knieps, Direktor des Stadtkulturhauses. Sollte sich die Situation nicht schnell ändern, müssten möglicherweise Veranstaltungen eingespart oder bei der Stadt um eine Erhöhung des jährlichen Zuschusses gebettelt werden. Der Haushalt des Hauses mit seinen sechs festen Mitarbeitern sei eng gestrickt. KOMMENTAR