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Großbrand auf Neundorfer Bauernhof

Am Ostermontag geht ein Kuhstall in Flammen auf. Die Feuerwehr ist mit rund 100 Kameraden vor Ort. Zur Brandursache gibt's Vermutungen.

Großeinsatz bei einem Großbrand am Ostermontag im Großhennersdorfer Ortsteil Neundorf.
Großeinsatz bei einem Großbrand am Ostermontag im Großhennersdorfer Ortsteil Neundorf. © Matthias Weber/photoweber.de

Es riecht angebrannt bei nasskalten 5 Grad und grauem Himmel. So bewölkt wie das Wetter am Montagnachmittag ist auch die Stimmung von Steffen Leubner. Gemeinsam mit seinem Bruder führt er den Hof. Dazu gehören auch 65 Milchkühe, die eine tragende Säule des Unternehmens sind. Und genau die waren am Mittag in großer Gefahr.

Gegen 11.20 Uhr ging der Notruf bei der Feuerwehr ein: Ein Kuhstall brennt - und das tat er in vollem Umfang als die ersten Rettungskräfte eintrafen, bestätigt Herrnhuts Stadtwehrleiter Matthias Großer, der als Einsatzleiter fungiert. Die größte Sorge, mit der sich die Einsatzkräfte dabei befassen mussten, war das Löschwasser: "Die Wasserversorgung war sehr schwierig", skizzierte Großer. Das Hydrantennetz in Neundorf brachte eher dünne Erträge - zu gering war der Druck. "Wir haben hier auch eine Zisterne, aber die war dann zwischenzeitlich fast zu drei Vierteln leer", erklärt der Einsatzleiter.

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Ausgebrannt steht er am Kuhstall - ein Schlepper. Ob er in Verbindung mit dem Ausbruch des Feuers steht, muss noch ermittelt werden.
Ausgebrannt steht er am Kuhstall - ein Schlepper. Ob er in Verbindung mit dem Ausbruch des Feuers steht, muss noch ermittelt werden. © Matthias Weber/photoweber.de
Zeitweise um die 100 Einsatzkräfte aus allen Ortswehren Herrnhuts sowie aus Bernstadt, Dittersbach, aber auch Schönbach und Zittau waren vor Ort.
Zeitweise um die 100 Einsatzkräfte aus allen Ortswehren Herrnhuts sowie aus Bernstadt, Dittersbach, aber auch Schönbach und Zittau waren vor Ort. © Matthias Weber/photoweber.de
Die 65 Milchkühe blieben glücklicherweise unverletzt. Sie unterzubringen und zu versorgen, war die dringendste Aufgabe für den Landwirt.
Die 65 Milchkühe blieben glücklicherweise unverletzt. Sie unterzubringen und zu versorgen, war die dringendste Aufgabe für den Landwirt. © Matthias Weber/photoweber.de
Wasser Marsch! Damit auch genügend Wasserreserven da waren, mussten die Einsatzleiter alles ausfindig machen, was es gab: Zisternen, Leitungen, Löschwagen.
Wasser Marsch! Damit auch genügend Wasserreserven da waren, mussten die Einsatzleiter alles ausfindig machen, was es gab: Zisternen, Leitungen, Löschwagen. © Matthias Weber/photoweber.de

Hauptaugenmerk war deshalb, genügend Wasser herbeizuschaffen, um den Brand unter Kontrolle zu bekommen, denn der Ruß hüllte schon die nebenstehenden Gebäude ein - ein Übergreifen der Flammen musste in jedem Fall verhindert werden. "Wir haben das über Tanklöschfahrzeuge gepuffert, auch die Landwirte der Umgebung kamen mit Wasserfässern zu Hilfe", erklärt Matthias Großer. Und so kam es, dass sich zeitweilig um die 100 Kameraden an dem Gehöft aufhielten. Alarmiert worden waren bei diesem Großbrand neben den Wehren von Herrnhut, Rennersdorf, Berthelsdorf, Ruppersdorf, Großhennersdorf, Strahwalde, auch Schlegel, Dittersbach, Bernstadt sowie Zittau und Schönbach. Letztere waren vor allem auch wegen ihrer Tanklöschfahrzeuge und der Zittauer Drehleiter gefragt.

Gemeinsam war der Brand selbst dann relativ rasch unter Kontrolle: Gegen 12.25 Uhr vermerkt das Einsatzprotokoll, dass das Feuer "aus" sei. Allerdings gab es mit dem Löschen der Glutnester und der weiter nötigen Wasser-Sicherung auch danach noch allerhand zu tun. Für die Hofeigentümer fängt jetzt ebenfalls die Arbeit erst an: "Den 65 Kühen ist zum Glück nichts passiert, wir konnten sie alle noch ins Freie treiben", sagt Steffen Leubner. Wo die Kühe nun erst einmal Unterstand finden und wie Melken und Füttern vonstatten gehen werden, das war seine größte Sorge am Nachmittag.

Landwirt gerührt von Hilfsbereitschaft

Immerhin waren nicht nur die Feuerwehren sondern auch die Kollegen aus der Landwirtschaft rasch vor Ort und boten dem betroffenen Landwirt Unterstützung an: "Ich bin gerührt von so viel Hilfsbereitschaft", sagt er - und man merkt ihm an, dass er mit den Gefühlen zu kämpfen hat. Wie hoch der Schaden sein mag, kann er gar nicht aus dem Stegreif beantworten. Aber der Versicherungsvertreter ist bereits mit vor Ort, macht Fotos und nimmt das Schadensbild auf. Fakt ist aber: Die Melkmaschine und überhaupt der gesamte Stall sind hinüber. Auch ein Traktor steht nur noch als Brandskelett auf dem Gelände.

Auf ihn richtet sich auch die Aufmerksamkeit derjenigen, die erforschen wollen, wie der Brand ausgebrochen ist. Offiziell will zwar noch niemand etwas dazu sagen, denn die Ermittlungen der Polizei laufen noch. Ein Brandursachenermittler war bereits während der Löscharbeiten vor Ort und wird am Dienstag erneut seine Arbeit aufnehmen. Auffällig ist aber, dass die Brandschäden dort, wo das Milchhaus ist und das nun verkohlte Fahrzeug steht - an der linken Ecke des Kuhstalles - erkennbar größer sind.

Vor zwei Jahren gab es mysteriösen Brand im Ort

Auch Bürgermeister Willem Riecke (Herrnhuter Liste) ist bei den Löscharbeiten mit vor Ort. Er gibt Tipps, woher noch Wasser entnommen werden kann und beobachtet auch, ob seitens der Stadt Hilfe benötigt wird: "Soweit ich das sehe, werden hier aber die Landwirte untereinander eine Lösung finden", schätzt er ein. Für Neundorf ist das Großfeuer - so ist es wegen des Ausmaßes auch offiziell gelistet - eines der größten Brände dieser Art in der jüngeren Zeit. Nur der - zweimalige - Brand eines Umgebindehauses einige Hundert Meter weiter vom Leubner-Hof entfernt vor genau zwei Jahren, war ähnlich bemerkenswert.

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