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Warum der Hutberg abgeholzt werden soll

Großschönaus Hausberg werde danach erst einmal wüst aussehen, sagt der Revierförster. Zum Kahlschlag sieht er aber keine Alternative. Doch was bringt das?

Die Fichten auf Großschönaus Hutberg sind tot. Der Wald soll hier noch einmal von vorn wachsen.
Die Fichten auf Großschönaus Hutberg sind tot. Der Wald soll hier noch einmal von vorn wachsen. © Matthias Weber/photoweber.de

Patrick Schiffmann redet gar nicht erst drumherum: "Wir werden es nicht schaffen", sagt der Revierleiter vom Forstrevier Hainewalde. Das Revier ist riesengroß, umfasst Waldgebiete von Oderwitz bis ins Zittauer Gebirge. An diesem Abend ist Schiffmann nach Großschönau gekommen. Er will den Gemeinderäten einen radikalen Vorschlag machen:

Es geht um den markanten Hausberg, der wie ein Hut über der Gemeinde thront. "Dass der so schön grün ist, das täuscht", sagt Patrick Schiffmann. "Hier grünt fast nur noch Brennnessel und Holunder." Das sei das erschreckende Ergebnis einer Bestandsaufnahme, die der Forstwirt vor Kurzem auf dem Hutberg gemacht hat:

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Der Borkenkäfer hat ganze Arbeit geleistet. "Die Fichten sind zu 100 Prozent tot. Die werden wir alle rausholen müssen", sagt Schiffmann. Drei stattliche Eichen sind am Eichenprachtkäfer eingegangen, mehrere Buchen an der "Buchenkomplexkrankheit", gleich mehreren Symptomen auf einmal.

Und weil ohnehin nichts mehr zu retten ist, schlägt Schiffmann den Gemeinderäten eine radikalen Kahlschlag vor. Er würde das Nadelholz im Winter komplett rausnehmen. Mit den Lärchen ließe sich sogar noch Geld verdienen, die Fichten sind nur noch Feuerholz. "Der Hutberg wird erst einmal wüst aussehen", weiß der Revierleiter. Aber wenn man dem Wald dann mal fünf Jahre Zeit gebe, würde er sich wieder gut erholen.

Und das sei das Ziel: Ein gesunder, neuer, junger Mischwald. Zwar würden die Laubbäume dann frühestens in 100 Jahren Erträge bringen, erklärt Patrick Schiffmann, aber es sei an der Zeit, den Wald nicht mehr nur aus forstwirtschaftlicher Sicht zu betrachten. "Wir müssen umdenken, den Wald nicht mehr nur zum Geldverdienen bewirtschaften", sagt Schiffmann. Man müsse den Wald auch als einen Ort der Erholung sehen, wichtig für die Umwelt, das Trinkwasser und als Kohlendioxid-Speicher.

Der Revierleiter macht den Gemeinderäten aber auch unmissverständlich klar, dass man für die Wiederbewaldung der Kahlfläche drei- bis viermal so viel investieren müsse als normalerweise. Und dass die Einnahmen die Ausgaben auf Jahre hin nicht mehr decken werden. 

Patrick Schiffmann macht auch klar, dass die Waldbewirtschaftung - der Borkenkäfersituation geschuldet - alles andere als nachhaltig ist. "Wir wirtschaften weit darüber hinaus", sagt er. Allein in diesem Jahr seien auf den Großschönauer Flächen bereits 1.500 Festmeter Holz geschlagen worden, 2019 waren es 5.000 Festmeter,  normal seien 1.300 Festmeter im Jahr.

Und noch immer kommen die Forstleute dem Borkenkäfer nicht hinterher. Noch immer hat sich an der extremen Trockenheit im Boden nichts geändert. Auch die Regenfälle der letzten Tage konnten da nur oberflächlich helfen. Erst am Wochenanfang hat Patrick Schiffmann auf dem Hutberg wieder gemessen: In den tieferen Schichten hat die Bodenfeuchte noch nicht mal 20 Prozent des normalen Sättigungsgrades erreicht.

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