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Große Büros werden knapp

Die Leerstandsquote ist unter zehn Prozent gesunken. Doch um Investoren anzulocken, müssten die Mieten steigen.

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© André Wirsig

Von Lars Kühl

Alle Büros sind vermietet. Nur im Erdgeschoss steht ein Laden leer. Eiko Görs vermeldet für das World Trade Center Erfolgszahlen. Er ist Niederlassungsleiter des Immobiliendienstleisters BNP Paribas Real Estate und sitzt selbst in Dresdens größtem Bürokomplex. Über 70 000 Quadratmeter sind belegt. Aktuell wurden Verträge mit Eipos, einem Weiterbilder auf Hochschulniveau, über 1 100 Quadratmeter und voriges Jahr mit dem Callcenter Arvato über 1 000 Quadratmeter abgeschlossen.

Dresden behauptet auf dem Büromarkt in Ost- und Mitteldeutschland seinen dritten Platz nach Berlin und Leipzig, erklärte Stefan Sachse, Geschäftsführer bei BNP Paribas Real Estate, gestern. Der langjährige Durchschnitt bei der vermittelten Fläche liegt bei rund 80 000 Quadratmetern. Im vorigen Jahr wurde der Wert mit 85 000 Quadratmetern leicht übertroffen, ergab eine aktuelle Analyse. Neben den Büros im WTC zählen Verträge für das Arbeitsamt in der Budapester Straße über 11 600 Quadratmeter, für Signon in der Berliner Straße über 2 000 Quadratmeter oder für die Barmer in der Budapester Straße ebenfalls über 2 000 Quadratmeter zu den bedeutendsten von 2014. Die überwiegende Zahl der Abschlüsse wurde aber mit Flächen unter 1 000 Quadratmetern erzielt. „Dresden ist einer der dynamischsten Märkte in Deutschland“, sagt Sachse. Allerdings wurde der Rekordwert von 2013 deutlich um 15 Prozent verfehlt.

Trotzdem wurde die Leerstandsquote auf 9,2 Prozent weiter gesenkt. In Berlin ist sie zwar mit 4,7 Prozent deutlich niedriger, in Leipzig aber inzwischen mit 9,7 Prozent etwas höher. Zum Ende des Jahres 2014 waren in der Landeshauptstadt nur noch rekordverdächtige 235 000 Quadratmeter unvermietet. Was positiv klingt, wird in der Branche etwas anders gesehen. In Dresden halten sich Investoren beim Bau von neuen Bürokomplexen zurzeit zurück. Immer noch wird viel mehr Geld auf dem Wohnungsmarkt ausgegeben, weil dort nach wie vor mehr Rendite erzielt wird. Aktuelle Beispiele sind die Bebauung des Wiener Lochs oder des Postplatzes. Beide Standorte wären ebenso für Büros ideal.

Doch wer in der Stadt wohnt, muss auch das Geld für die oft hohe Miete verdienen. Deshalb sehen die Dienstleister von BNP Paribas Real Estate künftig gute Chancen, Geldgeber zu überzeugen, in Dresdner Bürokomplexe zu investieren. Besonders großflächige Immobilien seien inzwischen Mangelware, erklärt Sachse.

Doch bevor es soweit ist, müssten die Mieterlöse für Büroflächen steigen. Seit 2013 stagnieren die Spitzenmieten für exponierte Lagen in der Innenstadt zwischen Neu- und Altmarkt, am Postplatz oder am Hauptbahnhof bei 12 Euro je Quadratmeter, mit wenigen Ausreißern nach oben. In Leipzig werden mit 12,50 Euro für den Quadratmeter etwas höhere Einnahmen erzielt. In Magdeburg, Erfurt, Chemnitz und Halle liegen sie mit 10,80 Euro bis 8,20 Euro deutlich darunter.

Eine Besonderheit Dresdens ist die Konzentration von Gewerbeimmobilien in der Innenstadt. Besonders der sogenannte 26er-Ring ist für potenzielle Investoren interessant. Allerdings ist dort nicht mehr allzu viel Platz für Bürokomplexe. Mögliche Flächen gibt es am Rathaus, im ehemaligen Robotron-Gebäude oder am Hauptbahnhof, sagt André Heinrich, eigentlich für den Einzelhandelsmarkt in Dresden bei BNP Paribas Real Estate zuständig. „Kurzfristig muss es trotzdem gelingen, im 26er-Ring wieder mehr Büroflächen zu gewinnen“, erklärt Sachse. Vor allem große.