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Große Impflücken bei Sachsens Schülern

Nicht einmal jeder zweite Schüler verfügt über ausreichenden Impfschutz. Meist sind vergessene Auffrischungen schuld.

© Karl-Josef Hildenbrand

Dresden. Der Anteil geimpfter Kinder in Sachsen ist insgesamt hoch. Mit zunehmendem Alter sinkt jedoch die Zahl derer, die über eine vollständige Grundimmunisierung verfügen. Das geht aus der Antwort auf eine kleine Anfrage der Linken-Landtagsabgeordneten Susanne Schaper hervor.

Als durchimmunisiert gelten der ständigen Impfkommission zufolge alle Schüler bis zur sechsten Klasse, die gegen Tetanus, Diphterie, Keuchhusten und Polio eine Grundimmunisierung mitsamt der notwendigen Auffrischungen erhalten haben.

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Während im vergangenen Schuljahr 93 Prozent der Kindergartenkinder und immerhin noch zwei Drittel aller Schüler in den sechsten Klassen immun gegen Kinderlähmung (Polio) waren, sinkt die Impfquote für Diphterie, Tetanus und Keuchhusten beim Übergang vom Kindergarten- ins Schulalter rapide: Waren im Schuljahr 2017/18 noch knapp 92 Prozent der Unter-sechs-Jährigen gegen diese Krankheiten geimpft, sank ihr Anteil bei den untersuchten Schulanfängern auf 40,5 Prozent.

Auch im Jahresvergleich sinkt die Impfquote, wie Susanne Schaper deutlich macht: „Waren beispielsweise im Schuljahr 2015/16 noch 94,6 Prozent der Kinder bei der Kita-Untersuchung gegen Polio geimpft, waren es 2017/18 nur noch 93,1 Prozent. Diese kontinuierliche Abwärtsbewegung bei einigen Impfungen ist schon ein Stück besorgniserregend.“ Als wesentlichen Grund für den Negativtrend nennt das sächsische Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz vergessene Auffrischungsimpfungen: „Fehlen diese bei den entsprechenden Untersuchungen, gelten die Kinder als unvollständig geimpft.“

Impfverweigerer, zuletzt von der Weltgesundheitsorganisation als globales Risiko eingestuft, sind indes in Sachsen nicht auf dem Vormarsch. Nur 15 Prozent der Befragten gaben bei einer entsprechenden Online-Umfrage 2016 an, eine eher ablehnende Haltung zum Impfen zu haben.

Um die Impfquote junger Erwachsener zu erhöhen, startet das Sozialministerium ab Mai ein Modellprojekt: Ein Impfbus soll dann acht berufliche Schulzentren, unter anderem in den Landkreisen Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, Meißen und Mittelsachsen, anfahren. Angeboten wird neben umfangreicher Information auch die Möglichkeit zur Impfung vor Ort – unter anderem gegen Masern, Röteln und Mumps.

Susanne Schaper geht das nicht weit genug. Sie fordert eine begleitende, öffentlich weithin sichtbare Informationskampagne im Freistaat. Darüber hinaus befürwortet sie eine Impfpflicht. Rechtlich ebnet das Infektionsschutzgesetz dieser Forderung den Weg: Bei gefährlichen Viren ist der Bund berechtigt, entsprechende Impfungen verpflichtend einzuführen.