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Große Leere in der Mälzerei

Vergebens hofften die Händler durch den neuen Edeka nebenan auf mehr Kunden. Nun droht mit Globus sogar neue Konkurrenz.

Von Tobias Hoeflich

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Morgens halb zehn in der Mälzerei: Allmählich öffnen die Geschäfte im Erdgeschoss des Kaufhauses ihre Türen. Immerhin gibt es hier noch welche. Die beiden Obergeschosse sind fast völlig verwaist. „Boys of Summer“ von Don Henley tönt durch die tristen Kaufhausgänge. Lust auf Sommer will bei den vergilbten Wänden nicht so recht aufkommen. Doch ist ohnehin kaum jemand da, der den Hit aus den 80ern zu Ohren bekommt.

Reichlich 20 Geschäfte und Dienstleister buhlen in dem Kaufhaus am Haltepunkt Pieschen um Kundschaft. Platz wäre für doppelt so viele. Nicht wenige der Verbliebenen hofften durch das neue Einkaufszentrum nebenan auf Belebung. Ende Dezember öffneten an der Ecke Großenhainer/Heidestraße der Supermarkt Edeka und die Drogeriekette dm. „Das neue Einkaufszentrum wird sich positiv auswirken“, war sich Imbissbetreiber Raimund Börner vor der Eröffnung sicher. Und scheint es immer noch: Zwar hat auch er geschlossen, allerdings nur vorübergehend: Im Februar und März will Börner seinen Imbiss grundlegend renovieren. „Ab April mit neuem Speiseangebot“, ist am Schaufenster zu lesen.

Diese Zuversicht teilt nicht jeder. „Hier hat sich nichts verändert. Weder positiv noch negativ“, sagt eine Angestellte des Schreibwarengeschäfts Glückskäfer im Erdgeschoss. Seit Jahren lebe man von der Stammkundschaft. Doch von einer Belebung durch das neue Zentrum nebenan sei nichts zu spüren. Diesen Eindruck teilen die Angestellten des Kaditzer Frühgemüsezentrums: „Der Winter ist für uns sowieso Überlebenstraining“, sagt Doreen Keitz. Mit importiertem Obst und Gemüse halten sich die Kaditzer über Wasser, ehe ab März der eigene Anbau geerntet werden kann. „Es fehlen hier einfach die Geschäfte.“

Rossman spürt neue Konkurrenz

Die Leitung der Mälzerei ist sich des tristen Zustands bewusst. „Wir arbeiten bereits an einem neuen Konzept“, kündigte Centermanagerin Monika Schilling im August vergangenen Jahres an. Nur getan hat sich bisher nichts im Kaufhaus. Eine Anfrage vom Montag, wann das Konzept umgesetzt wird – und was es überhaupt beinhaltet, blieb bis gestern unbeantwortet. Sicher ist nur: „Umgebaut wird nichts“, so Schilling, deutet aber an: „Wir sind mit Mietinteressenten in Verbindung.“

Dass der Aufschwung trotz des neuen Centers ausbleibt, darin sind sich Händler der Mälzerei einig. Der Konkurrenzkampf dagegen hat sich verschärft: Nachdem die Drogeriekette dm öffnete und Sonnabend erst 20 Uhr schließt, zog Rossmann nach. In der Filiale Riesaer Straße, wenige Meter entfernt, ist der Feierabend auch auf 20 Uhr verlegt worden. Das bestätigt die Marktleiterin auf SZ-Nachfrage. „Die Kundschaft verteilt sich jetzt natürlich. Mal sehen, wie es sich entwickelt.“

Über all den Problemen rund um die Mälzerei schwebt der mögliche Globusmarkt. Das Unternehmen will auf dem Gelände des früheren Leipziger Bahnhofs ein Einkaufszentrum errichten – einige Hundert Meter von der Mälzerei entfernt. Das könnte die Gänge in Pieschen weiter verwaisen lassen. „Es gibt ja nicht mehr Kunden. Aber mehr Märkte streiten um sie“, sagt Doreen Keitz vom Frühgemüsezentrum. Ein Kreislauf ohne Ende sei das. Globus würde nicht nur ein breites Angebot bieten. Der Markt wäre auch durch seine zentrale Lage am Neustädter Bahnhof attraktiv. Die kleineren Center und Händler hätten das Nachsehen.

So könnte es der Mälzerei wie Don Henley ergehen. So besang der Amerikaner in „Boys of Summer“ den Verlust seiner Geliebten an die männliche Konkurrenz. Für die Mälzerei ist es im Kampf gegen die Mitstreiter aber noch nicht zu spät.