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Große Liebe Erzgebirge

Regine Klapczynskis Herz schlägt für Geising. Das wird die Gründerin der Bimmelbah’ Musikanten Sonnabend beweisen.

© Frank Baldauf

Von Peter Salzmann

Wer das Haus Teplitzer Straße 8 in Geising betritt, wird vom Erzgebirge in die Arme genommen. Holzfiguren aller Art stehen in Regalen, auf Konsolen oder hinter Glas. Dazu sind an den Wänden geschickt platziert die Intarsie „Geisinger Ansicht“ von Gottfried Legler, eine kolorierte Federzeichnung des Architekten und Malers Frank Legler, ebenso Grafiken des Künstlers Heribert Fischer – allesamt Geisinger – schmücken die Wohnung.

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Hier wohnt Regine Klapczynski. Sie sagt: „Ich brenne für mein Geising“. Seit 2012 führt die 70-jährige Industriekauffrau den Erzgebirgs-Zweigverein Geising. Beigetreten ist sie ihm gleich nach der Wiedergründung durch Werner Stöckel und Christian Fraustadt.

„Aus Überzeugung“, sagt sie, denn für sie ist Geising ihre Heimat, weil ringsum „de Wälder haamlich rauschen und de Haad su rötlich blüht“. Sie weiß, wovon sie spricht, wenn sie den Liedtext zitiert. Regine Klapczynski hatte am 10. September 1983 im Kulturhaus Glashütte ihren ersten Auftritt mit den Bimmelbah’ Musikanten, die sie selbst ins Leben gerufen hat. Noch heute ist sie begeistert, „weil wir vom VEB Glashütter Uhrenwerke sehr gefördert worden sind“. Bis 2003 gehörte Regine Klapczynski dieser populären Erzgebirgsgruppe an. Heute leiht sie ihre Stimme der Schmiedeberger Gruppe Grünspechte.

25-Jähriges im Leitenhof

Die Traditionalistin erzählt über ihren Verein, die Mundart, über Brauchtum und das Osterzgebirge. Der Erzgebirgs-Zweigverein sei 1889 als „Gebirgsverein Geising“ von Bürgermeister Höfer aus der Taufe gehoben worden, um sich erst 1914 dem Erzgebirgsverein Schneeberg anzuschließen. „Heute haben wir 77 Mitglieder“, berichtet Regine Klapczynski. Die Jüngste ist Katrin Lohse, eine 44-jährige Physiotherapeutin, der Älteste Wanderwart Erich Schubert. „Er ist mit seinen 91 Lenzen noch immer zu Fuß unterwegs.“

Jeden dritten Mittwoch im Monat gehen die Wanderer des Vereins unter Leitung von Roland Josiger und Werner Lehmann auf Tour.

Regine Klapczynskis Liebe zum Erzgebirge geht bis in ihre Kindheit zurück. Ihre Eltern und Großeltern haben in Geising Geschichte geschrieben. Vater Erwin hat große Verdienste um den Geisinger Karneval, um Skilift und Eisstockschießen. „Als Schulkind holte mich Musiklehrer Siegfried Hilbert in seine Erzgebirgsgruppe, bevor Herbert Hofmann 1959 das Erzgebirgs-trio gründete“, erinnert sie sich und ergänzt: „Wir waren unserer Mundart verpflichtet und sangen begeistert die Lieder von Max Nacke und Anton Günther.“

Derzeit bereitet Regine Klapczynski mit ihrem Vorstand und Helfern das 25-jährige Jubiläum des Erzgebirgs-Zweigvereins Geising vor. Der Leitenhof soll am Sonnabend, ab 13.30 Uhr, ganz im Zeichen dieses historischen Datums stehen. „Wir erwarten Abordnungen der ostdeutschen Zweigvereine, Geisinger Vereine, dazu Vertreter des öffentlichen Lebens“, blickt sie voraus und gewährt Einblick in das Festprogramm. Die Semmelmilda, das unverwechselbare Original aus Schellerhau, wird für Lachsalven sorgen, wie die „Geisinger Stichlinge“, deren Kabarettisten den Alltag gekonnt auf die Schippe nehmen. Dazu ein Dia-Vortrag des Architekten Frank Legler und heimatliche Klänge von den „Vugelbeern“, geleitet von Katrin Legler und Petra Oertel.

Ortschronist händeringend gesucht

Regine Klapczynski sorgt sich aber um die Zukunft ihres Vereins. „Gut wäre es, wenn sich jüngere Leute für uns interessieren könnten, denn wir stehen für bodenständige Tradition“, sagt die Vorsitzende und wünscht sich, dass „unsere Originalität erhalten bleibt“. Vielleicht gelingt es ja, eine Klöppelgruppe zu gründen und einen Ortschronisten für Geising zu finden.

Seit 50 Jahren ist sie mit ihrem Mann Günther verheiratet. Drei Töchter, ein Sohn, sechs Enkel, zwei Urenkel: Sie brauchen Zeit und Zuneigung – und Regines Handarbeiten. „Socken stricken, Stickerei nach Vorlagen, das macht Spaß“, sagt Regine Klapczynski, die jüngst ein kleines Jäckchen für Urenkelin Frida gestrickt hat.