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Große Stimme im Tom-Pauls-Theater

Ein emotionaler Abend: Zu seinem 89. Geburtstag spricht DEFA-Legende Walter Niklaus in fremder Zunge.

© Marko Förster

Von Marcus Herrmann

Am Ende der Lesung gibt es sogar feuchte Augen. Kein geringerer als Schauspiel-Legende Rolf Hoppe erhebt sich schnell wie ein junger Hüpfer von seinem Sitz und ruft mit einem Strauß Sonnenblumen in der Hand: „Herzlichen Glückwunsch, Walter!“ Eine freundschaftliche Umarmung drückt dann die jahrelange Verbundenheit zu dem Mann aus, der am Sonntagabend im aufgeheizten Kaminzimmer des Tom-Pauls-Theaters mit Witz, Verstand und einer unverwechselbaren Stimme brillierte: Walter Niklaus. An seinem 89. Geburtstag erinnerte der Schauspieler, Regisseur und einstige Sherlock-Holmes-Synchronsprecher an den bedeutenden Kabarettisten Werner Finck. Knapp 50 Gäste, darunter Rolf Hoppe und Komödiant Uwe Steimle, lauschten den von viel Satire, herrlich komischen Wortspielen und Verdrehungen, aber auch ernsten Botschaften geprägten Ausführungen des Geburtstagskindes.

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Bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg vollzog Niklaus anhand von nachgelassenen Aufzeichnungen den von Verboten und Zensur geprägten Lebensweg Werner Fincks nach. Der 1902 in Görlitz geborene und 1978 in München verstorbene Finck sei einer der „klügsten und uneitelsten Kabarettisten der Geschichte“, sagte Niklaus, weswegen sein Andenken hochgehalten werden müsse.

Werner Finck, Mitgründer des Berliner Kabaretts „Die Katakombe“, war ein Meister des nicht zu Ende gesprochenen Satzes und der Doppeldeutigkeiten. Sein wechselvoller Lebensweg wurde durch die souveräne Vortragsweise Niklaus’ an diesem Abend noch einmal lebendig gemacht. Und seine Botschaft ebenso: Trotz ständiger Bedrohung von Zensurbehörden oder politischer Verfolgung, die bis zum Berufsverbot und Arbeitslager führte, war es auch im beginnenden Dritten Reich möglich, eine aufrechte Gesinnung zu bewahren und sich von den Machenschaften des NS-Regimes zu distanzieren.

„Auf seine ganz eigene, humoristische Art und Weise hat das Werner Finck geschafft“, sagte Walter Niklaus abschließend. „Und deswegen sollte sein Erbe nicht in Vergessenheit geraten.“ Das sahen auch die Zuhörer so und dankten Niklaus mit viel Applaus. So auch André Berger aus dem Erzgebirge. Der Niklaus-Fan, der schon seit Jahren von der „absolut großartigen Stimme“ des Synchronsprechers begeistert ist, bekam die Eintrittskarten von seiner Frau geschenkt. „Ich finde es fantastisch, dieser großen Stimme meiner Jugend heute zuzuhören“, sagt der 54-Jährige. „Ich habe Walter Niklaus schon einige Male gehört, nicht nur als Synchronsprecher im TV, sondern vor Jahren auch in der Dresdner Operette.“ Darüber hinaus, sagt Berger, sei es toll, einen großen Schauspieler wie Rolf Hoppe in Pirna einmal gegenüberstehen zu können.

Seinen Geburtstag ließ Niklaus übrigens in Pirna ausklingen. „Ja, ich übernachte heute gleich hier in einem Hotel. Vorher werde ich sicher noch ein Glas Wein mit meinen Freunden Rolf und Uwe trinken“, erzählt der Träger des DDR-Kunstpreises von 1974. Eine weitere Lesung, sagt Niklaus, sei in nächster Zeit vorerst nicht geplant. Doch untätig wird der auf die 90 Jahre zugehende Mann nicht sein. „Ich plane ein weiteres Hörspiel. Da arbeite ich momentan dran. Vielleicht dauert es nicht mehr so lange, bis es fertig ist.“ Das hoffen auch seine Anhänger, die an diesem Pirnaer Kulturabend trotz schweißnasser Kleidung auf ihre Kosten kamen.