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Große Töne fürs Oberlausitzer Ensemble

Das Saxofon-Orchester vom Traumpalast-Verein ist um ein Instrument reicher. Nun warten besondere Auftritte.

Von Thomas Christmann

Die Größe hat Magdalena schon beeindruckt. Deshalb wollte sie auch mal in das Bass-Saxofon der Firma Keilwerth pusten. Das ist eine von weltweit zwei Firmen, die das Instrument überhaupt bauen. Und das kann wegen der Länge und des Gewichts nur im Ständer gespielt werden. Auch die tiefen Töne aus dem Instrument zu bringen bedürfen etwas Übung. „Man muss sich schon darauf spezialisieren“, sagt Ragnar Schnitzler, Initiator des Sächsischen Saxofon-Orchesters von der Kreismusikschule Dreiländereck.

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Seit einem Jahr ist das Instrument im Einsatz. Bislang hat sich das Gerät der Mittelherwigsdorfer Traumpalast-Verein als Träger von einem Saxofon-Bauer aus Nürnberg geliehen. Dafür musste er eine Gebühr bezahlen, die sich über Konzerte und Sponsoren finanzierte. Doch die Ausleihfrist lief im Sommer ab, das Instrument hätte dann für 3 000 Euro gekauft oder zurückgegeben werden müssen. Zum Vergleich: Ein neues kostet immerhin über 12 000 Euro. Beides konnte sich der Verein aber nicht leisten. Deshalb stellte er einen Förderantrag bei der Sparkasse, die ihm nun den Kauf des gebrauchten Saxofons aus den 1960er Jahren ermöglicht hat. „Jetzt sind wir komplett“, sagt Schnitzler.

Inzwischen gehören seinem Orchester 15 Leute an, die vom Sopranino- über Sopran-, Alt-, Tenor- und Bariton- bis zum Bass-Saxofon alles spielen. Ihr Alter reicht von acht bis 60 Jahren. Das Ensemble trat in der ursprünglichen Besetzung erstmals 2005 in Erscheinung, damals sogar noch mit Polen, schlief aus beruflichen Gründen aber kurze Zeit später wieder ein. Erst 2011 erfolgte ein Neustart, diesmal mit Saxofonisten ausschließlich aus der Oberlausitz. Bis auf einen hat Schnitzler als Lehrer an der Kreismusikschule auch allen das Spielen beigebracht. Manche Mitglieder konnten so auch schon einzeln Erfolge erzielen. Beispielsweise Emily, die mehrfach den Bundeswettbewerb Jugend musiziert gewann. Einmal im Monat probt das Orchester und hat in der Regel auch aller vier Wochen einen Auftritt, zuletzt am vorigen Sonntag beim Konzert im Musikpavillon Leipzig. Als anstrengend, aber unterhaltsam beschreibt der Leiter dieses. Immerhin haben die Saxofonisten dort vier Stunden gespielt, als erstes Ensemble aus der Oberlausitz. Der nächste Auftritt ist am 20. Juni im Rathaus Neusalza-Spremberg zur Stunde der Musik und einen Tag später beim Familienfest in der Weinau. Das Repertoire des Orchesters reicht vom Barock bis zum Swing und vom warmen, klassischen Klang bis zum Bigband-Sound der 1930er Jahre. „Einmalig“, schwärmt Schnitzler. Wie auch sein Orchester, zumindest in Ostdeutschland. Europaweit gibt es auch nur zehn professionelle Saxofon-Ensembles. Im Herbst will der Leiter mit seinen Schützlingen zum Probelager in die Jugendherberge in der Altstadt von Görlitz fahren. Dann gibt es zwei Tage nur Musik. Anschließend treten die Saxofonisten im Traumpalast auf. Vorgenommen hat sich Schnitzler auch mal wieder mit Polen zu spielen und sogar in den Nachbarländern aufzutreten. Und eventuell winkt in anderthalb Jahren ein Auftritt bei einem Festival in Frankreich – dem Land des klassischen Saxofons.

www.saxophon-sachsen.de