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Große Wahldebatte in Kamenz

Sechs Kandidaten stellten sich in der Stadtwerkstatt den Fragen. Vor allem ein Thema bewegte das Publikum.

Kleine Elefantenrunde in der Kamenzer Stadtwerkstatt. Die Direktkandidaten im Landtagswahlkreis 53 Marion Junge (Linke), Gerd Kirchhübel (Grüne), Kathrin Michel (SPD), Aloysius Mikwauschk (CDU), Matthias Schniebel (FDP) und Christian F. Schultze (AfD – v.
Kleine Elefantenrunde in der Kamenzer Stadtwerkstatt. Die Direktkandidaten im Landtagswahlkreis 53 Marion Junge (Linke), Gerd Kirchhübel (Grüne), Kathrin Michel (SPD), Aloysius Mikwauschk (CDU), Matthias Schniebel (FDP) und Christian F. Schultze (AfD – v. © Matthias Schumann

Kamenz. Die „Landeszentrale für politische Bildung“ ist ihrem im Eigennamen verankerten Kernauftrag am Mittwochabend in Kamenz vollauf gerecht geworden. Sie hatte – gemeinsam mit der SZ – zum Forum des Landtagswahlkreises 53 in die Stadtwerkstatt eingeladen. Trotz solcher Forstfest-Höhepunkte wie Schützenkönig-Umtrunk oder Feuerwerk waren viele Gäste gekommen, um die sechs an die Tische geladenen Direktkandidaten in der Moderation des Görlitzer Journalisten Markus Kremser zu erleben. Über die Kernaussagen von Aloysius Mikwauschk (CDU), Marion Junge (Linke), Kathrin Michel (SPD), Christian F. Schultze (AfD), Gerd Kirchhübel (Grüne) und Matthias Schniebel (FDP) hatte die SZ am Montag auf Seite 14 informiert. Da war jedenfalls auch Günter Hutschalik (Freie Wähler) als Kandidat Nr. 7 zu Wort gekommen, der jetzt nicht geladen war, aber immerhin einbezogen wurde.

Die Themen des Abends haben die Zuhörer selbst vorgegeben. Durch die Vergabe grüner Punkte. Mit Abstand am meisten interessierten die Aussagen der Kandidaten zur Bildung im Freistaat. Aloysius Mikwauschk hob die Anstrengungen hervor, die seit knapp zwei Jahren von der neuen Regierung unter Kretschmer/Piwarz unternommen wurden. 1100 Lehrerstellen seien neu geschaffen worden, darunter knapp 200 für sogenannte Seiteneinsteiger. Dass Sachsen ein gutes Bildungsniveau hat, habe zuletzt wieder der erste Platz im Länderranking gezeigt. Marion Junge, die bis 2009 Lehrerin an der 1. Mittelschule war, bezweifelte gerade die langfristige Wirksamkeit des Quereinstiegs in den Pädagogenberuf. Und das gute Freistaat-Ranking komme auch dadurch zustande, dass Förderschüler hier nicht einbezogen seien, in anderen Bundesländern aber durchaus.

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Bildung bleibt wichtiges Thema

Für Matthias Schniebel ist der Seiteneinstieg in den Lehrerberuf nur ein Übergangsthema. Aber selbst die angeschobene Verbeamtung werde nicht alle Probleme beseitigen. Warum sollten nicht ältere Lehrer auch auf Honorarbasis angestellt werden, frage er. Auch Kathrin Michel plädierte für eine fundamentale pädagogische Ausbildung. Gleichzeitig spannte sie den Bildungsbogen weiter. Man brauche eine Freistellungsmöglichkeit für die Weiterbildung, die es fast in allen Bundesländern gebe – außer in Bayern und Sachsen.

Für Christian Schultze ist der Konkurrenzkampf der Länder in Bildungsfragen ein Unding. Man brauche insgesamt mehr Meister als Master. Gleichzeitig beklagte er aber auch, dass die deutschen Unis in technischen Fragen im internationalen Maßstab kaum konkurrenzfähig seien. Womöglich, weil es zuviel „Quatschwissenschaft“ gebe. Laut Gerd Kirchhübel sei der Lehrermangel schon seit Langem abzusehen gewesen. Offenbar habe die Verwaltung versagt. Im Übrigen habe schon die verstärkte Schulschließung auf dem Land auf die Problematik hingewiesen. Zum Glück seien Privatschulen in die Lücke gesprungen.

Keine weiteren Schulschließungen

Moderator Markus Kremser hakte nach, ob die von der neuen Regierung verkündete „Abkehr von der Leuchtturmpolitik“ auch im ländlichen Schulwesen greife? Aloysius Mikwauschk erinnerte an das Moratorium, das weitere Schulschließungen im ländlichen Raum unterbinde. Und sagte, dass im Südteil des Landkreises sogar die Gründung einer neuen staatlichen Oberschule (in Arnsdorf? – d.R.) ins Auge gefasst werde. Marion Junge kritisierte, dass das Geld für den Aufbau des Lehrerbeamtenpensionsfonds (175 Mio Euro) jetzt aus dem Bildungsbereich fließt. Damit fehle es dort an wichtiger Stelle. Sie plädierte für längeres gemeinsames Lernen, wobei sie Zustimmung von Gerd Kirchhübel bekam. Es sei wichtig, dass Kinder von Arbeitern und aus der Intelligenz sich länger positiv beeinflussen. Für Matthias Schniebel beißt sich dies mit dem Wunsch, weitere Grundschulen im Ländlichen zu gründen (Kathrin Michel: Kürzere Wege für kurze Beine!). Wichtiger sei, den Übergang zum Gymnasium nach der 7. oder 8. Klasse zu erleichtern. Für Günter Hutschalik hat vor allem die Entrümpelung des Lehrplanes Priorität. Christian Schultze forderte mehr Konzentration auf die naturwissenschaftlichen Kernfächer, an anderer Stelle plädierte er aber auch für den Allgemeinbildungsansatz von Alexander von Humboldt.

In einigen Punkten war man sich einig. Bildung ist Kernaufgabe der (Landes)-Politik. Und die Zahl benötigter Lehrerstellen dürfe man nicht allein statistischen Berechnungen, also der Bildungsbürokratie überlassen. Zum Themenabschluss gab der Moderator diese Ja-Nein-Frage weiter: „Sind Sie für fünf Tage Bildungsurlaub im Jahr?“ Junge, Michel und Kirchhübel waren dafür, Schultze dagegen. Mikwauschk und Schniebel enthielten sich der Stimme.

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