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Großenhain bangt um seine Tagesmütter

Noch bevor die Sonne aufgeht, nimmt Dana Leube ihre Steppkes in Empfang. Die Tagesmutter betreut fünf Kinder in der Gemeinde Ebersbach – meist bis zu zehn Stunden am Tag. 625 Euro monatlich brachte ihr der Job bis Dezember noch ein.

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Von S. Rahrisch und K. Krüger-M.

Noch bevor die Sonne aufgeht, nimmt Dana Leube ihre Steppkes in Empfang. Die Tagesmutter betreut fünf Kinder in der Gemeinde Ebersbach – meist bis zu zehn Stunden am Tag. 625 Euro monatlich brachte ihr der Job bis Dezember noch ein. Jetzt wird der Verdienst halbiert.

Großenhain prüft Lage

„Seit Anfang des Monats muss ich Steuern zahlen“, sagt die Betreuerin. Rund 300 Euro büßt sie zusammen mit Kranken- und Rentenversicherung ein. Rein finanziell lohne sich die Arbeit damit nicht mehr. „Aber was will ich machen? Die Alternative heißt Arbeitsamt.“

Zwar bekommen Tagesmütter in Sachsen eine so genannte Betriebskostenpauschale. Das sind pro Kind immerhin 300 Euro im Monat, die nicht versteuert werden müssen. Von dem Geld müssen die Frauen jedoch Spielzeug, Verpflegung der Kinder, Heizkosten, Strom, Wasser und Raumpflege bestreiten.

Die Stadt Großenhain will nun wissen, ob sie trotz neuer Steuerpflicht auf ihre Tageseltern zählen kann. „Wir haben alle Betreuer angeschrieben und um eine Stellungnahme gebeten“, sagt Anja Schubert vom Sachgebiet Kindertagesstätten. Die Kommune sei auf die Mütter angewiesen, um eine lückenlose Kinderbetreuung zu gewährleisten. Ob Großenhain die Löhne vielleicht sogar anheben wird, hänge von den Antwortschreiben ab, so die Stadtmitarbeiterin. Außer Dresden hat bisher noch keine Kommune die Sätze erhöht. Die Landeshauptstadt gilt mit 1150 betreuten Kindern als Hochburg der Kindertagespflege. In Großenhain sind es lediglich 32 Knirpse. Fehlende Betreuungsplätze gibt es laut Stadtverwaltung nicht. Alle Kinder ab einem Jahr, deren Eltern berufstätig sind, könnten derzeit untergebracht werden.

Tagesmutter ist ausgelastet

Fünf Kinder betreut die Sackaer Tagesmutter Ramona Körbach im Auftrag der Gemeinde. „Mein steuerpflichtiges Einkommen ist nicht hoch“, sagt sie. Einen Achtstundentag habe sie auch nicht. Doch beklagen möchte sich Frau Körbach nicht. Thiendorf hat für sie gerade erst den Bedarfsplan erhöht.

Die Gemeinde Priestewitz schaut mit einem halb lächelnden Auge auf die Steuerpflicht. Bürgermeister Ernst-Georg Rendke (CDU) sagt: „Das haben wir schon vor Jahren kommen sehen und gleich in unsere Kitas investiert.“ Ähnlich sehen es die Zabeltitzer. Die einzige in dieser Gemeinde tätige Tagesmutter, Katrin Berndt in Strauch, arbeitet ausschließlich für privat zahlende Eltern. Ihren geringen Stundensatz möchte sie nicht noch erhöhen.