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Jungen fischen Schlüssel aus der Röder

Als DRK-Mitarbeiterin Katrin Kräher in großer Not war, zögerten Aaron, Benjamin und Artur nicht. Und wagten den Gang ins trübe Großenhainer Wasser.

Aaron, Benjamin und Artur sind die Helden von Katrin Kräher. Der sympathischen DRK-Mitarbeiterin, die sonst anderen Menschen hilft, fiel der Autoschlüssel in die Röder. Die drei Jungs halfen ihr - erfolgreich.
Aaron, Benjamin und Artur sind die Helden von Katrin Kräher. Der sympathischen DRK-Mitarbeiterin, die sonst anderen Menschen hilft, fiel der Autoschlüssel in die Röder. Die drei Jungs halfen ihr - erfolgreich. © Foto: Anne Hübschmann

Großenhain. Es war ein Tag wie jeder andere auch. Voll gepackt mit Terminen und dem Wissen, dass gerade in Corona-Zeiten wie diesen die beiden Kinder auf die Mama warten. Während das Größere von beiden bereits mit Schulaufgaben zu Hause am Küchentisch ausharrte, musste sich der kleine Bruder im Kindergarten auch noch ein wenig gedulden.

Katrin Kräher, examinierte Pflegekraft beim Deutschen Roten Kreuz Großenhain, lächelt, wenn sie an den Nachmittag in der vergangenen Woche zurück denkt. Ja, zugegebenermaßen habe die Uhr getickt. Und da sei es eben passiert. "In meiner Eigenschaft als Alltagsbegleiterin kümmere ich mich auch um eine ältere Frau in Großenhain. Sie wohnt auf der Radeburger Straße, in unmittelbarer Nähe zur Röder", erzählt die 40-Jährige.

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Wie immer habe sie den Besuch mit der ihr eigenen Ruhe, Freundlichkeit und Gewissenhaftigkeit absolviert. Angesichts der Umstände durch die Pandemie wäre es besonders in den vergangenen Wochen sehr wichtig gewesen, sich den älteren Menschen mit viel Aufmerksamkeit zu widmen. 

Viele der zu betreuenden Leute ab 75 Jahren aufwärts haben den teilweise fehlenden Kontakt zur eigenen Familie vermisst. Zwar habe keiner der Frauen und Männer aus Großenhain, Priestewitz und der Umgebung das Gefühl vermittelt, Angst vor der durchaus lebensbedrohlichen Erkrankung zu empfinden. 

Aber selbstverständlich wären die veränderten Bedingungen, die fehlenden Stippvisiten der eigenen Kinder und die ständig wechselnde Nachrichtenlage sicherlich nicht spurlos an dem einen oder anderen vorübergegangen. 

Eine Situation, um die Katrin Kräher und ihre auf der Bobersbergstraße 3 in Großenhain ansässigen 26 Mitstreiter natürlich wüssten. Auch deshalb habe sie sich all die Zeit gelassen, die für die Betreuung der Rentnerin notwendig gewesen wäre. 

Halb vier sei sie dann aber aufgebrochen, habe mit schnellem Schritt den Weg zum Auto zurückgelegt und währenddessen schon den Autoschlüssel des DRK-Dienstfahrzeuges aus der weißen Jackentasche genestelt. 

"Offenbar muss ich hängen geblieben sein. Ich versuchte, ihn noch an dem daran befestigten Band herauszuholen und schon flog er in hohem Bogen durch die Luft - und geradewegs in die Röder", erinnert sich Katrin Kräher. 

Was für ein Schreck! Noch heute fühlt sie beim Gedanken an jenen Moment die Angst in sich hochsteigen. Was sollte sie jetzt bloß tun? Wie würde sie zum Kindergarten kommen, und vor allem was wäre mit dem Fahrzeug und den persönlichen Sachen, die sich im Inneren befanden? Gewissermaßen im Sekundentakt habe sie verschiedene Möglichkeiten durchgespielt. 

Allerdings: Rettung in der Not sollte nahen. Und zwar in Gestalt dreier hilfsbereiter Jungen. Die drei Cousins Artur, Benjamin und Aaron ließen sich nicht lange von einer herbeigerufenen Nachbarin bitten. Benjamin - seit sechs Jahren aktives Mitglied bei der Jugendfeuerwehr - stieg, ohne viel Worte zu verlieren, in seine Watthose und kletterte unerschrocken in die Röder. 

Ein im wahrsten Sinne des Wortes betrübliches Unterfangen, was durch das schlechte Wetter nicht unbedingt bessere Sichtbedingungen schaffte. "Die Strömung war ganz schön stark und das Wasser ziemlich aufgewühlt", erklärt der 14-Jährige.

Um noch besser sehen zu können, hätten Artur und Aaron dann irgendwann eine Kiste herbeigeholt, deren Deckel als Spiegel fungierte. Mit vereinten Kräften habe man so jenen Fleck abgesucht, auf dem Katrin Krähers Schlüssel ins feuchte Nass geplumpst sein musste. 

Nach einer kleinen Ewigkeit hatten sie tatsächlich Glück und wurden trotz Schlamm und brauner Brühe fündig. Der Schlüssel baumelte in Benjamins Händen und funktionierte wenig später trotz Ausflug ins wässrige Etwas tadellos. "Meine drei Retter haben damit wirklich den Vogel abgeschossen! Eine solche uneigennützige Aktion ist keineswegs selbstverständlich, und ich danke ihnen von ganzem Herzen", freut sich Katrin Kräher. 

Gemeinsam mit der Pflegedienstleiterin Uta Pluntke bedankte sie sich jetzt noch einmal ganz offiziell mit einem großen Obstkorb bei ihren drei persönlichen Helden. Gesund sollen sie schließlich bleiben und bei Kräften. Immerhin weiß man ja nie, wann ihr nächster Einsatz wieder gebraucht wird.    

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