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Grundstück aufgebuddelt - und nun?

Vor über neun Wochen begann im Auftrag der Enso die Verlegung von Hausanschlüssen. Seitdem muss sich eine Großenhainer Familie in Geduld üben.

Michael Otto aus Großenhain ist mächtig sauer. Nach neun Wochen sind die Löcher auf seinem Grundstück - wegen der Verlegung von Gas-Hausanschlüssen - immer noch nicht zugeschüttet.
Michael Otto aus Großenhain ist mächtig sauer. Nach neun Wochen sind die Löcher auf seinem Grundstück - wegen der Verlegung von Gas-Hausanschlüssen - immer noch nicht zugeschüttet. © Foto: Anne Hübschmann

Großenhain. Er ist keiner, der herumpoltert. Der sich aufregt, damit der Kreislauf in Schwung kommt, und schimpft, um des Meckerns willen. Nein! Michael Otto ist durchaus ein angenehmer Zeitgenosse. Einer von jenen, die sich höflich und mit gemäßigter Stimmlage ausdrücken. Die Verständnis zeigen, wenn es hier und da mal nicht so läuft, wie es das idealerweise tun soll. Und die aus eigenen beruflichen Erfahrungen wissen, dass Probleme ausgerechnet dort lauern können, wo man nie mit ihnen gerechnet hat.

Allerdings: Nach all den Wochen reicht es auch ihm. Nach all der Warterei und all dem Hoffen, dass sich vielleicht doch in den nächsten Tagen etwas ändern wird. "Ich bin wirklich ein verträglicher Mensch und möchte keinem zu nahe treten! Aber wie kann es sein, dass bei mir die Hofeinfahrt aufgegraben wird und sich dann keiner mehr sehen lässt", sagt der 54-Jährige und schüttelt den Kopf. 

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Wie der Großenhainer erklärt, sei es am vergangenen Freitag auf den Tag genau neun Wochen her, dass die von der Enso beauftragte Hoch- und Tiefbau Firma Grünberg aus Prösen die Schachtarbeiten zur Verlegung von Hausanschlüssen der Gasleitung vorgenommen habe. "Alle waren sehr nett und fleißig. Es gab überhaupt keinen Grund, zu klagen", lobt Michael Otto. 

Was der Röderstädter indes damals aber noch nicht ahnen konnte: Nachdem die Arbeiter am betreffenden Freitag alles freigelegt und schließlich am Montag mit einer provisorischen Platte abgedeckt hatten, sollte es das dann auch erstmal sein. Denn obgleich die Erde gewissermaßen aufgerissen und für den nächsten Schritt - die Anbindung der Gasanschlüsse - entsprechend vorbereitet war, habe sich niemand mehr bei der Familie sehen lassen. Ein Anruf im August bei der zuständigen Enso sei zwar tröstlich damit geendet, dass sich die Firma Grünberg sicher umgehend melden werde. Getan habe sich jedoch nichts. "Wir sind dann in den Urlaub gefahren, und ich signalisierte dem Unternehmen, ich werde den Heizungsraum auf lassen, damit es weitergehen kann", erzählt Michael Otto.

Um so größer - aber keineswegs angenehmer - sei die Überraschung gewesen, als bei der Heimkehr nach zwei Wochen noch alles beim Alten gewesen wäre. Der aufgeschachtete Hof nebst Abdeckung habe genauso wie bei der Abreise ausgesehen. Schlimmer noch: Drei Tage später roch es plötzlich intensiv nach Gas. Ein herbeigeeilter Havariedienst aus Dresden hätte feststellen müssen, dass der Geruch sogar von draußen nach drinnen ins Wohnhaus gezogen wäre. Offenbar ein Nebeneffekt der alten Leitungen, die zugunsten der Neuen gekappt wurden und die Angewohnheit hätten, noch lange ihren Geruch zu verbreiten. "Mittlerweile ist nun also anzunehmen, dass die Anschlussarbeiten definitiv beendet sind und jetzt tatsächlich zugeschüttet werden kann", vermutet Michael Otto. 

Aus diesem Grund habe er in der zuständigen Geschäftsstelle der Enso in Großenhain angerufen. Auch das dortige Personal sei wiederum sehr freundlich und hilfsbereit gewesen. Verändert habe sich dennoch nichts. Noch immer müsse er mit seinem Auto ins eigene Grundstück über eine zwölf Zentimeter hohe Platte ruckeln. Noch immer liegen die Pflastersteine umher und niemand könne ihm sagen, wann die Löcher definitiv verschlossen würden. "Ich habe nichts dagegen, wenn so etwas mal länger dauert und mir das als Betroffenem mitgeteilt wird! Aber mich dastehen zu lassen, wie so einen dummen Jungen und niemand hilft einem weiter, finde ich für solch ein Vorhaben der öffentlichen Hand ein starkes Stück", gibt Michael Otto zu bedenken. Es dürfe nicht angehen, dass eine derartige Gleichgültigkeit gegenüber den Belangen von Bürgern herrsche. Selbst, wenn es vielleicht nicht gleich problemlos laufe - eine ehrliche Auskunft würde reichen, es besser zu machen.

Auf Anfrage der Sächsischen Zeitung gab es eine solche erfreulicherweise sofort. Laut Enso-Sprecherin Claudia Kuba habe es leider Lieferengpässe bei der Anschlusstechnik für außen gegeben und die Kapazitäten der Tiefbaufirma seien aufgrund der Auftragsflut erschöpft gewesen. "Wir bedauern das auch sehr, können es aber leider nicht ändern", so Claudia Kuba. Rettung nahe nun aber: Am Dienstag würde der 20 Meter lange Schacht im Grundstück von Familie Otto wieder verschlossen. 

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