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Großenhain fürs Kinderzimmer

Michael Oertel ist der Enkel des bekannten Komponisten Herbert Gadsch. Der Leipziger bringt seine Geburtsstadt in ein Märchenbuch.

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Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Ganze drei Tage hat der Leipziger in Großenhain gewohnt – nämlich kurz nach seiner Geburt in der Röderstadt. Dann zogen seine Eltern nach Graupa. Doch der Kontakt ist nie abgerissen. Und so erinnert sich Michael Oertel, Jahrgang 1967, noch sehr gern an die engen verwinkelten Gassen. Und an den Kupferberg, der für ihn und seinen Freund Holm ein Abenteuerberg war. Wo man den Ranzen im Laub verstecken und Räuber und Gendarm spielen konnte. Oder Tiere beobachten. „Ich nannte mich Markus Braun – wie der erste Bergmann Großenhains“, zitiert Michael Oertel einen Tankstellenwärter aus Großenhain, der in den Rocky Mountains lebt.

Das ist natürlich nur Fantasie. Doch im Fortsetzungs-Kinderbuch des Leipziger Autoren hat es Charme, die kleine Stadt und das große Gebirge in Amerika zusammenzubringen. „So kann man Globalisierung darstellen“, meint Oertel schmunzelnd. Auch der Tornado wird vorkommen im nächsten Kinderbuch, bei der sich wieder alles um die Helfe-Elfe Magda dreht. Mit seinem berühmten Großvater Herbert Gadsch, der am Friedhof wohnte, ist Enkel Michael oft über denselben spaziert. Dann hat der Tornado die meisten Bäume hier umgeworfen. Das hat auch den Leipziger sehr berührt. Kurz darauf ist sein Großvater hochbetagt gestorben. „Die Stadt hat mich schon geprägt“, meint der Autor, der eigentlich Sozialarbeiter ist. „Ich wollte meinem Ursprung ein Denkmal setzen.“

Musikalischer Einfluss blieb

Sieben Bücher stammen mittlerweile aus der Feder des Leipzigers. Er begann zu schreiben, als er dringend einen Ausgleich zu seiner Arbeit – erst im Jugendamt und nun in der Diakonie – brauchte. Soziale Themen stehen jedoch auch in den Büchern im Mittelpunkt. Seine Helfe-Elfe-Geschichte liest Michael Oertel in Kindereinrichtungen und vor kranken Kindern auf der Intensivstation in einer Klinik vor. Es gibt sogar ein Hörbuch mit Musik dazu. Der musikalische Einfluss des bekannten Opas ist also geblieben. Der Leipziger fotografiert ebenso gern.

Und nun liest er also zum allerersten Mal öffentlich in der Preusker-Bücherei ein Kapitel aus seinem neuen Manuskript „Die Helfe-Elfe in den Rocky Mountains“. Er hat die Elfe Magda als Handpuppe aus Filz mitgebracht. Über fünf Ecken ist er an dieses schöne Unikat gekommen. Auch einen Notenständer für sein Buch hat er dabei, einen alten Koffer und einen CD-Spieler. Ganz entzückt ist der 48-Jährige aber über die Dekoration in der Bibliothek: „Das ist die liebevollst eingerichtete Bücherei, in der ich je gelesen habe“, lobt der Autor. Er wird nicht müde, die Kinder zum Schmökern und Nutzen der Einrichtung zu animieren. „Lesen bildet, da haben Eure Lehrer und Eltern schon recht“, sagt er etwas dozierend. Hoffentlich stimmt das mit dem Bilden auch, wenn in fernen Kinderzimmern demnächst über den Hain von Großenhain vorgelesen wird, und die Menschen sich dann fragen: Wo liegt denn das?

Kathrin Schäfer von der Bücherei ist schon mal ganz stolz darauf, dass die Stadt in einem weiteren Kinderbuch vorkommt. Großvater Herbert Gadsch hat seine Heimatstadt ja in der DDR schon ziemlich bekannt gemacht, und er war auch bekannt mit dem Schriftsteller James Krüss – hat die Geschichte vom Klipperstorch von Großenhain von ihm vertont. Michael Oertel ist jedoch bescheiden. „Meine Themen werden keine Bestseller“, meint er und lächelt.

www.michaeloertel.com