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Mit Drohnen gegen den qualvollen Mähtod

Bevor die Hühner des Großenhainer Geflügelhofs auf ihrem neuen Domizil scharren dürfen, werden die Felder ausgehfein gemacht. Aber: vorsichtig!

Der Inhaber des Großenhainer Geflügelhofs Christian Riedel inmitten der fachkundigen ASB-Drohnenflieger. Gleich soll nach Rehkitzen gesucht werden, bevor das Feld abgemäht wird.
Der Inhaber des Großenhainer Geflügelhofs Christian Riedel inmitten der fachkundigen ASB-Drohnenflieger. Gleich soll nach Rehkitzen gesucht werden, bevor das Feld abgemäht wird. ©  Foto: Kristin Richter

Großenhain. Er hat es schon getan, da war von kleinen, wendigen Flugobjekten noch gar keine Rede. Und so weiß Christian Riedel, Inhaber des Großenhainer Geflügelhofs, auch an diesem Mittwochmorgen am allerbesten, worauf es in den nächsten Stunden ankommen wird. Bevor seine gefiederten Schützlinge in den Genuss einer frisch abgemähten Auslauffläche im Großenhainer Ortsteil Skassa kommen, müssen sie sich noch etwas gedulden. Denn dem 68-jährigen Unternehmer und Jäger ist auch an diesem Junitag wichtig, was er umsichtig schon immer so gehalten hat. "Bevor das Feld abgemäht wird, suchen wir das betreffende Areal grundsätzlich nach Rehkitzen ab", sagt Christian Riedel. Schon häufig habe er Rehe beobachtet, die ihren Nachwuchs inmitten der hohen Halme oder im Gras abgelegt hätten. Damit die Maschinen ihnen nicht gefährlich werden könnten, hätten er und die Geflügelhofmitarbeiter die rund acht Hektar große Fläche stets zu Fuß durchkämmt.

Die Drohnenspezialisten vom Arbeiter-Samariter-Bund überfliegen die Felder vom Geflügelhof mit Wärmebildkameras und suchen nach Kitzen. Erst wenn sie ihre Arbeit getan haben, wird abgemäht.
Die Drohnenspezialisten vom Arbeiter-Samariter-Bund überfliegen die Felder vom Geflügelhof mit Wärmebildkameras und suchen nach Kitzen. Erst wenn sie ihre Arbeit getan haben, wird abgemäht. © Kristin Richter

Dieses Mal hat sich der renommierte Betrieb indes professionelle Unterstützung gesucht. Das ehrenamtliche Drohnen-Team des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB), Regionalverband Dresden, ist bereits seit sieben Uhr morgens im Einsatz, um bei besten Wetterverhältnissen die dicht bewachsene Fläche zu erkunden. "Bisher haben wir kein Rehkitz gefunden", verrät Ralf Rehwagen.

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Wie der Leiter des Drohnen-Teams betont, freue man sich sehr über solche Anfragen aus der Praxis. Immerhin vereine das jüngste Projekt des Vereins nicht nur ehrenamtlich Tätige aus allen Berufsgruppen, sondern sei auch wegen seiner vielfältigen Einsatzgebiete - von der Personensuche, über Branderkundungen oder eben der Mithilfe in der Landwirtschaft - zunehmend von besonderer Bedeutung. So habe sich auch die Rettung von Rehkitzen durch die Sichtung von Drohnen bereits in weiten Teilen Deutschlands etabliert. "Durch die Wärmebildkameras, die an den Drohnen befestigt sind, lassen sich die Tiere selbst im hohen Gras sehr genau aufspüren", erklärt Ralf Rehwagen.

Ein entscheidender Moment, auf den die Ehrenamtler und Christian Riedel an diesem Morgen noch warten. Brummend schwebt die gut ein Kilogramm schwere Drohne über das Feld. Da die an der Unterseite angebrachte Kamera Temperaturunterschiede auf einem Monitor sichtbar machen würde, hätte kein Rehkitz eine Chance, unentdeckt zu bleiben. Mit einer Körpertemperatur von 39 Grad im Vergleich zum deutlich kühleren Boden, würde das Gerät sofort Alarm schlagen beziehungsweise der tierische Findling auf der Kamera markiert. Einmal entdeckt, könne das Kitz dann mit viel Gras in den Händen hochgehoben werden, damit es keinen menschlichen Geruch aufnehmen und von der Mutter verstoßen würde. Vorsichtig könne es gewissermaßen umgesiedelt werden und befände sich vor der nahenden Technik in Sicherheit. 

Glücklicherweise. Denn bis zu 100.000 Kitze sterben laut Tierschutzorganisationen in jedem Jahr bundesweit durch Mäharbeiten. Nachwuchs, der im Mai und Juni geboren wird und damit genau zu jener Zeit, in welcher Wiesen und Felder abgemäht werden müssen. Wurden sie dort zuvor ganz bewusst von ihren Müttern - auch Ricken genannt - abgelegt, um sie während der Nahrungssuche vor sogenannten Fressfeinden zu schützen, kann den Rehkindern genau dieses liebevoll gebettete Versteck zum Verhängnis werden. Ihnen droht der grausame Mähtod, denn sie haben angesichts der wuchtigen Maschinen keine Chance, zu entkommen. Schwer verletzt und äußerst qualvoll sterben die Kitze, aber auch unzählige Hasen oder bodenbrütende Vögel.  

Nachdem das ASB-Drohnenteam seine Arbeit verrichtet hat und keine Kitze gefunden wurden, darf sich die Mähmaschine endlich in Bewegung setzen.
Nachdem das ASB-Drohnenteam seine Arbeit verrichtet hat und keine Kitze gefunden wurden, darf sich die Mähmaschine endlich in Bewegung setzen. © Foto: Kristin Richter

Ein Schicksal, das Christian Riedel und das ASB-Drohnenteam dem Rehnachwuchs zumindest auf diesem Feld bei Großenhain erspart hat. Nach der mehrstündigen Suche beenden die Ehrenamtler am späten Vormittag schließlich ihre Arbeit. Kitze seien keine aufgespürt worden, die Mähmaschine dürfe nun starten. Dort auf dem Feld, da, wo es bald fröhlich gackern wird.

Das ehrenamtliche Drohnen-Team ist das jüngste Projekt des ASB und wurde in diesem Jahr mit einer Ausbildung von Interessenten zu Drohnen-Piloten gestartet. Weitere ehrenamtliche Drohnen-Piloten seien jederzeit willkommen. Interessenten melden sich bei Ralf Rehwagen, Telefon 0351/4182141 oder E-Mail an [email protected]    

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