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Katzen aus Haus gerettet

Ein Großenhainer möchte den Tieren ein Zuhause geben. Dieses verwahrlost jedoch immer mehr.

Manja Baumgartner von der Pfötchenhilfe Priestewitz hat bereits neun Kätzchen in Not aufgenommen. Eine Herausforderung in jeglichem Sinne.
Manja Baumgartner von der Pfötchenhilfe Priestewitz hat bereits neun Kätzchen in Not aufgenommen. Eine Herausforderung in jeglichem Sinne. © Foto: Kristin Richter

Großenhain. Es sind die Geschichten, über die Armin Krake eigentlich gar nicht sprechen möchte. Zu persönlich, zu Schicksal gebeutelt, zu traurig. Dennoch muss es der Vorsitzende des Großenhainer Tierschutzvereins wieder einmal tun. Um nachdenklich zu machen, um Aufmerksamkeit zu erregen, um Hilfe in eigener Sache zu mobilisieren. Denn gerade diese Unterstützung braucht es jetzt, wollen die Ehrenamtler doch jenen beistehen, die es gerade dringend nötig haben.

Dabei sei der diesjährige Sommer bis zum vergangenen Donnerstag eigentlich weitaus tierlieber verlaufen als alle anderen zuvor. Die Zahl der ausgesetzten Tiere halte sich erfreulicherweise in Grenzen. Niemand habe sich - wie in der Vergangenheit leider schon mehrfach üblich - junger Vierbeiner am Wegesrand oder gar im Schuhkarton neben der Mülltonne entledigt. „Wir waren wirklich glücklich über diese Entwicklung, die sicherlich auch den begrenzten Möglichkeiten des Reisens aufgrund der Corona-Pandemie geschuldet ist“, sagt Armin Krake.

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Er macht keinen Hehl daraus, dass es nun stattdessen um so mehr Arbeit und Bedarf zum Handeln gibt. Wie schon einmal im Großenhainer Ortsteil Strauch und nahe Thiendorf erlebt, habe man Kenntnis davon erhalten, dass ein sicherlich tierlieber Mann mehr Katzen bei sich aufgenommen hat, als es ihm überhaupt möglich ist, sie zu versorgen. Erwachsene und junge Tiere, derer es aufgrund der ungehinderten Fortpflanzung von Woche zu Woche immer mehr werden. 

Was der betagte Großenhainer seinerzeit sicherlich einmal gut gemeint hat, sei inzwischen mächtig aus dem Ruder gelaufen. „Meine Mitstreiterinnen waren dann vor Ort, und es hat sich leider bestätigt, dass die Situation für Mensch und Tier gleichermaßen in keinster Weise tragbar ist“, erklärt Armin Krake. 

Für den passionierten Ehrenamtler eine tragische Angelegenheit. Häufig, so seine Erfahrung, würden sich hinter der starken, später übertriebenen und letztlich geradezu krankhaften Hinwendung zu Tieren, kleine oder gar große menschliche Tragödien verbergen. 

Ein Trauerspiel, aus dem der sehr engagierte und kreisweit tätige Verein sofort 15 kleine Katzen auf dem verwilderten Grundstück eingefangen hat. Untergebracht in der Pfötchenhilfe Priestewitz, der Katzenaufzuchtstation Coswig und einer privaten Großenhainer Pflegestelle, haben die Vierbeiner eines gemein: einer dünner und verflohter als der andere, körperlich schwach, durch Würmer und anderes Ungeziefer gezeichnet. „Es ist ein trauriges Bild, wie diese armen Geschöpfe bisher hausen mussten“, bekennt Manja Baumgartner, die seinerzeit die Pfötchenhilfe begründete.

Die kommenden Tage würden angesichts ihrer zahlreichen neuen Untermieter nicht nur stressig, sondern aufgrund der vielfältigen Krankheitsbilder sehr emotional werden. Und damit nicht genug. Zwar lasse der Grundstückseigentümer die Tierschützer bis jetzt nicht ins Haus, wo sicherlich weitere Katzen zu finden wären. Sichtbar gewesen seien aber im Garten bereits mehrere erwachsene, teils trächtige Fellnasen. Diese müssten noch eingefangen und versorgt beziehungsweise kastriert werden.

Allerdings: die Kosten für die tierärztlichen Behandlungen, Futter und all die Aufwendungen, welche dringend notwendig seien, trägt momentan der Großenhainer Tierschutzverein. „Glücklicherweise sind unsere Mitglieder sehr aktiv, und es gibt ein kleines finanzielles Polster beziehungsweise regelmäßig Futterspenden. Dennoch können wir momentan Unterstützung in jeglicher Form gebrauchen“, gibt Armin Krake zu und atmet tief durch.

Die geretteten Tiere haben alle eines gemein: unterernährt, körperlich schwach und durch vielfältige Erkrankungen gezeichnet.
Die geretteten Tiere haben alle eines gemein: unterernährt, körperlich schwach und durch vielfältige Erkrankungen gezeichnet. © Foto: Kristin Richter

Traurige Umstände, die auch an Großenhains Stadtvätern nicht vorübergegangen sind. Selbstverständlich, so Diana Schulze, habe die Verwaltung dem Tierschutzverein ihre Unterstützung angeboten. Wie die Rathaussprecherin betont, kämen Fälle wie dieser vergleichsweise selten vor. Maximal einer pro Jahr werde aktenkundig. 

Jedoch stellten verwilderte oder wildlebende Katzen sowie ihre zahlreichen Nachkommen schon seit geraumer Zeit Tierschützer und Stadt vor gehörige Probleme. "Auf Initiative des Vereins und unterstützt von der Verwaltung,  hat der Stadtrat aus diesem Grund im Mai 2019 eine Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für Freigängerkatzen beschlossen. 

 Katzenhalter, die ihre pelzigen Lieblinge ins Freie lassen, sind danach aufgefordert, diese kastrieren und kennzeichnen zu lassen, um unkontrollierte Fortpflanzungen und damit Tierleid zu verhindern", erinnert Diana Schulze.

Bereits bei der Einführung der Verordnung wäre indes allen Beteiligten bewusst gewesen, dass eine Kontrolle nur sehr schwer möglich sein würde. Vielmehr verstehe man die Verpflichtung als Appell an alle Katzenhalter, ihrer Tierwohlverantwortung gerecht zu werden.

 Gleichwohl könne der städtische Vollzugsdienst in Einzelfällen und bei etwaigen Kontrollen, Verstöße mit Geldbußen von mindestens 5 Euro und höchstens 1.000 Euro ahnden.

Konsequenzen, die den zahlreichen Findlingen dieser Tage nicht viel nützen. Was sie brauchen, sind Zuwendung, medizinische Versorgung und eine große Portion Glück.

Wer den Tierschutzverein finanziell unterstützen will, spende bitte an: Tierschutzverein Großenhain, Sparkasse Meißen, IBAN: DE 43 8505 5000 3400 002568.

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