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Großenhain

Großenhainer Löwen-Apotheke wird saniert

Im geschichtsträchtigen Haus bemühen sich Handwerker momentan darum, die historische Verkaufsfläche zu erhalten. Und - wurden fündig.

Die Großenhainer Löwen-Apotheke Großenhain zeigt auch äußerlich, was zurzeit in ihrem Inneren vor sich geht. Im geschichtsträchtigen Haus wird gebaut.
Die Großenhainer Löwen-Apotheke Großenhain zeigt auch äußerlich, was zurzeit in ihrem Inneren vor sich geht. Im geschichtsträchtigen Haus wird gebaut. © Kristin Richter

Großenhain. Unglaublich, aber wahr: Manchmal kann die Corona-Krise auch ihre guten Seiten haben. Dann nämlich, wenn ihr jegliche Aufmerksamkeit geschenkt wird, während andere wichtigen Dinge im Verborgenen ganz unaufgeregt vonstattengehen können. Heimlich, still und leise etwa haben inzwischen die Sanierungsarbeiten in der Großenhainer Löwen-Apotheke begonnen.

 Das historische Gebäude, welches aufgrund seiner baulichen Mängel gleich zu Beginn des Jahres für viel Furore sorgte und sogar Kultmoderator Steffen Lukas anlockte, erfährt zurzeit eine Verjüngungskur. "Ja, es stimmt! Die Sanierung der Gewölbedecke ist in vollem Gange", bestätigt Norbert Hess auf SZ-Anfrage.

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 Der Inhaber des gleichnamigen Meißner Ingenieurbüros zählt zu jenem Expertengremium, welches seit Februar geeignete Varianten eines Erhalts der historischen Bausubstanz erarbeitete. 

Charakteristisch für die Apotheke war der Verkaufsraum mit der Kreuzgewölbedecke. Aufgrund der leidigen Tatsache, dass Anfang des Jahres Feuchtigkeit ins Mauerwerk eingedrungen war, begann diese zu reißen und galt schließlich als einsturzgefährdet.
Charakteristisch für die Apotheke war der Verkaufsraum mit der Kreuzgewölbedecke. Aufgrund der leidigen Tatsache, dass Anfang des Jahres Feuchtigkeit ins Mauerwerk eingedrungen war, begann diese zu reißen und galt schließlich als einsturzgefährdet. © Kristin Richter

Denn zur Erinnerung: Im Januar war die renommierte Löwen-Apotheke  aufgrund eines Wasserschadens innerhalb von wenigen Tagen geräumt worden. Gewissermaßen über Nacht hatte sich das historische Deckengewölbe im Verkaufsraum in eine rissige Bedrohung verwandelt. "Es ist definitiv einsturzgefährdet", befand damals Statiker André Anlauf bei einer ersten Vorortbegehung. Darunter herumlaufen sollte fortan keiner mehr. 

Auch Kerstin Boragk nicht. Dabei interessierte die 48-Jährige natürlich sehr, wie es in der von ihr seit 2005 geführten Apotheke aussehen mochte. Glaubte die Inhaberin der Apotheke am 2. Januar noch - sie führt zudem ein Geschäft in Gröditz, dass es sich um eine der üblichen Havarien der Heizung handle, fand sich die Spezialistin für Offizin-Pharmazie und Ernährungsberatung plötzlich in einem Alptraum wieder. Dicke Tropfen rannen über die Wände und machten auch vor den hölzernen Wandvertäfelungen und Einbauten nicht halt.

Einbauten, in deren Erweiterung und Restaurierung Kerstin Boragk nach der Übernahme der Apotheke im Februar 2005 eine beträchtliche Summe investiert hatte. Umso bitterer, dass Teile der typisch braunen Einrichtung - sie erzählen von der langen Geschichte des im 13. Jahrhundert errichteten Hauses - nun seit Dienstag abgebaut werden mussten.

Nicht mehr wiederzuerkennen: Im Verkaufsraum stützen die Mitarbeiter der Firma Trinity Bauwerksanierung Dresden das Gewölbe.
Nicht mehr wiederzuerkennen: Im Verkaufsraum stützen die Mitarbeiter der Firma Trinity Bauwerksanierung Dresden das Gewölbe. © Kristin Richter

Eine wichtige Maßnahme allerdings inmitten der begonnenen und seit Wochen vorbereiteten Sanierung. Um der Decke wieder Stabilität zu verleihen, würde ein umlaufender Stahlbeton-Ringbalken eingebaut und das Deckengewölbe mit Nadel- und Spiralankern gesichert. "Gerissene und nicht mehr tragfähige Teile des Deckengewölbes wurden erneuert und Stahlträger zur Aufnahme der Last des denkmalgeschützten Kachelofens eingebaut", erklärt Norbert Hess.

Damit die Löcher für die Befestigung der Anker gebohrt werden könnten, sei es wichtig gewesen, in der Offizin Teile des liebgewordenen Mobiliars zu räumen. Eine Notwendigkeit, die eine Überraschung preisgab.

 „Hinter der Verkleidung wurde ein alter Apothekenschrank gefunden“, verrät Kerstin Boragk. Aus welchem Jahr genau das Utensil stammt, werde das Denkmalschutzamt in den nächsten Tagen bestimmen. Fest stehe jedoch, dass es sehr, sehr lange her sein muss, dass es einem Apotheker zu Diensten stand. 

Wann Kerstin Boragk und ihr Team in den Räumen wieder ihre Arbeit verrichten dürfen, stehe indes noch nicht fest. Wenn alles nach Plan verlaufe, könne es möglicherweise im September soweit sein. Bis dahin gebe es aber noch viel zu tun - heimlich, still und leise. 

Da staunten die Möbelbauer nicht schlecht: Hinter den typisch braunen Verkleidungen, die abgebaut wurden, kam noch ein weiterer Apothekenschrank zum Vorschein.
Da staunten die Möbelbauer nicht schlecht: Hinter den typisch braunen Verkleidungen, die abgebaut wurden, kam noch ein weiterer Apothekenschrank zum Vorschein. © Foto: Kristin Richter

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