merken
PLUS Großenhain

Großenhainer Löwen-Apotheke lässt tief blicken

Nachdem die Gewölbedecke des traditionsreichen Hauses zu Jahresbeginn drohte einzustürzen, ist die Sanierung nun in vollem Gange.

Kerstin Boragk, Inhaberin der traditionsreichen Großenhainer Löwen-Apotheke kann wieder lachen: Mit ein wenig Glück, kann sie ihre Kunden bald wieder im Geschäft am Hauptmarkt 7 empfangen.
Kerstin Boragk, Inhaberin der traditionsreichen Großenhainer Löwen-Apotheke kann wieder lachen: Mit ein wenig Glück, kann sie ihre Kunden bald wieder im Geschäft am Hauptmarkt 7 empfangen. © Foto: Anne Hübschmann

Großenhain. Kerstin Boragk übt sich im Wegsehen. Die Inhaberin der Großenhainer Löwen-Apotheke muss dieser Tage ihren hausfraulichen Tatendrang ebenso unter Kontrolle halten wie ihren natürlichen Hang zum Perfektionismus. Denn zwar ist die 48-jährige Apothekerin und Spezialistin für Offizin-Pharmazie und Ernährungsberatung glücklich darüber, dass die Arbeiten im Verkaufsraum  so schnell vorangeschritten sind.  Aber dass ein Teil der Wände statt neuen Putz abgeblätterte Farbe, blankes Mauerwerk und sogar tote Spinnen vorzuweisen hat, ist für Kerstin Boragk nun doch ein wenig gewöhnungsbedürftig. 

Und tatsächlich: Obgleich bereits der Maler seine Arbeiten beendet hat und der Elektriker eifrig am Schaffen ist, schaut es in einigen Ecken so aus, als hätten die Handwerker sie vergessen. Allerdings: Genau das Gegenteil ist der Fall! Da, wo scheinbar unbeachtet dicke, jahrhundertealte Spinnweben mehrere abgeblätterte Schichten von Putz verdecken, waren in den vergangenen Wochen die Mitarbeiter der Denkmalpflege eifrig zugange. Denn nachdem die für die Apotheke charakteristischen braunen Holzmöbel abgebaut werden mussten, war zum Vorschein gekommen, was sonst im Verborgenen schlummern darf. Ältere Schichten von Putz des im 13. Jahrhundert errichteten Gebäudes, überdeckt von vielen Malereischichten.  "Im Zuge der Arbeiten wurde das festgestellt, und diese gilt es, auch zu erhalten", bestätigt Anja Schmiedgen-Pietsch.  

Anzeige
Die Sachsen-Edition von Mühle Glashütte
Die Sachsen-Edition von Mühle Glashütte

Ab sofort gibt es den sportlich-eleganten Teutonia II Chronographen exklusiv bei DDV Lokal zu erwerben. Die Edition ist auf nur 100 Stück limitiert.

Nachdem die typischen Holzmöbel abgebaut werden mussten, kamen verschiedene Schichten Putz zum Vorschein. Sie sollen erhalten bleiben.
Nachdem die typischen Holzmöbel abgebaut werden mussten, kamen verschiedene Schichten Putz zum Vorschein. Sie sollen erhalten bleiben. © Foto: Anne Hübschmann

Von den Überlegungen des "einfach nun mal richtig Saubermachens", weiß die Sprecherin des Landratsamtes in Meißen freilich nichts. Im Gegensatz zu Kerstin Boragk, die ehrfürchtig die großen, dicken und nahezu filmreifen Spinnweben betrachtet. Nein, mit modernster Blastechnik dürfe ihnen angesichts der unmittelbaren Nähe zum Putz nicht zu Leibe gerückt werden. Praktische Erwägungen, die jedoch keine wirklichen Probleme darstellen. "Das ist mir doch durchaus bewusst! Es hätte alles viel schlimmer kommen können, und ich bin überaus dankbar, dass innerhalb der vergangenen Monate eine so schnelle Lösung für die gefährdete Gewölbedecke gefunden worden ist", freut sich Kerstin Boragk. 

Immerhin: Als zu Jahresbeginn aufgrund eines Wasserschadens die historische Kreuzgewölbedecke drohte einzustürzen und Teile des Geschäftes gewissermaßen über Nacht in das Haus am Hauptmarkt 3 evakuiert worden, habe niemand an eine Wiedereröffnung im Spätsommer geglaubt. Innerhalb weniger Stunden waren Tausende Medikamente aus dem Verkaufsraum befördert worden. Eine Aktion, die Dank des zu Hilfe geeilten Folberner Karnevalsvereins sogar Sachsens kultiges Moderatorenteam Steffen Lukas und Claudia Switala in die Röderstadt lockte. 

Aber nicht nur die. Denn so unterhaltsam das Radio-PSR-Gespann sonst auch sein mag. Viel entscheidender war in den vergangenen Wochen ganz sicher die Anwesenheit eines Expertengremiums, das seit Februar geeignete Varianten zum Erhalt der historischen Bausubstanz erarbeitete.

Und offenkundig erfolgreich. Hatte Kerstin Boragk die von ihr seit 2005 geführte Apotheke - sie besitzt außerdem ein Geschäft in Gröditz - selbst nicht mehr betreten dürfen, schaut sie an diesem ersten Julitag glücklich gen Gewölbedecke. Wo sich noch vor ein paar Monaten bedrohliche Risse ihren Weg bahnten, erstrahlt jetzt alles in frischem Weiß. Um der Decke wieder die nötige Stabilität zu verleihen, sei ein umlaufender Stahlbeton-Ringbalken eingebaut und das Gewölbe mit Nadel- und Spiralankern gesichert worden. 

Damit die Löcher für die Befestigung der Anker gebohrt werden konnten, wäre es wichtig gewesen, so Norbert Hess vom gleichnamigen Ingenieurbüro aus Meißen, in der sogenannten Offizin - also dem Verkaufsraum - Teile des liebgewordenen Mobiliars zu räumen. Eine praktische Notwendigkeit, die jedoch nicht nur eben jene alten Putz- und Malerschichten nebst Spinnweben preisgab. "Aufgrund der Befestigungen passen die ursprünglich maßgenau gearbeiteten Möbel nun leider nicht mehr. Am Donnerstag kommt deshalb eine Fachfirma und wird sich darum bemühen, sie anzupassen", erklärt Kerstin Boragk. 

Weiterführende Artikel

Löwen-Apotheke kehrt zurück

Löwen-Apotheke kehrt zurück

Kerstin Boragk ist derzeit die glücklichste Apothekerin Deutschlands. Daran war vor einem halben Jahr nicht zu denken.

Danach solle bereits die Computertechnik installiert und geschaut werden, ob das mit Medikamenten bestückte sogenannte Generalalphabet wieder seine Dienste aufnehmen könne. Durch den hastigen Umzug teilweise in Mitleidenschaft gezogen, sei noch nicht ganz klar, ob auch da noch einmal fachkundig Hand angelegt werden müsse. Aber auch hier gelte: Da der optimistische Kurs auf Rückzug in das ursprüngliche Geschäft stehe, dürfe ruhig auch mal großzügig über das eine oder andere kleine Problemchen hinweg gesehen werden können. Selbst über abgeblätterten Putz und Spinnweben von anno dunnemals. 

Mehr zum Thema Großenhain