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Kripo auf Spurensuche

Nachdem am Freitagabend die Leiche eines 37-jährigen Großenhainers gefunden worden ist, äußert sich nun erstmalig die Staatsanwaltschaft.

Zahlreiche Mitarbeiter der Polizei durchsuchten am Montagvormittag ein Wald- und Feldstück beidseitig der Straße zwischen Medessen und Zottewitz.
Zahlreiche Mitarbeiter der Polizei durchsuchten am Montagvormittag ein Wald- und Feldstück beidseitig der Straße zwischen Medessen und Zottewitz. © Foto: Kristin Richter

Großenhain. Es ist noch nicht vorbei. Ganz im Gegenteil. Einen Tag, nachdem die Nachricht vom Mordverdacht in Großenhain die Runde gemacht hat, fängt alles erst an. "Wir können im Moment noch nichts weiter sagen! Die Ermittlungen haben gerade erst begonnen", wird Lorenz Haase am Montagmittag im Telefonat mit der Sächsischen Zeitung verkünden. Wie der Oberstaatsanwalt betont, müsse man jetzt erstmal genau schauen, was wirklich passiert ist, welche Motive es gegeben hat und wie der Großenhainer zu Tode gekommen ist. 

Zahlreiche Fragen, die seit dem Wochenende auch durch die Röderstadt und ihre Ortsteile wabern. Am Freitagabend, so hatte die Polizeidirektion am Sonntag in einer offiziellen Erklärung vermeldet, wäre in einem Waldstück bei Großenhain die Leiche eines 37-jährigen Mannes gefunden worden. 

Offenbar seit dem 13. Juni vermisst, suchte ihn zuvor seine Familie mit einem bewegenden Aufruf in den sozialen Netzwerken. Wer ihn gesehen oder Hinweise jeglicher Art habe, solle sich per Facebook-Nachricht melden.

Hinweise, so wird einen Tag später einer weiteren Veröffentlichung zu entnehmen sein, gehen auch tatsächlich ein. Ohne sie, so betont die Schreiberin der Zeilen am Samstagabend, wäre es sonst wohl gar nicht möglich gewesen, den Vermissten überhaupt noch zu finden.

 Ein junger Mann, der bisher nicht öffentlich in Erscheinung getreten und nun nicht mehr am Leben ist. Der von ehemaligen Schulkameraden eher als zurückhaltend und ruhig beschrieben wird. Einer, der ein Netter gewesen sei und selbst eine eigene Familie gegründet hat. "Ich bin zutiefst erschüttert! Und vor allem, dass so etwas in unserer kleinen Stadt passiert", bekennt ein Großenhainer, der den Verstorbenen schon aus Kindergartentagen kannte. 

Auch ihn beschäftigt, was viele Leute im Großenhainer Land bewegt: Wie ist der Mann zu Tode gekommen? Was hat möglicherweise andere Menschen dazu angetrieben, ihm eine Art von besonderer Gewalt anzutun, die ihm am Ende ein Weiterleben nicht vergönnte? 

Handelt es sich bei den Tätern tatsächlich um zwei Frauen im Alter von 28 und 30 Jahren sowie zwei Männer, 28 und 51 Jahre alt, die bereits festgenommen worden sind? Hat die städtische Gerüchteküche wirklich die richtigen Informationen "zusammengeköchelt", wenn sie verlautbaren lässt, alle Personen kannten sich gut und waren teilweise eng miteinander verbunden? Und letztlich, hätte man die Tat nicht vielleicht doch irgendwie verhindern können? 

Die Mitarbeiter der Polizei sind noch einmal in den Wald nahe Zottewitz gekommen. Am Montag untersuchten sie das Gelände im Rahmen der Ermittlungen, bestätigt die Staatsanwaltschaft.
Die Mitarbeiter der Polizei sind noch einmal in den Wald nahe Zottewitz gekommen. Am Montag untersuchten sie das Gelände im Rahmen der Ermittlungen, bestätigt die Staatsanwaltschaft. © Foto: Kristin Richter

Lorenz Haase lässt sich am Tag zwei der Veröffentlichung nichts weiter entlocken. Was genau passiert ist, bedürfe noch einer umfangreichen Aufklärung. Ja, es werde mit Sicherheit dauern, bis alle Fakten auf dem Tisch legen, was wiederum auch davon abhängig wäre, wie sich die Beschuldigten und etwaige Zeugen auf die Untersuchungen einließen. Fakt sei: Es werde inmitten einer Beziehungstat - die Beteiligten kannten sich demnach - wegen Totschlags ermittelt. Auch deshalb sei ein Haftbefehl mit sofortigem Vollzug ergangen. 

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Bis die Röderstädter erfahren werden, was tatsächlich mit einem der ihren geschehen ist, wird indes noch etwas Geduld von Nöten sein. "In einer Kleinstadt wie Großenhain ist so etwas eine absolute Schreckensnachricht! Wir vertrauen nun auf die Arbeit der Ermittlungsbehörden, die Licht in das Dunkel dieser furchtbaren Tat bringen wird", bringt Oberbürgermeister Sven Mißbach die Emotionen auf den Punkt. Gefühle und Gedanken, die dem Verstand noch nicht vermitteln können: Das ist wirklich passiert. Hier bei uns, mitten in Großenhain. 

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