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Großenhain

"Jetzt wird es in Großenhain richtig ernst"

Mit einer emotionalen Botschaft wendet sich Oberbürgermeister Sven Mißbach an seine Einwohner. Die Lage sei sehr ernst und nur gemeinsam zu bewältigen.

Großenhains Oberbürgermeister Sven Mißbach betrachtet die Lage als kritisch und bittet die Großenhainer, sich tatsächlich an die Vorsichtsmaßnahmen zu halten.
Großenhains Oberbürgermeister Sven Mißbach betrachtet die Lage als kritisch und bittet die Großenhainer, sich tatsächlich an die Vorsichtsmaßnahmen zu halten. ©  Kristin Richter

Großenhain. Nein, geschlafen hätte er in der vergangenen Nacht nur wenig. Großenhains Oberbürgermeister Sven Mißbach macht keinen Hehl daraus, dass er sich viele Gedanken über die getroffenen Entscheidungen und bevorstehenden Maßnahmen mache. Denn genau darum ginge es ab Donnerstag. Nachdem bereits ab Mittwoch die Kindertagesstätten auf Notbetreuung umgestellt hätten und alle Schulen geschlossen seien, werde das Leben in der Röderstadt jetzt noch weiter heruntergefahren. Und das sei in vielerlei Hinsicht ein schmerzlicher Prozess.

Herr Mißbach, wie geht es Ihnen?

Offengestanden nicht so gut. Aber das ist auch gar nicht entscheidend. Denn ich bin in diesen wirklich recht außergewöhnlichen Tagen nun wirklich nicht der einzige Mensch, der ungeahnte Entscheidungen treffen und durchsetzen muss. Wenn uns jemand vor zwei Wochen gesagt hätte, dass wir das öffentliche Leben in Großenhain auf ein Mindestmaß herunterfahren werden – Frau Karlshaus, wir beide hätten wahrscheinlich verständnislos mit dem Kopf geschüttelt! 

Wir helfen Händlern in der Region Meißen

Corona ist bedrohlich. Für die Gesundheit, aber auch für Händler und Gewerbetreibende aus der Region Meißen. Hier können Sie helfen – und haben selbst etwas davon.

Verkäuferinnen machen zurzeit einen bewundernswerten Job, medizinisches Personal bereitet sich auf den absoluten Ernstfall vor und Politiker an vorderster Front sind nicht zu beneiden. Unsere Kinder müssen sich auf selbständiges Lernen im stillen Kämmerlein, Zeit ohne ihre Freunde und die Ausübung von Hobbys beispielsweise im Verein einstellen und deren Eltern geraten sicherlich durch das Zusammenspiel von häuslicher Arbeit und Betreuung ihrer Sprösslinge an so manche Kapazitätsgrenze. Also insofern sitzen wir alle in einem Boot. Aber ja, ich mache mir Gedanken. Denn jetzt wird es richtig ernst.  

Was bedeutet das konkret für Großenhain?

Es bedeutet, dass wir entgegen unserer Absicht, auch weiterhin für unsere Bürger zu den gewohnten Zeiten da sein zu wollen, nun doch anders entscheiden müssen. Ab Montag wird das Rathaus für den Publikumsverkehr geschlossen. Wer etwas auf dem Herzen hat oder dringend Dokumente etwa aus dem Standesamt oder Einwohnermeldeamt benötigt, kann dies telefonisch über unsere Einwahl 3040 abklären. Diese wird natürlich erreichbar sein. Ein Schritt, der bedauerlich, aber notwendig ist. Wir mussten in den vergangenen Tagen aufgrund des großen Andrangs am Informationstresen und unvernünftigen Leuten, die partout keinen Abstand halten wollten, sogar absperren. 

Absperren ist wahrscheinlich das Stichwort für die kommenden Tage? Wie viel Freiraum bleibt den Röderstädtern denn noch?

Fakt ist, er wird erheblich kleiner sein als sie es gewohnt sind. Wir richten uns dabei nach den Entscheidungen des Freistaates und halten auch die zeitlichen Anweisungen zur Umsetzung ein. Bereits im Verlauf des mittwochs bringen unsere Mitarbeiter auf den Spielplätzen entsprechende Hinweisschilder an, denn diese sind ab Donnerstag nicht mehr zu betreten. Gleiches gilt für Bolz- oder Skaterplätze. Und mehr noch: Wir haben beobachtet, dass sich die Jugendlichen alternativ an der Rollsporthalle treffen. Ich kann dieses Bedürfnis der Mädchen und Jungen auch nachvollziehen. Doch wir müssen auch das unterbinden. 

Wie wollen Sie die Einhaltung des Verbots kontrollieren?

In unserer eigens gebildeten Corona-Arbeitsgruppe ist natürlich auch die örtliche Polizei vertreten. Gemeinsam mit den Beamten des Großenhainer Reviers und unseren gemeindlichen Vollzugsbediensteten werden wir regelmäßig Kontrollen durchführen. Die Verbote sind nicht umsonst ausgesprochen worden. Man möchte damit jegliche Ansammlung von Menschen verhindern. Und deshalb werden wir - so viel kann ich an dieser Stelle versichern - keineswegs tatenlos zuschauen, wenn Jugendliche oder andere Einwohner von Großenhain und den Ortsteilen meinen, sich  zum Picknick im Park treffen zu müssen.   

Unterliegen dieser Kontrolle auch die Geschäfte?

Die Schließung der Geschäfte ist zugegebenermaßen einer der Gründe für meine schlaflose Nacht. Einfach deshalb, weil uns voll und ganz bewusst ist, welche wirtschaftlichen Auswirkungen das auf unsere Händler hat. Aber die sächsische Allgemeinverfügung hat nun einmal klar vorgegeben, welcher Laden geöffnet bleiben  wird und welcher eben nicht. Und auch, wenn parallel dazu der Wochenmarkt unter freiem Himmel am Dienstag und Donnerstag weiterhin seine Produkte anbieten darf, können wir die Verfügung nicht aufweichen. Die Geschäfte müssen geschlossen bleiben und ja, auch das werden wir mit der Polizei zusammen kontrollieren. 

Seit Mittwoch haben auch in Ihrer Stadt die Kindergärten geschlossen. Konnte eine Notbetreuung gesichert werden?

Ja, die Betreuung all jener Kinder, deren Eltern beide in sogenannten systemrelevanten Berufen tätig oder die alleinerziehend sind, ist gesichert. In jeder unserer 14 Einrichtungen sind Erzieher tätig, die sich um die betroffenen Mädchen und Jungen kümmern. In manchen schwierigen Fällen haben wir auch individuelle Lösungen gefunden oder darum gebeten, in der kommenden Woche eine alternative Möglichkeit der Betreuung zu finden.  

In vielfältiger Form betreut werden müssen auch ältere Menschen. Großenhain hat schnell reagiert und ein Hilfsangebot gestartet. Ist das bereits angelaufen?

Wir haben auf unserer städtischen Homepage beziehungsweise auch in Ihrer Zeitung darum gebeten, dass sich all jene, die Hilfe beim Einkaufen oder Besorgen wichtiger Dinge wie Medikamente, bei uns melden sollen. Um diese Menschen werden sich dann die Mitarbeiter der Begegnungsstätte kümmern. Darüber hinaus bitte ich alle Großenhainer herzlich darum, all das zu aktivieren, was man früher unter Nachbarschaftshilfe verstanden hat. Neid und Missgunst, was der andere hat, sind in unserer Situation jetzt nicht angebracht. Im Gegenteil! Gefragt sind die sogenannte Nächstenliebe und das für den anderen Dasein. Man muss sich nicht zu nahe kommen und in die Wohnung setzen, aber den Einkauf vor die Türe stellen, erleichtert Hilfsbedürftigen ganz sicher das Leben. 

Wagen Sie einen Blick in die Zukunft der nächsten Wochen, Herr Mißbach? Was wird auf die Großenhainer zukommen?

Zum einen bin ich froh, dass sich unser Landkreis nicht in so einer dramatischen Situation befindet, wie Regionen in anderen Bundesländern. Es gibt bis jetzt auch keinen Coronaerkrankten in Großenhain. Aber das wird sich sicherlich leider noch ändern. Doch selbst wenn, hoffe ich, dass es sich nicht um viele Menschen handelt und die Erkrankung einen leichten Verlauf nimmt. Wir alle können ganz viel dazu beitragen, dass die Ansteckungskette unterbrochen wird! Und deshalb bitte ich alle Großenhainer inständig darum, dabei zu helfen! 

Wenn wir alle jetzt die nächsten vier Wochen konsequent die Einschränkungen mittragen, kann danach vielleicht wieder Stück für Stück das Leben in unsere Stadt zurückkehren. Trotz verlockendem Frühlingswetter bitte ich jeden Einzelnen darum, sich nicht grüppchenweise zusammen zu finden. In ihrem eigenen Interesse. Denn wenn dieser mehrfach geäußerte Appell nicht befolgt wird, kommt unweigerlich der nächste Schritt. Und das ist die staatlich verhängte Ausgangssperre.

Hier geht es zur Corona-Website der Stadtverwaltung.

Zum Thema Coronavirus im Landkreis Meißen berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog!