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Weniger Großenhainer bei Demonstration

Nur noch gut 50 Teilnehmer am Montagabend. Dafür gab es einige Enttäuschungen bei jenen, die da waren - und eine gut vorbereitete Polizei.

Warten ist diesen Veranstaltungen zu eigen: Da sie nicht angemeldet werden, richtet sich die Polizei nach den bisherigen Teilnehmern aus. Am Montag fanden sich letztlich gut 50 Großenhainer zusammen.
Warten ist diesen Veranstaltungen zu eigen: Da sie nicht angemeldet werden, richtet sich die Polizei nach den bisherigen Teilnehmern aus. Am Montag fanden sich letztlich gut 50 Großenhainer zusammen. ©  Foto: Kristin Richter

Großenhain. Kurz nach 19 Uhr dominiert blau-weiß. Mehrere Fahrzeuge der Polizei stehen auf dem Großenhainer Hauptmarkt. Davor die eigens aus Dresden gekommenen Beamten, welche gemeinsam mit ihren Kollegen aus dem Röderstädter Revier wartend von einem Fuß auf den anderen treten. Werden sich zu den Leuten, die sich in der Nähe des Eiscafés San Marco eingefunden haben, nun noch ein paar dazugesellen oder nicht? 

Fünf Minuten später beantwortet sich die Frage von selbst. Ein Grüppchen von inzwischen gut 40 Frauen, Männern und Kindern läuft los und tut das, was sie schon seit ein paar Wochen tun. Bedächtig bewegt sich der schweigsame Protestmarsch durch Großenhain, begleitet dieses Mal von nur wenigen Polizisten. All jene bekannten Gesichter, die sonst vorangegangen sind, fehlen ebenso, wie zuvor der schon obligatorische Aufruf im Internet. 

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Das ältere Ehepaar, das sich am Kirchplatz dem Zug angeschlossen hat, wollte offenbar trotzdem kommen. Auch wenn möglicherweise jetzt sogar die Maskenpflicht gelockert werden soll und auch einem schon gebuchten Urlaub im September auf Mallorca nichts mehr im Wege zu stehen scheine, wolle man die Coronazeit jetzt nicht einfach so abhaken. Noch immer dürfe er nur ein paar Stunden in der Woche in den Betrieb gehen, mit der Zahlung des Kurzarbeitergeldes habe es auch nicht gleich geklappt, brummelt der männliche Part in seinen Vollbart. "Das dicke Ende wird erst noch kommen, das können Sie mir glauben! Die Regierung haut sich jetzt in die Brust mit ihren ganzen Hilfsprogrammen, aber bezahlen werden wir kleine Leute dafür", ist sich der gelernte Schlosser sicher und schüttelt sichtlich empört den Kopf. Aus seiner Enttäuschung macht der 58-Jährige keinen Hehl. Nicht nachvollziehbar sei es für ihn, dass die Großenhainer sich mit den Lockerungen offenbar einfach so zufrieden geben und deshalb nicht mehr zu den Montagsprotesten kämen.

Tatsächlich war der Termin seit Mai gesetzt. Nahmen zunächst nur 45 Menschen an den sogenannten Spaziergängen teil, waren es später 300 und zuletzt noch 120. "Im Verlauf der Zeit sind die Teilnehmerzahlen zurückgegangen", sagt Marko Laske im SZ-Gespräch. Wie der Sprecher der Polizeidirektion Dresden betont, habe es dabei keine gravierenden Zwischenfälle gegeben. Auch als die Demonstranten die zurückgelegten Distanzen im Laufe der Wochen vergrößerten und durch den Stadtpark beziehungsweise - wie am Montag - entlang der Beethovenallee liefen, sei es zu keinen Auffälligkeiten gekommen.

Nichtsdestotrotz wäre es die Aufgabe der Polizei, so Marko Laske, den Zug zu begleiten. Dass die zahlenmäßige Präsenz am Montag recht auffällig gegenüber den vergleichsweise wenigen Protestlern war, lege in diesem Fall in der Natur der Sache. "Im Gegensatz zu anderen Veranstaltungen werden die Spaziergänge bekanntermaßen nicht als Fakt an sich angezeigt. Es gibt ganz bewusst keinen Ansprechpartner und namentlich bekannten Organisator, mit dem auch im eigenen Interesse ein Ablauf oder eine zu erwartende Teilnehmerzahl besprochen werden kann", gibt Marko Laske zu bedenken. Es sei deshalb nicht möglich, vorher zu kalkulieren, wie viele Polizeikräfte zum Schutz der Veranstaltung notwendig seien. Gradmesser könne nur die Anzahl all der Personen sein, die bisher montags erschienen wären. Wie viele es am nächsten Montag sein werden, bleibt - wie immer - abzuwarten. 

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