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Ständchen frei Haus geliefert

Ein besonderes Dankeschön: Musiker des MDR-Rundfunkchores überraschten am Dienstag Patienten und Personal der Großenhainer Rehaklinik.

Bass Philipp Brömsel, Bass Johannes Weinhuber, Tenor Falk Hoffmann und Tenor Oliver Kaden vom MDR Rundfunkchor mit der ehemaligen Reha-Patientin Renate Jurack in Großenhain.
Bass Philipp Brömsel, Bass Johannes Weinhuber, Tenor Falk Hoffmann und Tenor Oliver Kaden vom MDR Rundfunkchor mit der ehemaligen Reha-Patientin Renate Jurack in Großenhain. © Foto: Anne Hübschmann

Großenhain. Es war der Herzenswunsch für eine einzelne Dame. Andächtig sitzt Renate Jurack auf ihrem Rollator und lauscht verzückt den Melodien, welche die vier Männer seit ein paar Minuten zu Gehör bringen. Dass sie den Saal des Leipziger Gewandhauses an diesem Dienstagmorgen mit dem Parkplatz der Großenhainer Rehaklinik eingetauscht haben, macht allseits ganz offensichtlich keinen Unterschied. Während Philipp Brömsel, Johannes Weinhuber, Oliver Kaden und Falk Hoffmann hörbar mögen, was sie tun, genießt ihr Publikum ebenfalls jeden Ton. Gleich nun, ob im Eingangsbereich, an den Fenstern oder vor den Türen des auf neurologische Erkrankungen spezialisierten Hauses: überall sind plötzlich Patienten, Pflegekräfte und Therapeuten erschienen, um zu erleben, was die außergewöhnliche Idee einer dankbaren Familie gewesen ist. 

Eine Familie, die noch vor ein paar Monaten keineswegs daran geglaubt habe, dass Wunder manchmal wahr werden können. Zu schwer sei einfach die Erkrankung der geliebten Mutter gewesen, zu niederschmetternd die Prognose der Meißner Ärzte, um sich überhaupt vorstellen zu dürfen, dass man in wenigen Tagen nun doch ihren 83. Geburtstag feiern werde. "Wir sind alle unendlich dankbar", bekennt Sylke Zimmer.

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Am meisten wohl die Scharfenbergerin selbst. Dass sie nach langem Krankenhausaufenthalt schließlich zur Weiterbehandlung nach Großenhain gekommen wäre, sei ein echter Glücksfall gewesen. Mit geradezu liebevoller Unterstützung des Fachpersonals habe sie hier innerhalb von zwölf Wochen neuen Lebensmut schöpfen dürfen. Lernte wieder auf eigenen Beinen zu stehen und all das, was es braucht, um nach der Entlassung am 15. Mai zurecht lächelnd behaupten zu können, dem Schicksal erfolgreich ein Schnippchen geschlagen zu haben.

Ein musikalischer Gruß in Corona-Zeiten

Was sie an diesem Morgen hier erwarten würde, wusste Renate Jurack nicht. Wie denn auch? Sie konnte schließlich nicht ahnen, was sich Enkeltochter Susann einfallen lassen würde, um die nun überaus glückliche Oma zu erfreuen und der Klinik auf besondere Weise Dankeschön zu sagen. Heimlich hatte sie die Gunst der Stunde genutzt und sich beim so genannten MDR-Lieder-Lieferdienst beworben. Und siehe da! Pünktlich um zehn wurde das Ständchen von den Mitgliedern des MDR-Rundfunkchores ausgeliefert.

Ein musikalischer Leckerbissen von "Wochenend' und Sonnenschein" bis "Am Brunnen vor dem Tore", welcher in den vergangenen Wochen schon vielen Alten- und Behinderteneinrichtungen, dem Helfer in der Not, aber auch dem freundlichen Nachbarn nebenan und der guten Seele des Ortes zuteil geworden ist. Bereits seit dem 27. April sind unter anderem die vier sympathischen Männer und ihre Musikerkollegen aus dem MDR-Sinfonieorchester landauf landab in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen unterwegs. Die Auftritte am Gartenzaun, vor der Haustür oder unterm Balkon sollen inmitten der Coronabeschränkungen ein musikalischer Gruß für jene sein, die man eigentlich gern umarmt hätte. "Die Leute können sich auf der Homepage des MDR mit ihrer eigenen Geschichte dafür bewerben", erzählt Falk Hoffmann, der bis 2010 an den Landesbühnen Radebeul engagiert war und stets gern gesehener Gast unter anderem beim Dresdner Kreuzchor ist.

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Gern gesehen und vor allem gehört wurden der Tenor und seine Sängerkollegen auf jeden Fall in der Röderstadt. Tosender Applaus ertönt aus allen Ecken und ist ganz sicher nicht nur Labsal für all jene, die jetzt wieder auf ihre Zimmer auf Zeit zurückkehren müssen. Auch die Musiker, welche aufgrund der momentanen Regelungen nicht als gesamtes 73-köpfiges Ensemble konzertieren dürfen, sind sichtlich begeistert. Menschen mit ihrem Gesang zu erfreuen, ist schließlich das, was sonst ihren Beruf ausmacht. Ihn wenigstens in dieser Form ausüben zu können, erleichtere das ungewohnte, zuweilen untätige Dasein. Eines, das die vier Herren in den kommenden Stunden indes noch nach Weinböhla, Bischofswerda und Klipphausen führen wird. Denn auch dort werden sie tun, was für Renate Jurack unvergesslich sein wird - mit ihren Melodien musikalisch umarmen.

Zum Thema Coronavirus im Landkreis Meißen berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog!

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