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Prügel-Partner auf der Anklagebank

Wenn Gewalt gegen Frauen verübt wird, versuchen die Täter damit oft, ihre Unterlegenheitsgefühle zu kaschieren.

Filmreife Szenen, wie sie leider nur allzu oft hinter verschlossenen Türen vorkommen: Gewalt zwischen Frau und Mann.
Filmreife Szenen, wie sie leider nur allzu oft hinter verschlossenen Türen vorkommen: Gewalt zwischen Frau und Mann. ©  Foto: dpa

Großenhain/Riesa. Dieser Konstellation begegnet man oft: Ein junger Mann muss sich vor Gericht verantworten, weil er seine Freundin oder Frau geschlagen hat. Er ist arbeitslos, lebt von Hartz IV, hat Drogen- oder Alkoholprobleme. Sie hingegen verdient das Geld, kümmert sich ums gemeinsame Kind, wirkt tough und lebenstüchtig. Er ist vielleicht auch geistig nicht der Hellste, fühlt sich der Lebensgefährtin unterlegen und setzt, wenn es Streit gibt, seine körperliche Stärke gegen sie ein.

Im Amtsgericht Riesa wurden vor einigen Tagen gleich zwei Fälle hintereinander verhandelt, auf die diese Sachlage zutraf. Beim ersten war auch noch Eifersucht im Spiel. Ein 25-jähriger Riesaer war nicht damit einverstanden, dass seine Freundin bei jedem Streit zum Mobiltelefon griff und zu tippen begann. Er hatte den Verdacht, dass sie in solchen Situationen mit einem anderen Mann kommuniziert.

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Eines Tages klingelte er angetrunken an der Tür der 17-Jährigen und begann, deren Wohnung nach einem Rivalen zu durchsuchen. Er fand nichts, und in einem Anfall blinder Eifersucht verlangte er von ihr ein Geständnis, dass sie ihn betrüge. Dabei packte er sie ziemlich roh am Kinn, um sie zu zwingen, ihm beim Reden in die Augen zu sehen. Außerdem zerrte er die junge Frau an den Füßen vom Bett bis in den Flur, kniete sich über sie und hielt ihr die Hände überm Kopf fest.

Das Ganze muss sich so laut abgespielt haben, dass die Nachbarn die Polizei informierten. Nein, richtig geschlagen habe ihr Freund sie nicht, sagt die Geschädigte. Sie ist noch immer mit dem Übeltäter zusammen, hat sich wieder mit ihm versöhnt und ist eigentlich gar nicht an einer Bestrafung interessiert.

Was soll das Gericht in so einem Fall tun? Noch dazu, wenn der Täter eine leichte geistige Behinderung hat? Richterin Ingeborg Schäfer einigt sich mit der Staatsanwaltschaft darauf, das Verfahren einzustellen. Ganz ohne Denkzettel lässt sie den jungen Mann aber nicht davonkommen. Er bekommt die Auflage, 100 Stunden gemeinnützige Arbeit abzuleisten. Weil er wegen kleinerer Delikte unter Bewährung steht, wird ihm überdies ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt.

Schwerwiegender ist der Fall eines Großenhainers, der seine Ex-Partnerin tatsächlich mit Schlägen traktiert hat. Tom J. geriet mit der Geschädigten in Streit über die Betreuung der gemeinsamen dreijährigen Tochter. Er war mit der Kleinen zusammen und dabei telefonisch nicht erreichbar gewesen. 

Der 24-Jährige und seine Ex schrien einander an, bis die Sache eskalierte und er ihr mehrfach ins Gesicht schlug. Wobei die junge Frau auch nicht an Herzdrücken starb und den Schläger schon mal zu Boden schickte. Letztlich aber rief sie die Polizei an, die Tom J. nahe dem Cottbuser Bahnhof stellte.

Weil er – vor Wut außer sich – mit geballten Fäusten auf einen Beamten zuging, machte ihn dieser mit Pfefferspray kampfunfähig. Vor Gericht zeigt sich der junge Mann einsichtig. Ja, er wisse selbst, dass er zu Unbeherrschtheit und Aggressivität neige, sagt er. Und er habe sich auch schon bei seiner Ex entschuldigt.

Auch Tom J. hat eine Drogen- und Alkoholkarriere hinter sich und ist wegen Körperverletzung und Nötigung vorbestraft. Zu seinen Gunsten spricht immerhin, dass er ein liebevolles Verhältnis zu seinem Töchterchen hat, was ihm auch einen gewissen sozialen Halt gibt. 

Richterin Schäfer findet überdies, dass der Großenhainer bei der Ruhigstellung mit dem Pfefferspray schon für seine Tat büßen musste. Letztlich belässt sie es bei einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen. Die könne man auch abarbeiten, gibt sie dem labilen Prügel-Ex-Partner mit auf den Weg.

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