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Großenhain

Buddeln auf geschichtsträchtigem Boden

Bevor mit dem Bau der zwei Stadthäuser auf der Großenhainer Frauengasse begonnen werden kann, gehört das Areal den Archäologen.

Archäologe Kay Mauksch vom Landesamt für Archäologie Dresden untersucht hier gemeinsam mit Detlef Krille von der Baugesellschaft Großenhain den Boden.
Archäologe Kay Mauksch vom Landesamt für Archäologie Dresden untersucht hier gemeinsam mit Detlef Krille von der Baugesellschaft Großenhain den Boden. © Foto: Kristin Richter

Großenhain. Es ist nicht so häufig der Fall, dass Pläne mit der Realität übereinstimmen. Jörg Heller darf sich rühmen, dass sein Weitblick in diesem Fall durchaus angebracht gewesen ist. Gemeinsam mit Architekt Michael van der Burgt verfolgt Großenhains stadtbekannter Makler seit Monaten den ehrgeizigen Plan, inmitten der Innenstadt zwei Häuser zu errichten. Geradewegs mit Blick auf das Kulturschloss sollen die dreigeschossigen Bauten an der Ecke Frauengasse errichtet werden - ohne Keller. 

Ein Merkmal der gut 120 Quadratmeter großen Häuser, das sich angesichts der neuesten Erkenntnisse bezahlt machen dürfte. Denn wer sich entscheidet, eines von zwei noch nicht verkauften eigenen vier Wänden zu erwerben, darf sich rühmen, künftig auf geschichtsträchtiger Erde zu wohnen. Ohnehin bekannt, machten auch dieser Tage die Archäologen die fachliche Probe aufs Exempel. "Zum obligatorischen Zweck der baulichen Voruntersuchungen haben sie bis auf 1,40 Meter gegraben. Und sind auch fündig geworden", verrät Jörg Heller.

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In der Praxis bedeute das, ein Stück altes Großenhain sei in der Tiefe schon zum Vorschein gekommen. Der ursprüngliche Mutterboden etwa, der auf eine Siedlungssicht hinweise, Sandschichten aus einer längst vorangegangenen Epoche, Brandstellen, die darauf hinwiesen, was die einstigen Bewohner des dort früher befindlichen Gebäudes dort mit Feuer angestellt haben, und schließlich auch Fundamente der für die Röderstadt typischen Gewölbekeller. "Alles in allem bedeutet das freilich für uns, wenn wir jemals vorgehabt hätten, die Häuser mit Keller zu errichten und deshalb tiefer in den Boden reinzugehen, wäre an dieser Stelle jetzt sicherlich erstmal Schluss", vermutet Jörg Heller. Immerhin würden dann die Reste der einstigen Bebauung zutage kommen und damit wohl auch der eine oder andere Schatz in Form von Scherben, Utensilien oder Farbgebungen. 

Da sich die künftigen Bewohner des insgesamt nur 159 Quadratmeter großen Grundstücks zwar auf einen Fahrstuhl, jeweils eine lichtdurchflutete Loggia, Terrassen und eine Garage, aber keinen Keller freuen dürfen, muss keine Verzögerung wegen Grabungsarbeiten befürchtet werden. Zwar würden die Archäologen beim Setzen der sogenannten Streifenfundamente noch einmal anrücken. Da darüber hinaus jedoch kein großflächiger Aushub über einen Meter in die Tiefe erfolgen solle, wäre eine weitere Grabung nicht nötig. Die Grabungstechniker des Landesamtes für Archäologie würden sich damit begnügen, lediglich bei den einzelnen Baggerarbeiten anwesend zu sein. "Wir könnten somit also schnellstens beginnen, was angesichts der avisierten Bauphase von nur einem Jahr sehr erfreulich wäre", bekennt Jörg Heller. Pläne, die momentan zumindest schon mal aufzugehen scheinen.

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