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Großenhainer druckt Schutz fürs Gesicht

Verkehrsingenieur Robert Richter von der TU Dresden kann mit seiner Leidenschaft für 3-D-Drucker jetzt Gutes bewirken - und beliefert in Corona-Zeiten Ärzte.

Verkehrsingenieur Robert Richter aus Großenhain druckt mit einem 3-D-Drucker Gesichtsmasken für Ärzte, Pfleger und Therapeuten.
Verkehrsingenieur Robert Richter aus Großenhain druckt mit einem 3-D-Drucker Gesichtsmasken für Ärzte, Pfleger und Therapeuten. © Foto: privat

Großenhain/Dresden. Er hat im Moment alle Hände voll zu tun. Von morgens bis in die Nacht hinein ist Robert Richter beschäftigt. Denn der 41-Jährige erprobt das, was in Corona-Zeiten wie diesen gerade deutschlandweit Tausende Familien bewerkstelligen müssen: Homeoffice kombiniert mit Kinderbespaßung in Arbeitsteilung mit seiner Frau. Dass Robert Richter sich dabei nicht nur zwischen der Tätigkeit an der TU Dresden, einem Forschungsprojekt für das renommierte Fraunhofer Institut Dresden und eben der Betreuung seiner zwei acht- und zehnjährigen Kinder zerteilen muss, liegt in der Natur der Sache.

In diesem speziellen Fall vor allem in seiner Natur oder vielmehr in den Genen des wissbegierigen und vor allem technisch versierten Ingenieurs. So verwundert es nicht, dass Robert Richter neben der Hinwendung zur Verkehrstelematik, der funktechnischen Vernetzung von Verkehrsabläufen in größeren und kleineren Städten auch einen Faible für moderne 3-D-Druckverfahren entwickelt hat.

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"Meine Frau ist Designerin und hatte irgendwann mal das Problem, dass sie ihren potenziellen Auftraggebern ein Modell all jener Dinge an die Hand geben wollte, die sie für die jeweiligen Firmen entworfen hat", verrät Robert Richter. Modelle, die er künftig für sie anfertigen sollte. 

Von diesen hochmodernen Maschinen besitzt der Röderstädter gleich drei Stück. Deshalb ist es ihm möglich, eine größere Stückzahl an Masken zu fertigen.
Von diesen hochmodernen Maschinen besitzt der Röderstädter gleich drei Stück. Deshalb ist es ihm möglich, eine größere Stückzahl an Masken zu fertigen. © privat

Aus diesem Grund habe er sich noch intensiver mit dem 3-D-Drucken beschäftigt und schließlich im Juli vergangenen Jahres eine eigene Firma unter dem Namen 3D-Printpetrol gegründet. Während er also an der TU Dresden lehrt und sich zu Forschungszwecken auch mit druckbaren Carbonfasern beschäftigt, arbeiten seine eigenen Geräte ganz nebenbei auf Hochtouren.

Allerdings: Was jetzt aus ihnen herauskommt, schaut ganz entscheidend anders aus als noch vor ein paar Wochen. Fertigte Robert Richter bisher Prototypen für Gehäuse von elektronischen Funkkomponenten, so ist es seit ein paar Tagen all das, was es seit Covid-19 noch viel stärker braucht. "Meine Schwester und ihr Mann praktizieren im Vogtland beide als Lungenärzte. Sie berichteten mir bedrückt davon, dass sie für ihre Praxis gerade einmal zwei Atemmasken und keine Gesichtsschilde zur Verfügung gestellt bekommen haben", erzählt Robert Richter.  

Über das Coronavirus informieren wir Sie laufend aktuell in unserem Newsblog.

Eine Situation, die ihn dazu inspiriert habe, in Zusammenarbeit mit der Firma seiner Frau Petra, Pikee Design, entsprechende Gesichtsschilde herzustellen. Praktisch bedeutet das: 3D-Printpetrol drucke die flexiblen Stirnbänder aus PET Plastik - ein Material wie Mehrwegflaschen - und Pikee Design fertige die passenden Visiere beziehungsweise setze sie dann zu einem das Gesicht schützenden Schild zusammen. Ein Schutz für Ärzte, Pflegepersonal oder Therapeuten, der über dem Mundschutz aus Stoff getragen wird. Bis zu zwölf Schilde am Tag könnten mit seinen drei Druckern, so Robert Richter, hergestellt werden.

Wenn alle einzelnen Bestandteile zusammengesetzt sind, ist eine Maske entstanden, die über dem Mundschutz aus Stoff getragen werden kann.
Wenn alle einzelnen Bestandteile zusammengesetzt sind, ist eine Maske entstanden, die über dem Mundschutz aus Stoff getragen werden kann. © Foto: privat

Ein rentables Geschäft will der Wissenschaftler damit indes nicht machen. Ganz im Gegenteil! Wie er betont, ginge es lediglich darum, all jenen, die das Utensil dringend brauchen können, jetzt schnell und unkompliziert Schutz zur Verfügung zu stellen. Zum Unkostenpreis für fünf Euro biete er das gedruckte Schild Medizinern und gern auch Kliniken in der näheren Umgebung an. 

Womit sich übrigens wieder der Kreis schließt, zu all dem, was der Röderstädter sonst noch tut. Auch das Dresdner Fraunhofer Institut macht nämlich seit Wochenbeginn von sich reden, weil es jetzt Atemmasken im 3-D-Verfahren druckt. Nun, die Produktion der anderen Art - also die von Gesichtsschilden - im nicht weit entfernten Großenhain ist zumindest bereits erfolgreich angelaufen. 

Bei Interesse an den Gesichtsschilden reicht eine kurze Kontaktaufnahme telefonisch unter 0151 21600621 oder über die Webseite www.3d-printpetrol.com   

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