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Großenhainer Wohnwagen Paul und Paula heißen jetzt „P. und Laura“

Der Güstrower Elektro-Handwerksmeister Jens-Peter Eickhoff (50) will die Geschichte von „Paul & Paula“ endlich zu einem glücklichen Ende führen. Natürlich nicht die berühmte Filmgeschichte, sondern den...

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Der Güstrower Elektro-Handwerksmeister Jens-Peter Eickhoff (50) will die Geschichte von „Paul & Paula“ endlich zu einem glücklichen Ende führen. Natürlich nicht die berühmte Filmgeschichte, sondern den danach benannten Wohnanhänger „Paul & Paula“. Der wurde von der Großenhainer Fahrzeugbau GmbH in der gleichen Flugplatz-Halle wie der Sportwagen YES gebaut.

Beide waren ein Flop. Die beiden Youngster-Unternehmer Herbert Funke und Philipp Will setzten beides mit krimineller Energie in den Sand. Zurück blieben nicht nur der Traum vom Roadster für die Gutbetuchten und der Wohnwagen für Jedermann, sondern auch unzählige geprellte Mitarbeiter, Zulieferer und unzufriedene Kunden. Jetzt ermittelt der Staatsanwalt – auch wegen massiven Fördermittelbetrugs. Immerhin waren Sachsen und Thüringen bei der Förderung so großzügig, dass man sich heute in den Ministerien beider Länder gern in Schweigen hüllt. Und mancher hochrangige Politiker bereut inzwischen, irgendwann einmal bei einem Pressetermin in den schnittigen Roadster gestiegen zu sein. Das kommt heute gar nicht mehr gut an.

Name mit schlechtem Image

„Paul & Paula“ erging es nicht besser. Der als robust gespriesene Wohnwagen hielt einfach nicht, was der Hersteller versprach. Für so viel Pfusch war selbst der Billigwohnwagen zu teuer. Kunden und Vertragshändler waren jedenfalls so sauer, dass sich der neue Eigentümer der Wohnwagenproduktion erst einmal mit alten Beschwerden konfrontiert sah. Die Folge davon: Der Wohnanhänger wurde komplett neu durchgeplant, mit anderen Materialien und Zuschnitten - und der schöne Name „Paul & Paula“ wurde aufgegeben. Den weiterzuführen hätte angesichts des schlechten Images keinen Sinn gehabt, sagt Jens-Peter Eickhoff.

Der Güstrower hat dem neuen Kind – der Mann befasst sich auch mit Solaranlagen, Generatoren, Windkraftanlagen und Yachtbau – den Namen „P. und Laura“ gegeben. „P“ steht für seinen eigenen Vornamen Peter. Laura für den seiner 20-jährigen Tochter. Bleibt zu hoffen, dass diese Taufe ein glücklicheres Omen ist als die letzte.

Noch werkelt Eickhoff mit zwei Mitarbeitern in der fast leeren Flugplatzhalle. Vielleicht nicht der Ort für eine Wohnwagenmanufaktur mit dem wohlklingenden Namen „Klein.Fein.Dein“

Eickhoff könnte die Halle aus der Insolvenzmasse heraus kaufen. Ob das passiert, ist fraglich. Die Halle wurde auf 650000 Euro geschätzt.

Eickhoff hat mit dem Produkt „P. und Laura“ momentan genug zu tun. Nachdem die Caravan-Messe in Leipzig recht erfolgreich war, steht jetzt das TÜV-Genehmigungsverfahren in Flensburg an.

Wie sich herausstellte, waren „Paul & Paula“ stets nach Italien exportiert und später reimportiert worden. Das sparte wohl einiges an Papieren. Auf solche Spielchen will man sich nun nicht mehr einlassen.

Zumal das neue Fahrgestell aus Großenhain kommen soll. Die Stema Metallleichtbau GmbH will den Unterbau für den neuen Großenhainer Wohnanhänger bauen. Das wiederum ist nun ein wenig Ironie der Geschichte – im Kleinen sozusagen. Denn der Wohnwagen „Paul & Paula“ war ursprünglich ein gemeinsames Projekt des früheren Stemachefs Ekkehard Neumann und der Funke & Will AG. Was allerdings in der Praxis nicht gutging. Auch da darf man also auf eine Neuauflage gespannt sein.

Der Traum vom urigen Camping lebt jedenfalls in Großenhain weiter. Oder wie Eickhoff sagt: „Camping ist für mich Wohnen im Wagen, nicht das Wohnzimmer im Auto hinterherschleppen.“ Birgit Ulbricht