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Großenhain

Großenhainerin näht gegen Virus an

Jennifer Gießelmann fertigt seit Tagen Mundschutz und beliefert sogar Dresdner Ärzte.

Jennifer Gießelmann aus Großenhain näht bunte Mundschutztücher.
Jennifer Gießelmann aus Großenhain näht bunte Mundschutztücher. © Kristin Richter

Großenhain. Keine Frage. Sie ist eine Frau für alle Fälle. Nicht zimperlich, zupackend, kreativ und neugierig sowieso. Dass sie im normalen Leben ihre Leidenschaft fürs Fahren von großen Lastern entdeckte und den Faible beim Lampertswaldaer Laminathersteller Kronospan zum Beruf machte, wäre ohnehin schon eine Geschichte wert.

Aber für die ist es jetzt der falsche Moment. Seit Tagen findet auch in der Heimatstadt von Jennifer Gießelmann alles andere als ein normales Leben statt, und deshalb entschloss sich die 27-jährige Großenhainerin, etwas zu tun. Etwas, über das ganz unbedingt geschrieben werden sollte.

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Nicht einfach nur abwarten und zugucken, was passiert, wollte die beherzte Mama zweier Kinder nämlich. Nein, schnell helfen, wo es unbedingt notwendig ist und mit den Mitteln, die ihr zur Verfügung stehen. „Als ich mit meinem jüngsten Sohn zuhause war, habe ich angefangen zu nähen. Seitdem bin ich mit einer Gruppe Dresdner Näherinnen in Kontakt und habe dadurch mitbekommen, dass sie damit begonnen haben, Mundschutz für das Uniklinikum zu nähen“, erzählt Jennifer Gießelmann.

Ein notwendiges Utensil in dieser außergewöhnlichen Zeit, welches zwar in der Form kein Garant dafür sei, sich nicht mit dem gefürchteten Coronavirus anzustecken. Aber dazu beitragen, könne das aus bunten Stoffresten genähte 19 mal 9 Zentimeter große Teil dennoch. Nicht umsonst hätten bereits Krankenhäuser in Dresden, Essen und anderen bundesdeutschen Städten etwaige Schnittmuster und Herstellungsanleitungen herausgegeben, um die dringend benötigten Masken zu nähen. 

„Es ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung! Die Viren werden nicht einfach durch die Luft gewirbelt und man gerät auch nicht in Versuchung, sich ständig an Mund oder Nase zu fassen“, erklärt Jennifer Gießelmann. Keime hätten es damit einfach schwerer, in die Schleimhäute einzudringen.

Bedeute praktisch: kleiner Schutz, große Wirkung. Wirkung gezeigt hat die selbstlose Initiative der Großenhainerin - sie näht die Masken aus eigenem Material kostenlos - in den vergangenen Tagen allemal. 

Nachdem die voll Berufstätige sich mit ihrer Initiative an die Öffentlichkeit gewandt hatte, war nicht nur die Resonanz in den sozialen Netzwerken ausschließlich positiv. Auch Arztpraxen, Geschäfte, Supermärkte und Kindereinrichtungen hätten sich bei ihr gemeldet. „Ich selbst habe darüber hinaus das Elblandklinikum in Meißen kontaktiert und signalisiert, dass ich helfen könnte“, bekennt Jennifer Gießelmann.

All das, was Oma ihr seinerzeit fachlich beigebracht und sie seit 2017 mit der Anfertigung von Baby- und Kleinkindsachen, aber auch Handtaschen oder Portemonnaies, zum kreativen Hobby gemacht habe, zahle sich nun aus. Nahezu routiniert sitzt die Großenhainerin an ihrer Nähmaschine und näht und näht. Allein am Sonntag gut sieben Stunden und hat dabei verfeinert, was inzwischen praktikabler erscheint. Den anfänglich benutzten Gummi zum Umbinden habe sie mittlerweile durch Einfassband ersetzt. 

„Mein Mann und die Kinder dienten gewissermaßen als Versuchspersonen und so habe ich bemerkt, dass der Umgang damit einerseits leichter ist und andererseits die Anbringung einfacher“, sagt Jennifer Gießelmann. In den nächsten Wochen will sie nach der Arbeit nicht nur zuhause bei ihren Lieben sein - sondern da sein für Großenhain, ihre Stadt und all jene, die mit dem kleinen Stückchen Stoff ein wenig Hoffnung genäht bekommen. Darauf, gesund zu bleiben. 

Wer mit Jennifer Gießelmann Kontakt aufnehmen möchte bitte bei Facebook oder unter: Telefon 03522 6199610, Mails an: [email protected]

Zum Thema Coronavirus im Landkreis Meißen berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog!