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Großenhain

Großenhains Räte watschen Verwaltung ab

Zustimmung für die Förderschule: Aber der Verdruss um die neuerliche Kostenexplosion macht sich Luft.

Was sich letztlich hinter jeder Decke oder Wand verbirgt, kann keiner sagen. Großenhains OB Sven Mißbach und Bauamtsmitarbeiter Thomas Röthig in der Förderschule.
Was sich letztlich hinter jeder Decke oder Wand verbirgt, kann keiner sagen. Großenhains OB Sven Mißbach und Bauamtsmitarbeiter Thomas Röthig in der Förderschule. © Kristin Richter

Großenhain. Nein, einfach durchwinken wollte das im Mai gewählte Gremium nichts. Dazu war die Brisanz der ersten Sondersitzung in der neuen Legislatur dann wohl doch zu offensichtlich. 

Die Sanierung der Schule zur Lernförderung am Remonteplatz wird erheblich teurer, hatten die Stadtväter vor ein paar Wochen signalisiert. Und damit eingestehen müssen, was nicht zum ersten Mal passiert. Denn auch wenn nicht alle Bürgervertreter bereits mit im Boot der Entscheidung saßen, die am Dienstagabend nun im Ratssaal Platz genommen hatten. 

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Entgangen dürfte keinem der kommunalpolitisch Interessierten sein, dass mit dem einzigen Tagesordnungspunkt angeknüpft wird, woran sich schon in der Vergangenheit die Großenhainer Geister schieden. Mit satten 1,1 Millionen Euro hatte schließlich im Jahr 2016 die Umgestaltung des Zabeltitzer Palais zu Buche geschlagen. Ein finanzieller Paukenschlag, angesichts von ersten Schätzungen, die von maximal 400.000 Euro ausgingen.

Was die Räte damals noch nicht wissen konnten – zwei Jahre später sollte ein weiteres wirtschaftliches Dilemma auf alle Beteiligten zurollen. Auch der Umbau des Naturerlebnisbades würde sich als problematische Mängeltüte erweisen und eine halbe Million Euro teurer werden als erwartet.

2019 also die Schule zur Lernförderung. „Wir sind diejenigen, die von der Bevölkerung angesprochen werden, und es ist draußen niemandem mehr zu erklären, was hier eigentlich passiert“, wurde die Angelegenheit schnell verärgert auf den Punkt gebracht. Es sei absolut untragbar, dass ein erfahrener Planer solche Eventualitäten nicht vorher mit einbeziehe beziehungsweise finanziell kalkuliere. 

Dass der Stadtrat dadurch wieder vor vollendete Tatsachen gestellt werde und schon aus moralischen Gründen im Sinne der Schüler gar nicht ablehnen könne, habe einen faden Beigeschmack. 368.000 Euro mehr für die brandschutztechnische Ertüchtigung der Schule sollten es plötzlich sein. „Und das konnte wirklich keiner vorher abschätzen?“

Laut Stadtbaudirektor Tilo Hönicke (CDU) nicht. Grundlage für die aktuellen Planungen der beauftragten Büros seien die Unterlagen aus den 1990er Jahren sowie die vor Ort festgestellten baulichen Gegebenheiten gewesen. Als Bestandteil des Bauantrages – im Oktober 2018 war ein solcher im zuständigen Landratsamt Meißen eingereicht worden – wäre auch das Brandschutzkonzept enthalten gewesen. Aus verschiedensten Gründen habe sich das Prozedere innerhalb der Behörde zeitlich nach hinten verschoben und damit auch die Erstellung des Brandschutzprüfberichtes eines beauftragten Gutachters.

Monate, in denen die Großenhainer jedoch bereits ihr Leistungsverzeichnis für die zu vergebenden Gewerke erarbeitet hätten. Als dann endlich am 14. Mai die Baugenehmigung erteilt worden sei, habe sie laut aktuellem Bericht der Brandschützer weit aus mehr Auflagen enthalten als gedacht. Demnach werde etwa die fachgerechte Ausführung der Anschlüsse von Deckenbauteilen an die inneren Brandwände angezweifelt. 

Sämtliche Elektro- und Leitungstrassen aus den Fluren müssten in die angrenzenden Klassenräume umverlegt werden und eingebaute Rauchschutztüren in jenen Fluren oberhalb der abgehangenen Decken seien nicht raumabschließend verschlossen. Kurzum: Die Liste, so erschließt sich auch aus der mehrseitigen Begründung des Beschlussvorschlages, ist lang. 

Und die Gründe dafür sogar teilweise nachvollziehbar. „Als die Gebäude 1992 zur Schule umgebaut worden sind, hatten wir ganz andere Haushaltverhältnisse! Es standen nicht so viel Geld oder gar Fördermittel zur Verfügung, und es musste entschieden werden, was ist dringlicher. Also wurden die Decken einfach wieder zugemacht“, erinnert sich Tilo Hönicke.

Thematisch zumachen werden die Räte ihr Mitwirkungsrecht indes nun sicherlich nicht so schnell. Auch wenn sie angesichts der baulichen Notwendigkeiten und aufgrund der Tatsache, dass die Schule dringend weitere Räume benötigt, die Gelder letztlich bewilligten. „Es muss jetzt ein Modus gefunden werden, damit wir nicht wieder in solch eine Situation geraten!“

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