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Großer Abschied für den „Börsenschmidt“

Coswig stand am Mittwochabend ganz im Zeichen des Wehmuts. Die letzten Personalien, die mit Verabschiedungen zu tun hatten, waren eher für Negativschlagzeilen geeignet. Am Mittwoch wurde jedoch einer...

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Coswig stand am Mittwochabend ganz im Zeichen des Wehmuts. Die letzten Personalien, die mit Verabschiedungen zu tun hatten, waren eher für Negativschlagzeilen geeignet. Am Mittwoch wurde jedoch einer verabschiedet, den man lieber behalten hätte – Coswigs langjähriger Leiter der Börse Rene Schmidt, von allen nur der „Börsenschmidt“ genannt. Und so sagte es auch Sachsens neuer Landtagspräsident Matthias Rößler: „Die Coswiger Börse, das ist Rene Schmidt“. Rößler kennt das Haus und sein Programm seit vielen Jahren. Er ist hier oft Gast, nicht nur zu offiziellen Anlässen.

Die Laudatio auf den Scheidenden hielt Coswigs Oberbürgermeister a. D. Michael Reichenbach. „Ich hätte keinen Besseren finden können“, sagte der amtierende OB Frank Neupold vor der Veranstaltung.

Bunte Westen als Zeichen

Das Verhältnis Reichenbach – Schmidt war ganz entscheidend in den 17 Jahren von Schmidts Regentschaft. Vor allem dann, wenn das Fahrwasser unruhig wurde. „Der Alte hat mir immer den Rücken gestärkt“, sagte Schmidt unlängst. Besonders, wenn der Chor der Kritiker zahlreicher war als die Schar der Besucher bei Veranstaltungen in der Börse.

Reichenbach erinnerte dann in seiner Rede an die Anfänge, als ein damals 30-jähriger Tenor nach Coswig kam und sich hier als Kulturamtsleiter bewarb. Das habe gepasst, denn die Stadt war gerade dabei, einen heruntergekommenen alten Tanzsaal zu renovieren und als Kulturhaus neu aufzubauen, besonders in der Wahrnehmung der Menschen. Reichenbach erinnerte an Schmidts legendäre karierte Westen, die er in der Anfangszeit trug. Und seinen unnachahmlichen Schwung, wenn der den Gästen vor Beginn einer Veranstaltung das zu Erwartende mit intellektueller Brillanz vorstellte.

Schmidt bleibt sich treu

Vor allem Schmidts Aktivitäten um die Villa Teresa habe es Coswig zu verdanken, dass sich die kleine Stadt ohne nennenswerte Geschichte einen Platz in den Gefilden der Hochkultur erobert und behauptet hat. Gerade Schmidt sei es gewesen, der die Ideale des Bildungsbürgertums mit seiner Arbeit wieder aufleben lassen und sie gepflegt hat. Schmidt blieb sich bis zum letzten Moment treu und erzählte von einem E-Mail-Verkehr mit seiner Tochter einen Tag zuvor. Ihr habe er geschrieben, dass alle wahrscheinlich nur kommen, um sich davon zu überzeugen, dass er auch wirklich geht. Mit dem aufbrandendem Gelächter hatte Schmidt die weihevolle Stimmung aufgebrochen.

Wunsch nach Veränderung

Vor drei, vier Jahren habe er den Wunsch gespürt, sich noch einmal zu verändern. Mit dem in Coswig Geschaffenen sei es so schön, dass es eigentlich nicht besser gehe. Aber er wolle es nicht nur verwalten. Mit der Berufung als Landesbediensteter an das prestigeträchtige Goethe-Theater in Bad Lauchstädt gehe ein Kindheitstraum für ihn Erfüllung.Torsten Oelsner