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Rückschlag für Beiersdorfer Feuerwehr

Gemeinsam mit Nachbarwehren stellten die Kameraden eine besondere Einsatztruppe. Sie halfen bei Großbränden. Das würden sie gern weitermachen, dürfen aber nicht. 

Wehrleiter Hagen Kettmann (links) und sein Sohn und Stellvertreter Holger mit dem Einsatzleitfahrzeug, das die Wehr jetzt abgeben muss.
Wehrleiter Hagen Kettmann (links) und sein Sohn und Stellvertreter Holger mit dem Einsatzleitfahrzeug, das die Wehr jetzt abgeben muss. © Matthias Weber

Für's Foto fährt der Beiersdorfer Wehrleiter Hagen Kettmann das Feuerwehrauto aus dem Beiersdorfer Depot. Es könnte das letzte Mal sein, dass er sich ans Steuer des Wagens setzt. Von hier aus wird das Einsatz-Auto in Zukunft nicht mehr zu Großeinsätzen starten. Es gehört dem Landkreis und wird zum Monatsende eingezogen. Und das ärgert den Wehrleiter der Oberlandgemeinde mächtig. Es sei unhaltbar, wie der Landkreis mit Ehrenamtlichen umgehe, schimpft er.  

Um Kettmanns Ärgernis zu erläutern, bedarf es einiger grundsätzlicher Erklärungen: Per Vertrag hatte die Beiersdorfer Feuerwehr das betreffende Fahrzeug vom Landkreis überlassen bekommen. Das Auto ist das Einsatzleitfahrzeug einer sogenannten Führungsgruppe. Davon gibt es fünf im Landkreis: sie sind stationiert in Weißwasser, Reichenbach, Olbersdorf und bei der Berufsfeuerwehr Görlitz sowie bisher in Beiersdorf. 

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Die Gruppe besteht aus Führungskräften von Feuerwehren aus der Umgebung der jeweiligen Standorte, erklärt der Beiersdorfer Wehrleiter Hagen Kettmann. Für die Beiersdorfer Gruppe waren das neben Beiersdorf selbst Kameraden aus Obercunnersdorf, Lauba, Lawalde und Friedersdorf. Ihre Aufgabe ist es, bei Großeinsätzen den Einsatzleiter zu unterstützen. Denn bei Großereignissen sind viele Arbeiten im Hintergrund zu erledigen und zu koordinieren. So ist zum Beispiel bei einem längeren Einsatz Verpflegung zu beschaffen, es muss geklärt werden, woher genügend Wasser bezogen werden kann, Treibstoff für die Pumpen muss besorgt werden und vieles mehr. "Dazu hat der Einsatzleiter vor Ort keine Zeit, darum kümmern wir uns", erklärt Hagen Kettmann die Arbeit der Führungsgruppe bei einem Einsatz. 

Beim Brand des Kretschams in Oberfriedersdorf oder dem Großfeuer bei Auto Glas in Görlitz vor einigen Monaten hat die Führungsgruppe zum Beispiel mitgearbeitet. Geht ein Alarm ein, treffen sich die Mitglieder der Führungsgruppe bislang am Beiersdorfer Depot und starten von dort mit dem Einsatzleitfahrzeug. Bis jetzt. Künftig soll die Einsatzgruppe von Walddorf aus starten. Der Landkreis will das Fahrzeug dorthin versetzen. Zum Monatsende hat der Kreis die Vereinbarung dazu mit der Gemeinde Beiersdorf gekündigt, bestätigt das Amt für Brand- und Katastrophenschutz beim Landkreis. 

Der Landkreis begründet seine Entscheidung gegenüber der SZ nicht näher. "Der Landkreis Görlitz hat sich in seiner langfristigen Dislozierungsplanung für den Standort Kottmar entschieden", so die Erklärung im Behördendeutsch. Das soll wohl heißen: man hat die räumliche Verteilung der Standorte im Landkreis überprüft und Walddorf als geeigneter empfunden. Dort ist erst vor Kurzem ein neues Feuerwehrdepot gebaut worden mit zwei Stellplätzen für Autos. 

Nun ist es nicht so, dass deshalb die Führungsgruppe komplett aufgelöst wird und die Aufgaben nicht mehr erledigt werden. "Es handelt sich lediglich um eine Änderung des Standortes für das Fahrzeug", teilt der Landkreis mit. Dem widerspricht Hagen Kettmann. Denn: die Wehren, die bislang in der Führungsgruppe mitgearbeitet haben, wollen künftig nicht mehr mitmachen. "Weil wir mit dem Standortwechsel nicht einverstanden sind", begründet der Beiersdorfer das. Vonseiten des Kreises sei immer versichert worden, dass an den bestehenden Strukturen nichts geändert wird. Auch in persönlichen Gesprächen sei ihm das immer wieder bestätigt worden. "Und nun macht man es eben doch." Laut Kettmann müssten sich nun also erst wieder Kameraden verschiedener Wehren finden, die in der Führungsgruppe am neuen Standort mitmachen. Die Führungsgruppe besteht also weiterhin formal, nur eben derzeit ohne Personal. Bis sich eine neue Gruppe gefunden und eingespielt hat - das kann dauern, sagt Hagen Kettmann aus seiner Erfahrung. Schließlich sei auch eine entsprechende Ausbildung notwendig. 

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Für Hagen Kettmann ist das alles weder einleuchtend noch nachvollziehbar. "Wir haben hier gut funktionierende Strukturen, die der Bevölkerung helfen." Die Führungsgruppe habe sich regelmäßig in Beiersdorf getroffen und auch Ausbildungen absolviert. Alles sei gut eingespielt gewesen. Er sieht hier das Ehrenamt mit Füßen getreten. Immerhin erledigen die Mitglieder die Arbeit in der Führungsgruppe zusätzlich zu ihren eigentlichen Aufgaben in ihrer Heimat-Feuerwehr und hätten sich für diese Zusatzaufgabe sehr engagiert. "Wie soll man die Leute für die Feuerwehr begeistern und bei der Stange halten, wenn es dann solche unerklärlichen Aktionen gibt?", fragt er. Deswegen hat der Beiersdorfer Wehrleiter gegen die Entscheidung des Landkreises Widerspruch eingelegt. Der blieb ohne Erfolg. Der Landkreis hält an seinen Plänen fest: zum 31. August wird das Einsatzleitfahrzeug in Beiersdorf abgeholt. 

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