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Großer Ärger um kleinen Kiosk

. Beim Streit zwischen Pächter, Eigentümer und der Stadt Meißen kam viel Ungereimtes ans Licht.

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Von Dieter hanke

Sylvia Wottrich und ihr Lebensgefährte Volker Klatte sind außer sich. „Unsere Existenz steht vor dem Ruin “, sagt die 52-jährige Köchin. Seit Anfang Dezember 2011 hat ihr Imbiss „Zur Einkehr“ am Campingplatz Rehbocktal an der B6 zu. Eine Zwangsschließung. Den Wirtsleuten wurde das Wasser abgedreht – vom neuen Eigentümer des Campingplatzes. Trinkwasser- und Abwasserleitungen für den Imbiss kommen von seinem Grundstück. „Wir haben dadurch schon enorme Verluste“, sagt Sylvia Wottrich, die seit Ostern 2010 die kleine Gaststätte vom früheren Campingplatz-Besitzer gepachtet hat. Da seien nicht nur die entgangenen Einnahmen durch fehlende Gäste, sondern auch Verluste durch verdorbenes Fleisch, Eintöpfe und Molkereiprodukte. „Wir haben jetzt einen Meißner Rechtsanwalt eingeschaltet. Die Frau hat den Weg zur Arbeitsagentur angetreten. Die 52-Jährige kommt aus dem Fach, war von 2005 bis 2010 Geschäftsführerin der Gaststätte „Neustadt life“ im Bahnhof DresdenNeustadt. „Ich wollte aber schon immer mal ein kleineres Objekt leiten und mich als Köchin einbringen. Da kam mir der Imbiss gerade recht“, sagt sie. Kraftfahrern und Campern bereitete sie hier Hausmannskost zu.

Doch jetzt ist ihr kleines Reich gefährdet. Doch nicht nur das. Diese Sache hat große Ungereimtheiten und Versäumnisse sichtbar gemacht. „Ich habe das Wasser abgestellt, weil es so nicht mehr geht“, rechtfertigt sich der neue Campingplatz-Eigentümer Bodo Kaiser, der einen Bratwurst-Stand am Meißner Heinrichsplatz hat. „Denn diese Verantwortung trage ich nicht. Ich kann nicht Trinkwasser als Lebensmittel verkaufen. Das ist Sache eines öffentlichen Versorgers“, sagt der 53-Jährige. Außerdem sei die Kläranlage zu klein.

Ein anderes Flurstück

„Ich muss eine neue, eine biologische errichten. Das kostet viel Geld“, sagt er. Und er ist erbost, dass hier jahrelang geschlampt wurde. Bei einer Untersuchung seiner Kläranlage wurde jede Menge Fett darin entdeckt. „Das kommt vom Imbiss, es fehlt ein Fettabscheider“, sagt er. Deshalb solle diese Einrichtung jetzt eigene separate Lösungen für Trink- und Abwasser schaffen. Das habe er auch den Imbissbetreibern gesagt.

Denn als Kaiser im Herbst 2011 das Grundstück mit Wohnhaus und Campingplatz kaufte, war vom Kiosk keine Rede. „Das ist ein anderes Flurstück. Im Grundbuch gab es keinen Vermerk, dass ich für Trink- und Abwasser im Imbiss zuständig bin“, sagt er. Ihm gehe es um klare Rechtsverhältnisse und Zuständigkeiten. Diese waren aber offenbar in der Vergangenheit nicht gegeben. Jetzt kam auch ans Licht, dass das Grundstück, wo sich Parkplatz an der B 6, Kiosk und Schuppen – angrenzend an den Campingplatz – befinden, der Stadt Meißen gehört. „Das habe ich nicht gewusst“, sagt der frühere Eigentümer des Campingplatzes Dietmar Sieber. „Campingplatz und Kiosk gehören seit jeher zusammen“, bemerkt er. 2002, als das Elbehochwasser auch den Kiosk zerstörte, setzte er auf das Fundament zwei Baracken, die fortan als Gaststätte dienten. „Bei mir hat sich keiner wegen dieses Grundstücks gemeldet“, sagt er. Er konnte dort schalten und walten, wie er wollte. Jetzt kam auch heraus, dass auf diesem Flurstück – etwa 1400 Quadratmeter groß – keine Baugenehmigung für den Kiosk existiert. Schwarzbau sagen manche dazu. Für 290000Mark hatte Siebert Mitte der 90er Jahre das Campingplatz-Grundstück samt Bauten von der damaligen Gemeinde Scharfenberg erworben. „Der Kiosk gehörte mit dazu“, sagt er.

Die Gemeinde Klipphausen war jetzt ebenso verblüfft, als sie bei all dem Streit erfuhr, dass die Stadt Meißen schon seit 2000 Eigentümer des Imbiss-Grundstücks ist. Die Oberfinanzdirektion Chemnitz hatte dieses laut Vermögenszuordnungsgesetz der Domstadt zugeteilt. „Da haben wir 2002 hier den Parkplatz und anderes gebaut. Aber Meißen hat uns nicht informiert, das die Stadt Eigentümer ist“, bemerkt Klipphausens Bürgermeister Gerold Mann.

Imbiss-Wirtin Sylvia Wottrich geht per Rechtsanwalt gegen den früheren und den jetzigen Campingplatzbetreiber vor. Klipphausen fühlt sich jetzt nicht verantwortlich für Trink- und Abwasser im Kiosk-Grundstück. Meißen hüllt sich in Schweigen.