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Großer Bahnhof für Meißen

Seit dem Wochenende hält die S-Bahn direkt in der Altstadt. Doch der Haltepunkt ist schwer zu finden.

© hübschmann

Von Bernhard Teichfischer

Verspätet kommt sie, aber sie kommt. Die Bahn hat am Wochenende den neuen Haltepunkt Meißen-Altstadt in Betrieb genommen. Nach den ursprünglichen Plänen sollte der Bahnhof bereits vor fünf Jahren fertig sein.

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Über einhundert Meißner, viele Stadträte und Politiker sind am Sonnabend zum Neumarkt geströmt, um die Plattform einzuweihen. Minister, Staatssekretär, wichtige Köpfe von Bahn und Verkehrsverbund Oberelbe und natürlich die lokale Politik werden in einem eigens reservierten Waggon zum neuen Haltepunkt chauffiert.

Einen „historischen Moment“ nennt Oberbürgermeister Olaf Raschke die Einweihung, als er kurz nach dem obligatorischen Scherenschnitt auf die kleine Bühne in den Neumarkt-Arkaden tritt. Auch einige entschuldigende Worte fallen, schließlich hatten die Meißner und ihre Gäste ein gutes Jahr stundenlange Ersatzverkehr-Fahrten, Ausfälle und Verspätungen in Kauf nehmen müssen. Doch damit ist nun endgültig Schluss. „Markt und Porzellanmanufaktur sind von diesem Halt in nur fünf Minuten zu erreichen“, preist Raschke die Vorteile der Haltestelle Altstadt.

Schon in den nächsten Wochen werde sich der positive Effekt offenbaren, sagt der FDP-Bundestagsabgeordnete Jan Mücke bei seiner letzten Amtshandlung. Der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium setzt auf die verbesserte Erreichbarkeit der vielen Einzelhändler in der Altstadt. Dabei werden es wohl eher die Neumarkt-Arkaden sein, denen der größte wirtschaftliche Nutzen dieser Anbindung zufällt. „Auch der Besitzer der Arkaden hat heute guten Grund zur Freude“, bekräftigt der Oberbürgermeister diese Vermutung.

Der Bau der Strecke zwischen Triebischtal und Bahnhof war schwierig. Zuerst erschwerte ein langwieriger und frostreicher Winter die Arbeiten, dann warf die Flut im Juni den Bauprozess um viele Wochen zurück. Der Bund blätterte knapp 100 Millionen Euro für den Ausbau der Elbtalstrecke Dresden-Meißen hin, und auch der Freistaat greift hier tief in die Tasche. 66 Millionen Euro kommen von sächsischer Seite, um „die Ballungsräume besser zu vernetzen“, so Verkehrsminister Sven Morlok. „Für das Meißner Umland erschließt sich nun ein neuer Umstiegsplatz“, sagt der Minister weiter und meint damit die Verbindung von Parkplätzen auf dem Einkaufszentrum und dem Haltepunkt dahinter. Nur sind diese Stellplätze auf dem Dach der Arkaden leider kostenpflichtig, was dem klassischen Park-and-Ride-Prinzip nicht gerecht wird.

Als sich die Gäste aus Politik und Wirtschaft am Buffet laben, rückt ein weiterer Makel ins Sichtfeld. Die neue Haltestelle sei für den Tourismus ein gewaltiger Sprung nach vorn, hatte Oberbürgermeister Raschke bei seiner Ansprache noch gesagt. Allerdings ist die Plattform so gut zwischen Einkaufszentrum und Felswand versteckt, dass der Reisende sie erst erblickt, wenn er die Arkaden bereits durchquert hat. Ungläubig sucht der Pressesprecher des Verkehrsverbundes Oberelbe an der Neugasse nach einem Zeichen, das den ortsunkundigen Touristen auf die Existenz der nahen Anbindung an den Regionalverkehr hinweist, jedoch vergebens. „Das wird natürlich schnellstmöglich behoben“, verspricht Christian Schlemper.

Nichtsdestotrotz ist der neue Halt schon an diesem ersten Betriebstag so gut frequentiert, dass man meinen könnte, es hätte ihn im Bewusstsein der Meißner schon immer gegeben. Und vielleicht ist dem auch so, schließlich entbrannten bereits in den 1990er-Jahren die ersten Debatten um diese dritte S-Bahn-Station in der Domstadt. Die ersten Besucher sind jedenfalls begeistert. „Ich finde das prima und sehr förderlich für unsere Stadt“, sagt Stadträtin Dorothee Finzel. Besondere Erleichterung wird wohl bei den bis zu 8 000 Pendlern aufkommen, die die Strecke täglich nutzen. Denen will der Verkehrsverbund bis 2016 noch ein weiteres Geschenk machen, die Verdichtung des Taktes auf 15 Minuten. „Das ist dann wie die Straßenbahnlinie, welche wir bis 1936 noch hatten, und unsere Stadt ist endlich voll und ganz an den Großraum Dresden angebunden“, freut sich Olaf Raschke.