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Großer Kostümball für die Kleinen

Der Kretschamverein hat Großes vor: Verlassene Orte zu beleben. Das klappt – aber nicht immer.

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© SZ Thomas Eichler

Von Thomas Christmann

Die Rollen sind klar verteilt. Der einjährige Fritz übernimmt die Dekoration, die neun Monate alte Aurelia und die dreijährige Katharina wischen den Saal, der sechsjährige Ruben bekocht die Gäste, und der achtjährige Noah hat die gesamte Organisation in der Hand. Die Kinder bereiten das Fest im Kretscham Oderwitz vor, für die Kinder. „Solange sie Lust haben“, sagt Anjana Engel mit einem Augenzwinkern.

Sie ist die Vorsitzende des Kretschamvereines. Natürlich sind die Eltern der Mädchen und Jungen und andere Mitglieder die eigentlichen Macher des morgigen Kostümballs. Selbst gemalte Bilder mit Tier- und Kindermotiven, Luftschlangen und 500 Luftballons schmücken den Saal. Eine Hüpfburg steht bereit. Von der Bühne geht eine Rutsche ab. Der Zuckermann und Frosch vom Wetterkabinett schauen vorbei. Ein DJ macht Musik. Dazu sind Spiele geplant, wie Sackhüpfen und Stuhltanz. Für die Kleinen gibt’s Hotdogs und Zuckerwatte, die Großen werden mit Kaffee und Kuchen beköstigt. Bäcker und Fleischer spenden dafür anteilig Pfannkuchen und Würstchen. Und das beste Kostüm wird prämiert. Der Grund für den Ball: Die Ortsausstellung im September vorigen Jahres hat nicht nur 2 000 Erwachsene angezogen, sondern auch Hunderte Kinder – viele sahen den Kretscham zum ersten Mal von innen. Es sei überraschend gewesen, welche Begeisterung der Saal bei den Jüngsten auslöste, sagt Anjana Engel. „Das Haus war für sie immer eine leere Hülle.“ Allerdings habe die Ausstellung auch alle Mitwirkenden ans Limit gebracht. Ob Einlass, Bar oder Führungen – zu den Öffnungszeiten mussten immer mehrere Vereinsleute vor Ort sein. „Das glich einer Gastronomie“, sagt sie. Hinzu kam der Auf- und Abbau, abgesehen von einem Badfest und der schon traditionellen Cocktailparty.

Die ist auch dieses Jahr wieder, am 23.  August. Allerdings muss eine andere Veranstaltung ausfallen. Eigentlich haben die 21 Mitglieder am 6. Juni ein Entenrennen geplant. Das Projekt läuft über das Zukunftsbündnis Oberlausitz, das Geld kommt von der Robert-Koch-Stiftung. Die Idee dahinter: Verlassene Orte wieder zu beleben. Konkret sollte das Landwasser in den Mittelpunkt gerückt und gezeigt werden, wie die Menschen des Ortes den Bach über die verschiedenen Jahrhunderte nutzten. Am Bachlauf entlang hätten Fototafeln gestanden, Bierwagen mit Musik die Leute bei Laune gehalten und Kinder vom Ober- ins Niederdorf ein Entenrennen veranstaltet. Das Ziel für alle: Eine Feier im Kretscham. Doch der Verein hat momentan ein Personalproblem. „Der Storch schlägt bitterböse zu“, sagt Anjana Engel und grinst. Drei Vereinsmitglieder sind schwanger, drei weitere werden also Vater, drei bauen ein Haus und drei ziehen da mit ein – somit fallen zwölf aus. Das Projekt soll nun 2015 umgesetzt werden, das Geld in die diesjährige Cocktailparty fließen.

Zudem haben die Vereinsmitglieder dieses Jahr noch Arbeiten am Haus geplant, finanziert aus den Einnahmen der Veranstaltungen. Der Fußboden muss ausgetauscht werden, die Fenster sind undicht und teilweise kaputt, der Putz bröckelt von der Wand. „Wir machen das so weit schön, wie Geld da ist“, sagt Anjana Engel. Bis jetzt haben die Mitglieder seit 2006 einen höheren fünfstelligen Betrag in den Kretscham gesteckt, reine Materialkosten. Vieles machen sie selbst. Doch die wesentlichen Posten sind Dach und Fassade. „Für das große Ganze reicht es nicht“, sagt sie.