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Großer Wirbel um eine kleine Bahn

Die Schulleiterin in Gebelzig würde gerne eine angestaubte Eisenbahnplatte verkaufen. Doch der Gemeinderat ist dagegen.

Von Alexander Kempf

Hans-Peter Soldan ist geschockt, als er von der Anfrage erfährt. Die Leiterin der Grundschule in Gebelzig, Bärbel Kühn, denkt darüber nach, die Eisenbahnplatte der Schule zu verkaufen. „Nö“, sagt Hans-Peter Soldan. Die Modelleisenbahn dürfe nicht verkauft werden. Stattdessen solle sich die Schulleiterin dafür stark machen, dass die auch genutzt werde. „Als wir Kinder waren“, sagt der Gemeinderat, „war eine Modelleisenbahn das Größte.“

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Doch damals ist nicht heute. Und die vor nicht einmal zehn Jahren von der Gemeinde angeschaffte Modelleisenbahn wird von den Kindern praktisch nicht genutzt. Seit Jahren setzt sie Staub an. Warum also nicht verkaufen? Zumal sich die Schule bei ihren Ganztagsangeboten stärker auf Dinge konzentrieren will, die näher am Unterricht sind. Musik zum Beispiel oder Tanz, erklärt Gemeinderat Denis Riese, der Vorsitzende des Schulfördervereins.

„Es gibt Jungs, die wollen nicht tanzen und machen keine Musik, aber sie wollen mit der Eisenbahn spielen“, erklärt Hans-Peter Soldan und wirbt für den Verbleib der Modelleisenbahn. Viele Gemeinderäte stimmen ihm zu. Zwar wird auch angemerkt, dass Kinder heute eben eher auf Spielkonsolen abfahren. Aber Bürgermeister Hans Hermann Zschieschank ist aber überzeugt, dass die Kinder einfach an die elektrische Eisenbahn „herangeführt“ werden müssten.

Doch den Gemeinderäten geht es nicht nur ums Prinzip, sondern auch ums Geld. Etwa 2 000 Euro betrage der Wert der Anlage, schätzt Bürgermeister Hans Hermann Zschieschank spontan. Er könne sich durchaus vorstellen, im Amtsblatt nach Interessenten für die Anlage zu fragen. Aber vorschnell verscherbeln will die Platte keiner im Gemeinderat.

Unklar ist zunächst auch, ob die Eisenbahn mit Hilfe von Fördermitteln gekauft wurde. Darum habe die Schulleiterin auch den Gemeinderat in der Sache angefragt, erklärt Denis Riese vom Schulförderverein. Mit dem Erlös der Eisenbahnplatte wolle Bärbel Kühn übrigens einen Schülerpreis stiften. Dort sollen am 11. Juli Kinder im Stile von „Wer wird Millionär“ um ein Preisgeld spielen. „150 Euro werden benötigt“, sagt Denis Riese.

„Dafür will sie es wohl verkaufen?“, fragt Bürgermeister Hans Hermann Zschieschank nicht ohne Groll in der Stimme. Das könne die Schulleiterin vergessen. Die Bahn bleibe im Besitz der Gemeinde.