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Großes Geheimnis Film

In Oderwitz entstehen Szenen für den neuen Donnersmarck-Film „Werk ohne Autor“. Fast wäre der Dreh geplatzt.

Von Jan Lange
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© Rafael Sampedro

Das Gesicht kenne ich doch, denkt sich Sieglinde Döring. Dutzende Male im Fernsehen gesehen, und doch will ihr der Name nicht einfallen. Ganz unverblümt spricht die Oderwitzerin den Mann an: „Sie sind doch Schauspieler?“ Gut hundert Meter von Familie Dörings Haus entfernt, sind gerade Filmleute zugange. Sie bauen das Set für den Film „Werk ohne Autor“ auf. Regie führt Oscar-Preisträger Florian Henckel von Donnersmarck.

Einige Szenen werden auch in Oderwitz gedreht.
Einige Szenen werden auch in Oderwitz gedreht. © Rafael Sampedro
Vor dem Drehstart stellte der Regisseur seine Hauptdarsteller Sebastian Koch, Paula Beer und Tom Schilling (von links nach rechts) vor.
Vor dem Drehstart stellte der Regisseur seine Hauptdarsteller Sebastian Koch, Paula Beer und Tom Schilling (von links nach rechts) vor. © PR

Drehstart war am 21. Juni in Berlin, nun ist die Truppe in Oderwitz. In einer kleinen Nebenstraße, die den schönen Namen „Handwerk“ trägt, hat sich das Filmteam ein Umgebindehaus ausgeguckt. Im „Handwerk“ und in der benachbarten „Bergstraße“ geht es sowieso schon eng zu, nun ist alles noch schmaler, denn ein Fahrzeug reiht sich an das andere. Eine angrenzende größere Wiese wurde von der Filmproduktion komplett in Beschlag genommen. Hier stehen unter anderem mehrere Lkw, vollgepackt mit Technik, Garderoben- und Maskenwagen, ein Catering-Fahrzeug und ein riesiges Zelt.

Fast hätte es mit dem Oderwitzer Drehort nicht geklappt. Der Eigentümer, der bis vor einigen Jahren selbst in dem Haus gewohnt hat, nun aber zu seinen Kindern nach Westdeutschland gezogen ist, wollte schon zurückziehen und das Umgebindehaus nicht für die Dreharbeiten zur Verfügung stellen. Die Gemeindeverwaltung und auch andere Oderwitzer konnten ihn letztlich aber doch umstimmen. „Wir haben sicherheitshalber auch ein anderes Haus gesucht“, erzählt die Bürgermeisterin Adelheid Engel (parteilos).

Die „Ersatzkarte“ musste zum Glück nicht gezogen werden. Die Gemeindechefin ist froh, dass in Oderwitz gedreht wird. Mit Donnersmarck konnte sie am Mittwoch kurz sprechen. „Als ich vom Dienst zurückkam, bin ich mal hingegangen und habe ihn begrüßt“, sagt Frau Engel. Bis zum Sonntag wird das Filmteam voraussichtlich noch in Oderwitz drehen. Dann geht es weiter nach Zittau, wo nach SZ-Informationen zwei Drehtage geplant sind, und Görlitz, wo unter anderem Mitte Juli Straßenszenen mit Hunderten Komparsen, darunter zahlreichen Kindern geplant sind.

Auch in Oderwitz werden Statisten gebraucht. Ein Gruppe nähert sich dem Umgebindehaus. Sie sind als Soldaten gekleidet. In der Bergstraße werden sie von Mitarbeitern der Kostümabteilung geprüft. Stimmt die Montur? Passt alles in die Zeit? Am Umgebindehaus selbst musste vor dem Dreh noch einiges so hergerichtet werden, dass es den 1930er und 1940er Jahren entspricht. Die Dachschindeln wurden auf alt getrimmt, die modernen Rollladen entfernt und aus den normalen Fenstern Kastenfenster gemacht.

Auch im Inneren hat sich viel verändert, erzählen Anwohner. „Wenn man näher gefragt hat, durften die Handwerker allerdings nichts verraten“, sagt eine Nachbarin. Auch sonst macht die Produktionsfirma ein großes Geheimnis um die Dreharbeiten. Aufgrund des engen Drehplans könne es leider keinen Pressetermin am Drehort geben, teilt Marten Schumacher von der betreuenden Agentur mit. Über die Meldung zum Drehbeginn hinaus wolle man auch keine weitere Informationen herausgeben.

Die Besetzung ist namhaft, das ist zumindest bekannt. Die Hauptdarsteller sind Tom Schilling, Paula Beer und Saskia Rosendahl. Alle drei haben schon Dreherfahrungen in der Region: Tom Schilling drehte 2008 in Zittau die Hitler-Farce „Mein Kampf“, Paula Beer stand 2015 in Görlitz für „Frantz“ vor der Kamera und Saskia Rosendahl spielte 2011 die Hauptrolle in dem Kriegsdrama „Lore“, ebenfalls in Görlitz gedreht. Schilling spielt in dem neuen Donnersmarck-Film den Künstler Kurt Barnert, dem auch nach der Flucht in die Bundesrepublik seine Kindheits- und Jugenderlebnisse aus der Nazi- und DDR-Zeit keine Ruhe lassen. Als er in der Studentin Ellie die Liebe seines Lebens trifft, gelingt es ihm, Bilder zu schaffen, die nicht nur sein eigenes Schicksal widerspiegeln, sondern die Traumata einer ganzen Generation.

Neben den Hauptakteuren stehen viele weitere bekannte deutsche Schauspieler auf der Besetzungsliste: Sebastian Koch, Ina Weisse, Hans-Uwe Bauer, Ben Becker, Lars Eidinger, Johanna Gastdorf, Jeanette Hain, Hanno Koffler und Hinnerk Schönemann. Wer von ihnen in Oderwitz dabei ist, ist nicht bekannt.

Sieglinde Döring weiß inzwischen den Namen des Schauspielers: Jörg Schüttauf. Immer wieder hatte sie sich den „Tatort“ aus Frankfurt/Main mit ihm in der Hauptrolle angesehen. Und nun läuft er während einer Drehpause direkt vor ihrem Haus herum. Die Rentnerin ist begeistert.