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Großes Interesse am Grillenburger Jagdschloss

Mehr als 20 Kandidaten reizt der Kauf des Areals im Tharandter Wald. Die Stadt will vermeiden, dass Neonazis das Anwesen erwerben.

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© Karl-Ludwig Oberthür

Von Stephan Klingbeil

Tharandt. In Grillenburg wird ein neuer Schlossherr gesucht. Das idyllische Insel-Areal mit Jagdschloss und Neuem Jägerhaus steht zum Verkauf. Der Freistaat und die Stadt Tharandt hatten im vorigen Jahr eine gemeinsame Vermarktungsinitiative gestartet. Nun gibt es die ersten Anfragen für das Gebäude-Ensemble im Tharandter Wald.

„Es haben sich bereits einige nationale und internationale Interessenten gemeldet“, so Tobias Lorenz, Sprecher des Staatsbetriebs Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB), der das Verkaufsverfahren für den Freistaat federführend betreut. Mehr als 20 Interessenbekundungen liegen vor. Ob es auch so viele konkrete Gebote geben wird, lasse sich derzeit nicht sagen.

Konkrete Angaben zu möglichen Käufern könne das SIB zum jetzigen Zeitpunkt nicht machen. Denn noch immer können sich Kaufinteressenten melden. Geplant ist, dass das SIB erst im Spätsommer „mit geeigneten Bewerbern“ Sondierungsgespräche führen wird. Danach sollen die Verkaufsverhandlungen beginnen.

Ursprünglich lief die Frist für Angebote von Interessenten Ende Juni aus. „Um einen möglichst breiten Kreis an Interessenten und damit auch eine große Anzahl an interessanten Projektideen zur Auswahl zur haben, hat sich der Freistaat entschieden, das Interessenbekundungsverfahren zu verlängern“, heißt es weiter vom SIB.

Der Freistaat besitzt das lange als forstwissenschaftliche Einrichtung der TU Dresden genutzte Schloss samt Nebengebäude. Der Stadt Tharandt gehört das Neue Jägerhaus, die dazugehörige Kegelbahn, das Hundezwingerhaus und das Gärtnerhaus.

Verkauf an Neonazis vermeiden

Das inzwischen leer stehende Neue Jägerhaus ist auch als Mutschmann-Villa bekannt. Der ehemalige sächsische Nazi-Gauleiter Martin Mutschmann hatte das Jägerhaus in den 1930er-Jahren hinter dem Schloss als staatliches Gästehaus errichten lassen. Es wurde dann ein Treffpunkt für jagdbegeisterte Nazi-Größen wie zum Beispiel Reichsmarschall Hermann Göring. In der DDR-Zeit wurde das Jägerhaus als Kurheim genutzt, eine sowjetischen Delegation mit Staatschef Leonid Breschnew war dort 1968 zu Gast, vier Jahre später übernachtete Kubas langjähriger Präsident Fidel Castro dort bei einem DDR-Besuch.

Bis 1993 wurde das Gebäude als Pension Jägerhof von der damaligen Gemeinde Kurort Hartha genutzt. Nachdem es dann in den Besitz des Freistaats kam, wurde es privatisiert. 2006 kaufte es die Stadt Tharandt. Die Forststadt nutzte damals ihr Vorkaufsrecht, zahlte fast 300 000 Euro. Damit wollte die Stadt verhindern, dass Neonazis die Immobilie vereinnahmen. Nach dem Kauf war das Neue Jägerhaus von 2006 bis 2010 an die Stiftung Musik Kunst Natur aus Bannewitz über einen Erbbaupachtvertrag vergeben worden. Die Stiftung schaffte es aber nicht, das Anwesen weiter zu entwickeln. Stattdessen schritt der Verfall voran. Der Pachtvertrag wurde später aufgelöst.

Auch bei dem jetzigen Verkaufsverfahren soll verhindert werden, dass Neonazis – gegebenenfalls über Strohmänner – die Villa kaufen, um daraus einen Treffpunkt für die rechte Szene zu machen. „In einem Kaufvertrag werden entsprechende rechtssichere Regelungen zugunsten der Verkäufer enthalten sein“, erklärt Lorenz.

Kein Asylheim auf der Schlossinsel

Offen ist, ob die Landesstiftung für Natur und Umwelt (Lanu) wie ursprünglich angedacht ab 2017 in das Jagdschloss einzieht. Das sächsische Finanzministerium schätzt den Lanu-Einzug als „sehr kostspielig“ ein. Zudem würde der Platz im Schloss dafür nicht ausreichen (SZ berichtete). Nach Alternativen werde gesucht. Laut SIB soll die Lanu ab 1. Januar ihren Sitz in Grillenburg haben. „Konkrete Gebäude werden dabei aber nicht bezeichnet“, erklärt Lorenz.

Die Schlossinsel soll als Gesamtpaket veräußert werden. Ein Verkauf von Teilen oder einzelnen Objekten ist nicht vorgesehen. Dabei hoffen Freistaat und Forststadt, dass zumindest eine teilöffentliche Nutzung gesichert werden kann. Pläne zur Unterbringung für Asylbewerber auf dem Areal des Schlosses gibt es laut SIB nicht.

„Die Stadt Tharandt und der Freistaat suchen einen geeigneten Käufer und privates Kapital, um Investitionen in das Neue Jägerhaus und in das Jagdschloss sowie in die Freiflächen der Schlossinsel zu fördern“, erklärt Stadtsprecher Alexander Jäkel. „Mit den Investitionen sollen Multiplikationseffekte in vielerlei Hinsicht für Grillenburg im Besonderen und für die Region um den Tharandter Wald im Allgemeinen entstehen. Einzelheiten und weitergehende Überlegungen können aber erst in den Sondierungsgesprächen mit potenziellen Kaufinteressenten abgestimmt werden.“

Vorstellungen für einen Mindestverkaufspreis gebe es nicht, heißt es beim SIB. Rechnet man alle Gebäude zusammen, gibt es auf der Schlossinsel fast 4 000 Quadratmeter überdachter Nutzfläche. Das gesamte Areal steht unter Denkmalschutz.

Der Name des im 16. Jahrhundert errichteten und 1855 rekonstruierten Jagdschlosses geht darauf zurück, dass sich Kurfürst August bei der Jagd seine „Grillen vertreiben“ wollte, damals war dies die Umschreibung für „Sorgen vertreiben“. Nach der Wende wechselten die einzelnen Gebäude mehrfach den Besitzer. Freistaat und Forststadt hoffen nun auf eine dauerhafte Lösung für das Areal. Daher sollen die Angebote auch sehr genau geprüft werden.