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Großkoschen und die Sachsen

Am Senftenberger See liebt man die Gäste aus dem Nachbarbundesland. Allerdings hat man auch Sorgen.

Von Uwe Schulz
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Tolles Projekt, aber aktuell ohne Baugenehmigung. In Großkoschen liegt ein tolles Grundstück mitten im Ort brach.
Tolles Projekt, aber aktuell ohne Baugenehmigung. In Großkoschen liegt ein tolles Grundstück mitten im Ort brach. © Foto: Uwe Schulz

Großkoschen. Wenn man im südbrandenburgischen Großkoschen an Sachsen denkt, sind die Gefühle gemischt. Da sind zum einen sehr viele positive Gedanken: Klein- und Großkoschen gehörten einst selbst mal zu Sachsen. Die seit wenigen Monaten agierende Ortsvorsteherin Nadine Hönicke stammt ursprünglich aus Meißen und ist erst 1996 in den Ort gezogen. 

Und natürlich kommen sehr viele Gäste aus dem Freistaat, lassen hier ihr Geld oder investieren zuweilen auch ordentlich. Mit Sachsen verbinden die Großkoschener aber auch ihr größtes Ärgernis im Ort. Ausgerechnet zwischen Kirche und See an der wichtigsten Zufahrtsstraße gammelt ein großes Objekt vor sich hin – der ehemalige Dorfgasthof, in dessen Saal einst auch die Radballer trainierten und das Kino zu finden war. Eine Bautafel kündet von großen Plänen. Die USD Immobilien GmbH will hier demnach ein Seenland-Palais errichten. Nur glaubt daran vor Ort niemand mehr.

Die USD Immobilien GmbH ist in Dresden kein unbekanntes Unternehmen, stemmt sehr große Projekte, gern auch in exponierten Lagen, hantiert mit dreistelligen Millionenbeträgen. Bislang aber nicht in Großkoschen. Das Projekt des Seenland-Palais war 2012 vorgestellt worden. Aus dem ehemaligen Dorfgasthof sollte eine Anlage mit über 40 Eigentumswohnungen und eigenem Wellnessbereich entstehen. 2012 ging man beim Tag der offenen Tür den Medien gegenüber von vorhandener Nachfrage aus und dass der Bau möglicherweise schon 2013 realisiert werden könnte. Das alles ist lange her. Senftenbergs Bürgermeister Andreas Fredrich sagte auf Nachfrage, dass die einstige Baugenehmigung auch erloschen sei. Und die Dresdener machen an ihrem Objekt exakt so viel, dass es keine behördliche Handhabe gibt – auf die Verkehrssicherung wird geachtet. Und wenn Beiträge zu zahlen sind, dann werden sie gezahlt.

Die Koschener informieren sich natürlich und registrieren, dass ein Kauf des rund 5.600 Quadratmeter großen Grundstückes prinzipiell möglich ist, allerdings werden wohl immer höhere Preise aufgerufen. Ortsvorsteherin Nadine Hönicke scherzt, dass man ja eine Crowdfunding-Aktion starten könne. Die Stadt Senftenberg legt jetzt ihrerseits über ein großes Areal, zu dem dann auch das USD-Grundstück gehören wird, einen Bebauungsplan, um wenigstens in der Nachbarschaft weiterzukommen und letztlich bauliche Rahmenbedingungen zu schaffen.

Denn Großkoschen ist ein Ort, der auf Tourismus setzt. Klein- und Großkoschen sind seit 1974 eine Gemeinde, seit 2002 gehören sie als ein Ortsteil zur Stadt Senftenberg. Wirtschaftlich betrachtet gibt es den Steinbruch, einen gesunden Mittelstand und in Kleinkoschen ein Gewerbegebiet in ehemaligen Tagebau-Werkstätten, das zwar etwas versteckt liegt, dafür aber ausgelastet ist. Und etliche der über 1.300 Einwohner setzen eben auf Tourismus. Matthias Leiker hat mit seiner Firma M.C.L. Touristik GmbH & Co. KG beispielsweise in den Ferienhof „Radlerslust“ investiert und passt die Gegebenheiten immer wieder auch an die Wünsche der Touristen an. So bietet er jetzt auch ein großzügiges Spielzimmer. Und als stellvertretender Ortsvorsteher setzt er sich für die Geschicke des Ortes aktiv mit ein. Nadine Hönicke weiß es zu schätzen, dass die Koschener dort wohnen, wo andere Urlaub machen.

Radball-Weltcupfinale anno 2021

In Minuten ist man auf dem Radweg oder am Strand, hat eine aktive Vereinslandschaft, unter anderem den Radballverein. Der hat schon sehr erfolgreiche Sportler hervorgebracht und hat international einen guten Ruf. So wird er 2021 das Weltcupfinale ausrichten. Die Stadt Senftenberg unterstützt daher den Verein bei solchen Events auch stärker als andere Vereine, eben weil davon eine große Strahlkraft ausgeht. Und doch hat der Ort auch Wünsche an die Stadt. Für die Kindertagesstätte wünsche man sich einen Neubau, sagt Nadine Hönicke.

Für die etwas älteren Kinder im Grundschulalter wird es künftig eine Änderung geben. Bislang fuhren die Koschener Kinder in die Grundschule nach Hosena. Doch die ist mit eigenen Kindern gut gefüllt. Daher werden Koschener Erstklässler 2020 in Senftenberger Schulen eingeschult, wobei angestrebt wird, dass die Hortbetreuung vor Ort in Koschen erfolgt. Und für den Busverkehr nach Senftenberg signalisiert Andreas Fredrich, dass es eine Bus-Regelung geben wird, wie sie schon in Sedlitz praktiziert werde. Wie die Lösung für Koschen genau aussehen soll, werde man sehen, wenn man in wenigen Wochen die Schülerzahlen kennt.