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Großröhrsdorf gegen den Großmeister

In der Rödertalstadt drehte sich jetzt alles um König, Dame und Turm. Bei den Schachtagen gab es aber noch eine ganz besondere Herausforderung.

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© Jonny Linke

Von Jonny Linke

.Großröhrsdorf Schon im Foyer des Rödertalparks erkennt man die Szenerie: Turm, Dame und der König stehen als Großfiguren auf dem Boden des Einkaufscenters. Das ist während der Großröhrsdorfer Schachtage ganz auf Denksport eingestellt. Dutzende Schachbegeisterte sitzen dahinter auf Bänken und knobeln an Schachbrettern am nächsten Zug. Ihr Gegner ist derweil unterwegs von Brett zu Brett. Es ist Schach-Großmeister Sebastian Siebrecht. Er spielt an dem Nachmittag bei den Schachtagen Ende der Vorwoche in Großröhrsdorf gleichzeitig gegen zwölf Herausforderer jeden Alters. Der Tag des Großmeisters Sebastian Siebrecht (43) begann jedoch alles andere als im Wettkampfmodus. Als international anerkannter Großmeister hat er es sich zu seiner Aufgabe gemacht, jungen Leuten das Schachspielen näher zu bringen. Dass er davon etwas versteht, zeigt seine Vita. Neben seinem Titel ist er Schach-Profi und international unterwegs. Sogar einem Scheik in den Emiraten habe er das Schachspielen beigebracht, erzählt er. Am vergangenen Freitag hatten über 200 Kinder und Jugendliche aus der Region, die Gelegenheit bei Siebrecht etwas über das älteste Brettspiel der Welt zu lernen. „Dabei können die Kinder das Spiel als pädagogisches Hilfsmittel benutzen und zielorientierte Lösungswege finden. Das hilft auch stark in der schulischen Ausbildung“, sagt der 43-jährige Großmeister.

Er selbst habe mit elf Jahren das erste Mal Schach gespielt. Wenige Jahre später war er dann schon Meister. 2008 gelang es dem Mann aus dem Ruhrgebiet, den internationalen Titel Großmeister zu erlangen. „Dafür musste ich neun Partien Schach spielen“, erklärt Siebrecht. Voraussetzung war, dass drei Gegner den Titel „Großmeister“ besaßen und die Gegner aus mindestens fünf verschiedenen Nationen kamen. Außerdem habe er mindestens 2  600 Punkte erreichen müssen: „All das gelang mir“, erzählte Sebastian Siebrecht stolz. Beim Simultanschach im Rödertalpark „Großröhrsdorf gegen den Schach-Großmeister“ trat er simultan gegen zwölf Denksportler an. Ein Schwätzchen mit den Teilnehmern ließ er sich nicht nehmen. „Psychologische Tricks“, flüsterte ein Zuschauer im Hintergrund. Er versuche seine durchaus jungen Gegner kennenzulernen.

Ob er das überhaupt musste? War der Großmeister im Rödertalpark zu schlagen? Einer der dies unbedingt wollte, war der 14-jährige Jonas Thalheim aus Bretnig: „Ich möchte so weit wie möglich kommen, aber ein Sieg ist sehr unwahrscheinlich.“ Aber nicht unmöglich ließ Siebrecht durchblicken: „Es gab schon einen Fall, da habe ich bei so einem Show-Turnier ein Spiel verloren. Auch heute bin ich gespannt, Großröhrsdorf ist sehr gut“, lobte er. Dann ging es auch schon los. Die Regeln waren schnell erklärt. Der Großmeister macht einen Zug und wechselt dann zum nächsten Brett. In der Zeit überlegen sich die Gegner ihre Züge genau und machen diesen erst, wenn Siebrecht wieder mit am Brett steht. „Sonst verliere ich im Verlauf wahrlich den Überblick“, so der Schachexperte. Sollte ein Gegner mal einen wirklich schlechten Zug machen wollen „gebe ich zwei Joker und korrigiere“, so der Schachlehrer. Aber auch mit Jokern hatte am Ende keiner der Herausforderer das Glück, den Großmeister zu schlagen. Doch den Spaß am Spiel haben viele in Großröhrsdorf und Umgebung trotzdem nicht verloren.

Im Gegenteil. Das Match mit dem Großmeister war ein besonderes Erlebnis.