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Großröhrsdorf: Was die Bürgermeisterin zum Abschied bewegt

Kerstin Ternes scheidet nach 14 Jahren aus dem Amt aus. Sie berichtet von guten und schlechten Zeiten. Das Gute aber überwiegt bei Weitem.

Kerstin Ternes übergab am Freitag den Rathausschlüssel symbolisch an ihren Nachfolger Stefan Schneider.
Kerstin Ternes übergab am Freitag den Rathausschlüssel symbolisch an ihren Nachfolger Stefan Schneider. © Matthias Schumann

Großröhrsdorf. Am Freitag ist es geschehen: Kerstin Ternes hat nach 14 Jahren ihren Bürgermeistersessel im Großröhrsdorfer Rathaus geräumt. Nun übernimmt der bisherige Hauptamtsleiter Stefan Schneider, der am 16. Juni gewählt wurde. Die SZ sprach mit der scheidenden Bürgermeisterin.

Frau Ternes, Sie waren bis zuletzt unermüdlich im Amt zugange. Wäre es nicht schon etwas ruhiger gegangen?

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Nein, ruhiger ging nicht. Ich hatte bis zuletzt ein volles Programm. Zum einen musste der scheidende Stadtrat unbedingt noch in einer Sondersitzung in den Ferien den Nachtragshaushalt 2019 absegnen. Er war notwendig geworden, weil wir ja mit dem Neubau der Sporthalle und der Kita Bummiland noch zwei jeweils 3,8 Millionen Euro schwere Investitionsvorhaben auf den Weg bringen mussten.

Das wäre nach dem Sommer partout nicht möglich gewesen?

Nein, für die Sporthalle muss der Förderantrag spätestens am 30. September vorliegen – auf der Basis einer klaren Eigenmittelverpflichtung der Stadt. Und auch die Arbeiterwohlfahrt als Träger des Bummilandes brauchte Sicherheit. Hier übernimmt die Stadt immerhin 1,6 Mio Euro der Gesamtkosten. Die Awo selbst ist mit 300 000 Euro im Boot. Die andere Hälfte der Investitionssumme sind Zuschüsse, ohne die das Vorhaben gar nicht möglich wäre.

In dieser Woche haben Sie die konstituierende Sitzung des neuen Stadtrates geleitet. Warum oblag das nicht gleich dem neuen Stadtoberhaupt?

Weil die rechtliche Lage eindeutig ist. Der neue Bürgermeister muss durch den neuen Stadtrat vereidigt werden. Und der musste zunächst erst mal zusammentreten. Die Vereidigung von Stefan Schneider ist nun für den 10. September vorgesehen. Auch im Vorgriff auf dieses Datum war es wichtig, dass die konstituierende Sitzung sehr sachlich und konstruktiv verlaufen ist. Alle Formalien wurden in Ruhe abgearbeitet.

Zu Ihrer persönlichen Bilanz im wichtigsten Amt der Stadt – woran erinnern Sie sich im Nachgang im Guten wie im Schlechten?

Also, das Gute überwiegt bei Weitem. Wir haben im Straßenbau viel erreicht, auch in der wirtschaftlichen Entwicklung. Nehmen wir die Alte Weberei oder die Revitalisierung des Geländes der alten Tischfabrik als Standort für die Gewerbeansiedlung. Oder des Futtermittelwerkes Platro, wo sich jetzt die Hellerauer Werkstätten betun. Auch die Erweiterung der Kita in Kleinröhrsdorf war mir sehr wichtig. Leider sind wir beim Bahnhof nicht weitergekommen. Meine schlimmste Erinnerung ist ein Anruf, bei dem mir der komplette Rückzug von Sunfilm/Schüco mitgeteilt wurde. Das war 2012. Zum Glück ist später die Neuvermietung der riesigen Hallen doch noch in Gang gekommen. Dabei bewährt sich natürlich die günstige Lage unserer Stadt in der Wachstumsregion um Dresden.

Was geben Sie Ihrem Nachfolger mit auf den Weg?

Ich wünsche ihm Optimismus und Kompromissbereitschaft. Und das die Nerven halten – dafür freilich ist eine konstruktive Zusammenarbeit im Stadtrat die beste Garantie. Das war bei mir der Fall. Wenn Stefan Schneider Rat braucht, kann er mit meiner Hilfe rechnen. Aber ich denke, er wird es auch allein schaffen. Reinreden ist jedenfalls überhaupt nicht mein Ding.

Was machen Sie im Ruhestand?

Ich werde mich vor allem um die Familie kümmern. Außerdem lese ich sehr gern. Mein Regal steht voller neuer Bücher. Und dann möchte ich wieder mehr Sport treiben und auch Yoga. Und irgendwann wartet gewiss auch ein Ehrenamt auf mich.

Gespräch: Frank Oehl

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