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Bischofswerda

Großröhrsdorfer Firma gerettet

Der Drahtwarenhersteller Tittel musste 2019 Insolvenz anmelden. Jetzt startet er neu.

Für den Neustart der Metallfirma Tittel in Großröhrsdorf steht auch eine kleine Veränderung im Namen. Auf dem Kuvert ist sie schon sichtbar. Der Zusatz Fabrik ist nicht mehr vorhanden.
Für den Neustart der Metallfirma Tittel in Großröhrsdorf steht auch eine kleine Veränderung im Namen. Auf dem Kuvert ist sie schon sichtbar. Der Zusatz Fabrik ist nicht mehr vorhanden. © Matthias Schumann

Großröhrsdorf. Nach der Hiobsbotschaft Mitte vorigen Frühjahrs, kommt jetzt die gute Nachricht im neuen Jahr für die Mitarbeiter der insolventen Tittel Drahtwarenfabrik. Das teilt Simon Leopold mit. Er ist Unternehmensberater sowie Geschäftsführer der ABG Consulting-Partner. Sein Team begleitete den Prozess der Insolvenz in den vergangenen Monaten: „Der Betrieb wurde mit Wirkung zum 1. Januar auf eine neue Gesellschaft übertragen.“ Das ist die Tittel Drahtwaren GmbH. Der Zusatz Fabrik im Namen ist damit Geschichte.

Der Standort in Großröhrsdorf mit seinen 55 Arbeitsplätzen bleibe erhalten, erklärt Simon Leopold. „Wir haben in den vergangenen Wochen eine Vielzahl von Gesprächen mit mehreren Interessenten geführt. Konzept und Angebot der bisherigen Minderheitsgesellschafterin haben überzeugt – auch einen regionalen Finanzierungspartner, der das Unternehmen finanziell beim Neustart begleitet.“ Die neue Gesellschaft wird von den Eheleuten Thoß als Familienunternehmen geführt. „Ein erneutes Engagement am Standort Großröhrsdorf war für uns selbstverständlich“, so der Geschäftsführer Jan Thoß. Die Tittel Drahtwarenfabrik musste offenbar aufgrund von Haftungsansprüchen in der Tittel-Unternehmensgruppe im April 2019 Insolvenz anmelden. Verursacht wurde die finanzielle Krisensituation nach eigenen Angaben durch die wirtschaftliche Schieflage eines Schwesterunternehmens, hieß es im Vorjahr. Die einzelnen Gesellschaften mussten füreinander haften. Daraus resultierten die Probleme, die nun ausgeräumt werden konnten.

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Am Standort in Großröhrsdorf konstruieren und produzieren die Mitarbeiter Produkte aus Draht, wie zum Beispiel unterschiedlichste Drahtkörbe, Biegeteile und Gitter. Zu den Kunden gehören namhafte nationale Betriebe der Apparate- und Geräteindustrie, Küchengerätehersteller, Caravanhersteller, Medizingerätehersteller sowie Unternehmen der Möbelindustrie und der Automobilbranche. Die Vielfalt der Produkte ist riesig, die sich aus Draht biegen und schweißen lassen: von Fönhaltern über Abfallkörbe bis zu Hakenleisten und Wühltischen.

Sanierung in Eigenverwaltung

Der Unternehmensberater ist sich sicher: Die Sanierung sei gelungen. Das mittelständische Unternehmen nutzte ein modernes gerichtliches Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung: Tittel-Geschäftsführer Jan Thoß verantwortete in dieser Zeit das operative Geschäft weiter, ihm zur Seite stand das Sanierungsteam. So begleitete Rechtsanwalt Stefan Ettelt, Partner der Kanzlei Kulitzscher und Ettelt, als Generalbevollmächtigter vor allem die insolvenzrechtlichen Themenkreise. Simon Leopold unterstützte die ABG Consulting im kaufmännischen Bereich. „Gemeinsam ist es gelungen, im Rahmen der Eigenverwaltung den Geschäftsbetrieb nicht nur fortzuführen, sondern das Unternehmen auch zu sanieren und neu zu strukturieren“, so Ettelt. Während der Sanierung hätten die Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter stets zum Unternehmen gestanden und diesen Weg unterstützt, heißt es.

Die Historie des Unternehmens in Großröhrsdorf reicht 90 Jahre zurück. Der Grundstein wurde 1929 allerdings mit Firma Arthur Tittel in Hermsdorf bei Ottendorf-Okrilla gelegt – als Spezialbetrieb für geschweißte Drahtwaren.Erst im Jahr 2000 zog die Firma Tittel an den neuen Produktionsstandort nach Großröhrsdorf.

Unter dem neuen Namen Tittel Drahtwaren GmbH kann die Unternehmensgeschichte nun fortgeschrieben werden – schließlich sind die Mitarbeiter ganz schön auf Draht. (SZ/ha)

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