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Großschönauer Motorradmuseum zieht um

Wo einst Schlauchboote gebaut wurden, sollen bald Fahrräder und Motorräder stehen. Aber ohne Spenden geht es nicht.

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Von Holger Gutte

Großschönau. Mitten in Großschönau entsteht eine neue Ladenpassage. Doch kaum jemand sieht die Motorrad- und Fahrradgeschäfte direkt an der Hauptstraße. Die Ladenzeile befindet sich im Gebäude der alten Schlauchbootfabrik, oder besser gesagt, im künftigen Motorrad-, Veteranen- und Technikmuseum. Das soll von der David-Goldberg-Straße hierhin umziehen. Fast jeden Mittwoch und Sonnabend arbeiten die Mitglieder der Sektion Veteranensport des MC Robur Zittau am neuen Standort. Das riesige Gebäude entlang der Hauptstraße wird ein Museum. Das ist das ehrgeizige Ziel der 49 Sektionsmitglieder. Denn die Tage für ihre Ausstellung von Kraftwagen, Motorrädern und Fahrrädern des 20. Jahrhunderts im Gebäude der ehemaligen Glasseidenweberei sind gezählt. Der Sanierungsaufwand ist dort viel zu hoch. Schon 2008 hat deshalb die Gemeinde Großschönau dem Verein angeboten, in das Hauptgebäude der „Deutschen Schlauchboot“ umzuziehen.

Alle drei Etagen werden für das Museum genutzt. Das Erdgeschoss haben die Vereinsmitglieder so verwandelt, dass man bereits gespannt auf die Eröffnung ist. Auf der rechten Seite sind historische Schaufenster aus Zittau so mit Säulen abgetrennt und eingebaut worden, dass eine kleine Ladenpassage im Flair der 20er- oder 30er Jahre entstanden ist. Gleich im ersten Geschäft haben die alten Fenster des früheren Zittauer Praktikus eine Verwendung gefunden. Hinter den Schaufenster werden unter anderem Fahrradläden nachempfunden. Auf der gegenüberliegenden Seite bekommen die Besucher einen Überblick, wie es früher in einer Schmiede aussah.

Wie Sektionsleiter Uwe Brückner jetzt im jüngsten Gemeinderat schilderte, ist das Erdgeschoss bis auf den Empfangsbereich einzugsbereit. In der Halle sind der stark ramponierte Dielenboden repariert und auf ihm Platten und Belag verlegt sowie Eisenträger und Gusssäulen mit Brandschutzplatten verkleidet worden. Im Stockwerk darüber wird die Motorradausstellung untergebracht. Die Eisengestelle, die früher einmal die Montagestraße der Schlauchbootfabrik trugen, sind nur noch 20 Zentimeter hoch. „Wir bauen daraus die Podeste für unsere Motorräder“, sagt Fiebiger. In der obersten Etage befindet sich bereits die Ausstellung „Deutsche Schlauchboot“, die die Geschichte des traditionsreichen Großschönauer Betriebes darstellt.

Bis jetzt sind vom Verein 18 000 Euro in das Gebäude, in Ausstellungselemente und in den Brandschutz investiert worden. Aber gerade die Brandschutzauflagen sind für den Verein allein nicht zu stemmen. Reinhard Fiebiger kann einiges davon nicht nachvollziehen. „Noch vor ein paar Jahren ist hier mit hochexplosiven und brennbaren Materialien gearbeitet worden. Heute müssen wir die Holzsäulen verkleiden, weil daneben Fahrzeuge stehen, deren Tanks leer sind.“ Hilfesuchend hat sich der Verein an den Gemeinderat gewandt. Reichlich 5 000 Euro bekommt noch ein Elektriker. „Wir haben neue Leitungen verlegen lassen, und die Alarmanlage ist auch schon scharf“, sagt Fiebiger. Nur ein Teil der Leistungen ist bezahlt.

Etwa 108 000 Euro werden für den Umzug des Museums noch gebraucht, schätzt der Verein. Im Gemeinderat wird das Thema sicher bald wieder eine Rolle spielen. Aber Bürgermeister Frank Peuker (SPD) stellt bereits klar, dass es noch andere Vereine im Ort gibt. Fördermittel für das Museum zu bekommen, ist im Moment nicht einfach.

Erschwerend kommt dabei hinzu, dass die Ausstellungstücke nicht der Gemeinde gehören, sondern den Vereinsmitgliedern, beziehungsweise Leihgaben sind. Einig sind sich jedoch alle Seiten, dass das Museum mit seiner umfangreichen Sammlung erhalten bleiben muss. Ohne Fördermittel und Spenden wird es nicht gehen.