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Großtanker auf Rädern für den Wald

Fördergeld gibt es nicht. Doch Großenhain will bei zunehmender Brandgefahr im Forst auf Nummer sicher gehen.

© privat

Großenhain. Durch den Borkenkäfer ist derzeit massiv Totholz im Wald. Der Dürregürtel im Norden Großenhains lässt zudem die Waldbrandgefahr steigen. „Es ist eine hohe Brandlast im Forst“, heißt es bei der Großenhainer Stadtverwaltung. „Die wirtschaftliche Katastrophe durch den Borkenkäfer ist stärker als durch Corona“, sagt Großenhains Oberbürgermeister. 

Sven Mißbach weiß als promovierter Forstmann, wovon er spricht. Umso nötiger sieht Großenhain ein neues Löschfahrzeug für die Ortswehr Strauch an. Angrenzend an Brandenburg und den Schradenwald besteht dort Investitionsstau. Der alte W50 sollte gegen ein Tanklöschfahrzeug 3000, also mit 3.000 Liter Löschwasser, ausgetauscht werden. Die Stadt hat Fördermittel beantragt. Doch dieses und auch nächstes Jahr könnte das Fahrzeug nicht bezuschusst werden. Im Landkreis stehen Gerätehaus-Neubauten im Vordergrund – so auch in Naundorf b. O. – und eine Sammelbestellung von Drehleitern. Außerdem sind noch erhebliche Zuschüsse aus dem Vorjahr beim Landkreis gebunden: so auch für den Neubau in Kmehlen und das neue Gerätehaus in Oelsnitz-Niegeroda.

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Keine Fördermittel

In der Stadtverwaltung wurde daraufhin intensiv überlegt, was zu tun ist. Soll man die „Prävention im Klimawandel“ schleifen lassen? Wie steht es um die beiden Löschfahrzeuge für die Großenhainer Wehr, die in den nächsten fünf Jahren ebenfalls ausgetauscht werden sollten und für die Eigenmittel im Doppelhaushalt eingestellt sind? Mit der Stadtwehrleitung wurde deshalb ein Konzept erarbeitet, „das abweichend vom derzeit gültigen Brandschutzbedarfsplan eine strategische Neuausrichtung enthält“.Das Ziel ist klar: Gerade in Strauch und Umgebung brauchen die Kameraden schnell viel Wasser vor Ort. Die Wasserentnahme aus dem Trinkwassernetz ist begrenzt, will man es nicht für die Normalversorgung zusammenbrechen lassen. Für ein TLF 9000, also mit 9.000 Liter Wassertank, braucht man lediglich drei Einsatzkräfte. 

Die Stadt hat sich deshalb für den Kauf eines Tatra-Vorführfahrzeuges entschieden. Das Fahrzeug dient hauptsächlich dem Wassertransport. Es wird in Großenhain stationiert. Hier ist die Tageseinsatzbereitschaft durch Angestellte der Stadt gewährleistet.Der Stadtrat stimmte dem zu. Auch, dass ein TLF Wald mit 4.500 Litern nach Strauch als Übergangsvariante bis zur Beschaffung eines Neufahrzeuges umgesetzt wird. Selbst beim Landratsamt fand diese Lösung Zustimmung. Blieb nur die Frage der Finanzen.

Bessere Einsatztechnik

Der Supertanker wird etwa 308.000 Euro kosten. Großenhain hat 173.000 Euro Eigenmittel zur Verfügung. Fehlen also noch rund 130.000 Euro. Die will die Stadt aus anderen Quellen ziehen, so aus der Feuerwehrausrüstung, der Umrüstung von Sirenen und dem Neubau des Ableitungskanals vom Industriegebiet Flugplatz. Letzteres könnte sowieso erst in zwei oder drei Jahren realisiert werden, hieß es.Die Stadt sieht eine Wirtschaftlichkeit und eine „enorme Verbesserung der Einsatztaktik“ gegeben. Noch dieses Jahr soll das Fahrzeug angeschafft werden, um von der neuen Umsatzsteuer zu profitieren. 

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Auf eine öffentliche Ausschreibung wurde aufgrund von Dringlichkeit verzichtet. Das sei in begründeten Ausnahmefällen durch eine freihändige Vergabe zulässig.Es wurden weitere drei Hersteller von Feuerwehrfahrzeugen angefragt. Keiner kann zu den genannten Konditionen einen solchen Supertanker anbieten, auch kein Vorführfahrzeug, begründet die Stadtverwaltung. „Somit ist eine Beschaffung ohne reguläres Vergabeverfahren zulässig.“

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