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Löbau

Wiese in Ketten gelegt - zur Sicherheit

Kein Witz! Anders bleibt die kleine Fläche am Löbauer Neumarkt nicht vor dauernder Zerstörung bewahrt. Eine kurze Geschichte des Wahnsinns.

Wer hier jetzt noch durchfährt, macht sich dabei wenigstens sein Auto kaputt.
Wer hier jetzt noch durchfährt, macht sich dabei wenigstens sein Auto kaputt. © Markus van Appeldorn

Kurz noch mal die Formel zur Flächenberechnung eines Dreiecks hervorgekramt und Pi mal Daumen die Seitenlänge geschätzt: Also so um die 40 Quadratmeter dürfte das Stück Grün messen, das die Ecke Neumarkt /Neusalzaer Straße schmückt. 

Eher eine der kleineren Grünflächen von Löbau - und so ziemlich die jüngste. Entstanden ist das Areal erst Ende 2018 bei der Umgestaltung der Parkplatzzufahrt nach der Verkehrsfreigabe des zweiten Kreisverkehrs. Seitdem scheiterten alle wohlmeinenden Versuche, dem hier einst dem viel breiter aufgebrachten Asphalt mühsam abgetrotzten Grün auch eben diese Farbe zukommen zu lassen. Und wer hier jetzt zu einer Kritik an der Stadt Löbau anheben möchte: Nein, die kann wirklich nichts dafür - fand aber am Ende eine Lösung.

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Der erste Akt des Dramas begann kurz nach Abschluss der Neugestaltung. Schön planiert lag die Fläche da und wartete auf die Gras-Saat. Doch kaum angelegt, hatte ein Autofahrer des nächtens beim Abbiegen eine, naja, Abkürzung genommen und die Autoreifen eine tiefe Furche hinterlassen. Dabei hatte der Unbekannte, über dessen Fahrtüchtigkeit nichts bekannt ist, auch noch gleich einen Schildermast vor den Kühler genommen und diesen flach gelegt. Man ahnte schon: Das würde nicht der letzte Zwischenfall dieser Art bleiben.

Dazu bewahrheitete sich an der Ecke Neumarkt eine Art Naturgesetz. Eine kritische Zahl von Passanten entdeckte schnell nicht den um die Fläche verlaufenden Gehweg, sondern die Diagonale als kürzeste Entfernung zwischen zwei Punkten. So werden Trampelpfade geboren. Ein Umstand, der hier mit dem einsetzenden Winter Akt zwei einleitete. Mit wechselnden Frost-, Schnee- und Tauperioden geriet die Fläche zu einem mit Fuß- und Autospuren durchfurchten Acker. Und immer mehr auch zur Müllhalde, über die wenigstens zeitweise der Winter sein unschuldig weißes Bett legte. Wo all solche Kräfte zusammenwirken, wächst kein Gras mehr. Der Frühling kam und riss das weiße Laken endgültig ab. Und dem Auge offenbarte sich eine traurige Unrat-Brache.

 

Ohne den Schutz der Ketten herrscht auf der Grünfläche reger Verkehr wie Fuß- und Reifenspuren zeigen.
Ohne den Schutz der Ketten herrscht auf der Grünfläche reger Verkehr wie Fuß- und Reifenspuren zeigen. © Markus van Appeldorn

Das nun war etwa die Zeit, zu der offenbar auch die Stadt Löbau des Problems ihrer "Grünanlage" gewahr wurde. Eine Anfrage der SZ dazu blieb bis zum heutigen Tag unbeantwortet. Jedenfalls nahm eines Tages, der Sommer nahte bereits, Bauamtsleiter Albrecht Gubsch das Areal persönlich in Augenschein, was zur Einleitung des dritten Aktes geführt haben dürfte. Kurz nach dem Ortstermin rückten Arbeiter des Bauhofs an und gaben der Fläche eine neue Gestalt, die hoffen ließ. Sie brachten neues Erdreich auf, planierten dieses sorgsam mit einer Walze und säten auch gleich neues Gras.

Doch zunächst blieb es wie es bleiben musste. Die Arbeiter waren noch keine Stunde abgerückt, da zierte schon eine neue Reifenspur die Fläche. Jemand hatte beim Abbiegen die Kurve zu weit genommen. Weitere Stunden später war zu sehen, dass ein weiterer Autofahrer einmal quer durch die Grünanlage fuhr - das Schild blieb diesmal unbeschädigt. Die Grünanlage ist ein scheinbar schwer auszumachendes Hindernis. Nicht belegt ist, ob Patienten der am Neumarkt praktizierenden Augenärztin in Zusammenhang mit dem Phänomen stehen.

Der Plan zur Lösung war aber bei der Stadt offensichtlich schon gereift. Mitarbeiter des Bauhofs setzten kurz später erst schmucke Metallpfosten an die der Straße zugewandten Seiten der Grünfläche. Dann spannten sie Eisenketten dazwischen. Seit einigen Tagen nun ist die Grünfläche unter Verschluss - und tatsächlich ist sie in den letzten Wochen auch schon sehr grün geworden. Es ist nicht abzusehen, wann der nächste Autofahrer hier durchfahren wird. Aber es gibt jetzt wenigstens eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass er es dann bemerkt. Der erste Poller steht bereits ein bisschen schief ...

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