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Grüne Abgeordnete kämpft gegen Tiefflieger

Elf Verstöße wurden seit 2010 zur Anzeige gebracht. Der Lärm der Flugzeuge stresst nicht nur die Menschen.

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Von Gunnar Klehm

Da zuckt jeder Besucher der Sächsischen Schweiz zusammen, wenn er sich an einer beschaulichen Aussicht ausruht und dann ein Tornado-Kampfflugzeug im Tiefflug vorbeidonnert. Das passiert in dem Landschaftsschutzgebiet gar nicht so selten, wie man meinen könnte, obwohl die nächste Luftwaffenbasis weit weg ist.

Elf Verstöße hat die Nationalparkverwaltung zwischen 2009 und 2014 beim Luftfahrtamt der Bundeswehr zur Anzeige gebracht. In allen Fällen soll die zulässige Sicherheitsmindesthöhe für Kampfflugzeuge von mindestens 150 Metern nicht eingehalten worden sein. Dies geht aus der Antwort von Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) auf eine Kleine Anfrage der verkehrspolitischen Sprecherin der Grünen im Landtag, Eva Jähnigen, hervor. Neunmal soll es sich um ein Tornado-Kampfflugzeug gehandelt haben, zweimal soll eine Transportmaschine Transall C-160 zu niedrig geflogen sein. Das Luftfahrtamt dementiert aber, dass die Mindestflughöhe nicht eingehalten worden sein soll.

„Militärische Tiefflüge sind immer noch ein großes Problem im Nationalpark und im angrenzenden Osterzgebirge. Ich gehe von einer erheblichen Dunkelziffer an Flugverstößen aus“, so Jähnigen. Bei ihr häuften sich angeblich Anwohnerklagen, dass die Mindestflughöhe von den Jets der Bundeswehr immer wieder verletzt wird. Deshalb forderte sie die Sächsische Staatsregierung auf, gegenüber der Bundesregierung öffentlich Druck gegen die Lärmbelästigung durch Tiefflüge zu machen und auf eine Ahndung von Verstößen zu drängen. Ein formelles Überflugverbot für die Region besteht nicht. Sachsen könnte jedoch Verhandlungen mit der Bundeswehr anstreben, in denen Einfluss auf die Streckenwahl genommen werden kann.

Zuletzt erreichten Eva Jähnigen Berichte von Augenzeugen, dass am 4. Mai, gegen 11 Uhr, zwei Kampfflugzeuge im Tiefflug über den Glashütter Ortsteil Dittersdorf und den dortigen Kindergarten donnerten. „Das ist nicht nur eine krasse Lärmbelästigung, sondern auch gefährlich für die Anwohner“, so Jähnigen. Schließlich gab es in Deutschland in den vergangenen Jahren immer wieder vereinzelte Abstürze von Tornado-Jagdflugzeugen, bei denen durch in Brand gesetztes Kerosin zusätzlicher Schaden angerichtet wurde.

Die Kampfflugzeuge machen bis zu 130 Dezibel Lärm. Die Brisanz liegt aber nicht nur in verärgerten Einheimischen oder Besuchern. Im Nationalpark Sächsische Schweiz geht es auch um den Schutz von Tieren. Dass dort eine Vielzahl von geschützten Arten lebt, bei denen militärische Tiefflüge Stressreaktionen auslösen, ist dem Ministerium bewusst. Fundierte Erhebungen zu Bestandstrends gibt es aber nicht, erklärte der Umweltminister. Lediglich für einzelne Arten wie Wanderfalke oder Uhu gibt es ein sogenanntes Monitoring. Bei diesen ist jedoch ein „positiver Trend oder eine gleichbleibende Entwicklung zu verzeichnen“, so der Minister.

Geraten Wanderfalke, Schwarzstorch oder Uhu durch Störungen in Panik, kommt es vor, dass sie ihr Gelege aufgeben. Brutverluste wurden dieses Jahr schon beobachtet. Es ist aber schwer, die Ursache genau zu belegen. Lärm ist nur ein Aspekt. Die Nester können auch von Mardern oder anderen Vögeln ausgeraubt worden sein.

Es gibt aber auch Ereignisse, bei denen direkt die Auswirkungen beobachtet werden können. So etwa bei einem Löscheinsatz eines Hubschraubers am 1. Juni im Nationalpark Böhmische Schweiz. Durch den tieffliegenden Löschhubschrauber waren zwei von drei jungen noch flugunfähigen Wanderfalken in ihrem Nest so verängstigt, dass sie aus dem Nest gesprungen sind und verendeten, teilt die Nationalparkverwaltung mit. Bei der Behörde gehen pro Jahr acht bis zehn Beschwerden oder Nachfragen zu Tiefflügen ein, die ans Luftfahrtamt weitergereicht werden. In seiner Antwort verwies der Umweltminister auf das Bürgertelefon der Bundeswehr. Dahin können sich Bürger wenden, wenn sie Nachfragen oder Beschwerden zum den militärischen Flugbetrieb haben.

Bürgertelefon und Informationszentrale des Luftfahrtamtes der Bundeswehr:  0800 8620730