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Grüne Ecke am Rande der Stadt

Bei schönem Wetter ist Peter Freimuth alle zwei bis drei Tage mit seinem Spezialfahrrad rund um den Olbersdorfer See unterwegs. Die Freizeitoase ist nicht einmal einen Kilometer vom Eigenheim der Freimuths entfernt.

Bei schönem Wetter ist Peter Freimuth alle zwei bis drei Tage mit seinem Spezialfahrrad rund um den Olbersdorfer See unterwegs. Die Freizeitoase ist nicht einmal einen Kilometer vom Eigenheim der Freimuths entfernt. Angela und Peter Freimuth können sich noch gut an jene Zeit erinnern, als es statt des Sees einen riesigen Tagebau gab. Nur wenige Hundert Meter vor ihrer Wohnung endete die Bandanlage, auf der die Kohle transportiert wurde. Die lauten Geräusche bereiteten dem Pethauer Ehepaar manche schlaflose Stunde. Das ist zum Glück längst Geschichte. Heute genießen Freimuths die Nähe zum See.

Nicht nur die Umgebung sieht anders aus als vor 25 Jahren, auch die Familie selbst hat in dieser Zeit einen Neuanfang gewagt. Angela und Peter Freimuth tauschten ihre Mietwohnung gegen ein eigenes Haus ein. 1997 hatten sie mit dem Bau des Eigenheims begonnen, im darauffolgenden Jahr konnten sie ihr neues Zuhause beziehen. „Wir waren die Zweiten in der Siedlung“, erzählt Angela Freimuth.

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Drei Jahre zuvor hatte der damalige Zittauer Hochschulrektor Peter Dierich ein Eigenheim gebaut. Pethau sei seinerzeit nur eine Notlösung gewesen, berichtet der heute 72-jährige Professor. Er und seine Frau hatten sich auch andere Bauplätze angeschaut, die jedoch alle nicht funktionierten. Der Standort in Pethau erwies sich dagegen als Glücksfall. Dass die Dierichs überhaupt dort gebaut haben, verdanken sie dem ehemaligen Katecheten der evangelischen Kirchgemeinde. Der wollte ursprünglich auf dem kircheneigenen Grundstück ein Haus errichten, wechselte dann aber nach Moritzburg – und empfahl Familie Dierich die Baufläche. Inzwischen hat ihre Tochter gleich nebenan ein zweites Eigenheim gebaut. Das war überhaupt kein Problem, denn Dierichs hatten seinerzeit ein Doppelgrundstück gepachtet.

Freimuths haben genau am anderen Ende der Siedlung ihr Haus errichtet. Denn die Bewohner des Nachbarhauses an der Oberen Bergstraße zählen zu ihren Freunden. Aber auch zu den Nachbarn in der Eigenheimsiedlung pflegen sie ein sehr gutes Verhältnis. „Wir schenken uns gegenseitig etwas zu Weihnachten“, berichtet Angela Freimuth, die seit 35 Jahren als Kinderkrankenschwester arbeitet. Die Post nehmen sie auch entgegen, wenn bei den Nachbarn niemand zu Hause ist. Bei Freimuths ist fast immer jemand da, denn Peter Freimuth kann seit Jahren nicht mehr arbeiten. Er kümmert sich dafür um den eigenen Garten und gestaltet Holzgegenstände wie auch die drei kleinen Schalen, die auf dem Esstisch stehen. Auch Schwibbögen und Pyramiden fertigt er für den eigenen Bedarf und den Familienkreis an.

Überrascht waren er und seine Frau, als sie erfuhren, dass in der Nachbarschaft auch ein Seriendieb wohnt. 2011 hatte die Polizei den Mann, der 63 Einbrüche in der Region beging, verhaftet. Zwei Jahre später wurde er für die Taten zu fünfeinhalb Jahren Freiheitsentzug verurteilt. Freimuths haben nach dem Vorfall die Sicherheit an ihrem Haus nicht erhöht. Denn gescheite Einbrecher steigen bekanntlich nie in der eigenen Nachbarschaft ein. Das Wohnhaus des Seriendiebs habe laut Freimuths übrigens als einziges sichtbar eine Alarmanlage. Bei den anderen Häusern gibt es noch nicht einmal Zäune zu den Nachbarn. Nur ein paar wenige werden teilweise von einer Hecke umzäunt.

Das jüngste der Eigenheime wurde vor etwa zwei Jahren gebaut, allerdings nicht auf dem kirchlichen Grundstück, sondern auf der privaten Nachbarfläche. Seitdem ist die Fröbelstraße auch durchgängig bis zur Unteren Bergstraße. Familie Freimuth konnte ihr Baugrundstück damals nur von der Oberen Bergstraße aus erreichen. Als sie einzogen, war auch die Verlängerung der Fröbelstraße fertig und erhielt gerade eine Schwarzdecke. Direkt vor dem Haus der Freimuths wurde ein Wendepunkt geschaffen. Die Kinderkrankenschwester findet es etwas ärgerlich, dass ausgerechnet die Straßenlaterne am Wendepunkt abends nicht brennt. Als die Stadt jede zweite Lampe aus Kostengründen ausgeschaltet hat, traf es auch besagte Laterne am Wendepunkt. Ändern wird sich daran wohl nichts – es sei denn, die Freimuths zahlen die Kosten aus der eigenen Tasche.

Auch einen Übergang zum Schülerbusch wird es wohl so schnell nicht geben. Früher gab es einen Tunnel unter den Eisenbahnschienen. Der wurde allerdings geschlossen und eine neue Fußgängerröhre aufgrund fehlender Eigenmittel der Stadt nicht gebaut. Auch im Pethauer Ortschaftsrat, dem Peter Freimuth ab 1994 zehn Jahre lang angehörte, hatte sich der 55-Jährige immer wieder für einen Zugang zum Schülerbusch eingesetzt. Leider ohne Erfolg. Familie Freimuth findet das schade. Gern würden sie schnell mal in den Schülerbusch gehen, um sich dort zu erholen. Doch so müssen sie eben häufiger zum Olbersdorfer See gehen. Aber der ist ja eine ausgezeichnete Alternative.

Die SZ-Serie „Unsere Siedlung“ ist am 31. Mai mit der Wohnsiedlung Johannes-R.-Becher-Straße in Oderwitz

gestartet. Weitere Serienteile: 3. Juni: Eichgraben

„Am Walde“; 7. Juni: Ebersbach-Schlechteberg; 11. Juni: Olbersdorf-Hagelsburg; 14. Juni: Pethau-Fröbelstraße; 17. Juni: Jonsdorf; 21. Juni: Neugersdorf; 24. Juni: Oberseifersdorf-Siedlung; 28. Juni: Zittau-Weinau „An der Aue“ und „Weinauring“.